Ernährung

03.12.2015, Glyphosat

Erneute Zulassung verbieten

Krebserregend oder nicht? Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist äußerst umstritten. Angesichts der kontroversen Diskussion setzt sich der VSB aus Vorsorgegründen gegen eine Zulassungsverlängerung für Glyphosat ein.
Bereits im März 2015 forderten wir die verantwortlichen Ministerien und Gesundheitsbehörden in einem offenen Brief zum Handeln auf:

Das Schreiben können Sie hier einsehen:
Offener Brief an die verantwortlichen Ministerien und Gesundheitsbehörden


Foto: © iStockphoto.com - simazoran

Glyphosat ist einer der weltweit am meisten verwendeten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, mit steigendem Einsatz. Es ist ein Breitband- oder Totalherbizid und vernichtet alle Pflanzen, außer gentechnisch veränderte Pflanzen, die dagegen immun sind. Die aktuelle Zulassung in der EU endet Ende 2015, dann ist eine erneute Zulassung nötig. Glyphosat wurde bisher als nicht krebserzeugend für den Menschen eingestuft.

Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im März 2015 in Lyon Glyphosat auf Basis der zur Verfügung stehenden Studien andersartig eingestuft, nämlich als Kanzerogen Gruppe 2A, also wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen.

Vor diesem Hintergrund fordert der VerbraucherService Bayern

  • dass die erneute Zulassung insbesondere für den Hausgartenbereich verboten wird.
  • dass Zulassungen in der Landwirtschaft und im öffentlichen Bereich nur nach strenger Kontrolle vergeben werden.
  • dass derjenige Anwender, der verbotenerweise keine Genehmigung einholt, empfindliche Geldbußen zahlen muss.
  • dass Lebensmittel regelmäßig auf Glyphosat kontrolliert werden.
  • dass bei einer neuen Zulassung der ADI Wert nicht angehoben wird.

In Deutschland gilt das Prinzip der Vorsorge 

Das heißt, Schäden müssen nicht erst eintreten bevor gehandelt wird.

Auch wenn das Bundesamt für Risikobewertung (BfR), das Umweltbundesamt, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Julius-Kühn-Institut keine Bedenken gegen eine erneute Zulassung haben, bestehen nach Meinung dieser offiziellen Stellen dennoch Probleme:

  • Kombinationsprodukte (z.B. mit Tallowamin) sind gefährlicher als angenommen und sollten verboten werden
  • die Anwendungshäufigkeit sollte beschränkt werden
  • der Einsatz ist genehmigungspflichtig, das soll stärker kontrolliert werden
  • die Biodiversität muss erhalten bleiben

Die Präparate sind für verschiedene Anwendungen zugelassen:

  •  in der Landwirtschaft, zur Unkrautbekämpfung während der Pflanzzeit, zur Stoppelbehandlung und zur Sikkation (Abreifebeschleunigung z.B. von Getreide, Raps, Kartoffeln, Erbsen)
  • in Gärten, Parks, im Bahnbereich, auf Friedhöfen etc.
  • im Hausgartenbereich

Spezielle Regelungen in Deutschland

Obwohl EU-weit das Zulassungsverfahren noch läuft, wurden in Deutschland bereits Regelungen und Vorschriften erlassen. Das BVL setzte neue Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat fest. Sie gelten seit Mai 2014, Verstöße werden mit Geldstrafen geahndet. Nun gilt: 

  • mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln dürfen innerhalb eines Kalenderjahres auf der derselben Fläche nur noch maximal 2 Behandlungen im Abstand von mindestens 90 Tagen durchgeführt werden; dabei dürfen insgesamt nicht mehr als 3,6 kg Wirkstoff pro Hektar und Jahr ausgebracht werden.
  • Spätanwendungen in Getreide sind nur auf Teilflächen erlaubt, auf denen aufgrund von Unkrautdurchwuchs in lagernden Beständen bzw. Zwiewuchs in lagernden oder stehenden Beständen eine Beerntung sonst nicht möglich wäre. Damit soll die Anwendung auf solche Situationen und Teilflächen beschränkt werden, in denen es um die Abwendung von Schäden wie zum Beispiel erheblichen Ernteverlusten geht.

Der Einsatz Glyphosathaltiger Mittel im öffentlichen Bereich ist genehmigungspflichtig. Anträge werden jedoch kaum gestellt. Das BfR bestätigt in der Anhörung vor dem Bundestag am 2. Juli 2014, dass etwa 60 Prozent der Anwendungen nicht genehmigt worden wären.

Wirkungsweise von Glyphosat

Glyphosat wirkt systemisch, es wird über die Blätter aufgenommen und zerstört diese bis in die Wurzeln. Es hemmt ein Enzym in der Pflanze, das für den Aufbau von Eiweißbausteinen zuständig ist. Fehlt es, kommt es zum Wachstumsstillstand und die Pflanze stirbt ab. Menschen und Tiere besitzen dieses Enzym nicht, deshalb gilt Glyphosat bisher als ungefährlich.

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