Ernährung

06.04.2017, Ernährungstipp

Fisch – am besten mit Umweltsiegel

Fisch liegt im Trend. Gilt er doch als wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Doch viele Fischarten gelten als überfischt. Ist Fisch dennoch immer eine gute Wahl?
Verbraucher können durch bewusstes Einkaufen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Fischerei nachhaltig gestaltet wird und die Bestände der begehrten Fische nicht unter rücksichtsloser Fischerei leiden.


 

Siegel für umweltgerechte und nachhaltige Fischerei


Foto: © shotsstudio - Fotolia.com

Zusammen mit Wissenschaftlern und Umweltorganisationen sowie Fischereiexperten hat das Marine Stewardship Council (MSC) ein Umweltsiegel für Fisch entwickelt, mit dem Ziel einer langfristigen Sicherung der Fischbestände sowie einer gesunden maritimen Umwelt. Umweltgerechtes Fischereimanagement wird vom MSC mit einem blauen Logo ausgezeichnet. Das Siegel steht für nachhaltige und umweltgerechte Fischerei bei Wildfang. (Mehr Infos zum MSC-Label unter www.label-online.de).

Da Zuchtfisch für unseren Fischkonsum mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, hat die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) nach dem Vorbild des MSC die Einführung eines Siegels für Fisch aus nachhaltiger Aquakultur initiiert. Das sogenannte Aquaculture Stewardship Council (ASC) achtet bei der Vergabe seines ASC-Siegels auf ökologische und soziale Standards. Tilapia, Pangasius, Lachs, Forelle oder Garnelen sind mit dem ASC-Siegel in Deutschland erhältlich. (Mehr Infos zum ASC-Label unter www.label-online.de).

Aquakultur gewinnt an Bedeutung

Laut WWF gelten 80 % der Fischbestände als bis an die Grenzen befischt oder sogar überfischt. Besonders wegen der Überfischung gewinnt neben dem klassischen Fischfang in öffentlichen Gewässern die Aquakultur an Bedeutung. Aquakultur ist die kontrollierte Aufzucht von Fischen, Krebstieren, Muscheln und Algen. Bei Meeresfischen basiert sie oft auf Netzgehegen, die frei im Meer oder in Buchten schwimmen. Auf dem europäischen Festland sind Aquakulturen in fließenden oder stehenden Gewässern unter freiem Himmel am meisten verbreitet. Der Anteil von Speisefisch aus Aquakulturen am gesamten Fischangebot beträgt heute fast 50 Prozent.

Allerdings bringen Aquakulturen auch Probleme mit sich. Diese ergeben sich aus der Überdüngung von Gewässern, aufgrund nicht vollständig verwerteter Nahrung, Ausscheidungen der Fische und toten Fischen. Zusätzlich sind die in unnatürlich großen und dichten Verbänden gehaltenen Tiere krankheitsanfälliger als Wildfische. Sie benötigen deshalb Antibiotika, die ebenfalls das Ökosystem der Umgebung und die menschliche Gesundheit gefährden. Fische können auch aus Aquakulturen ausbrechen und sich in Meeresgegenden ausbreiten, die nicht ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entsprechen.

Kennzeichnung: Produktionsmethode und Fanggebiet muss angegeben werden

Ob ein Speisefisch aus einer Aquakultur stammt, können Verbraucher an der Kennzeichnung erkennen. Für alle EU-Mitgliedstaaten gilt die Kennzeichnungspflicht von frischen, gefrorenen und geräucherten Fischen oder Krebs- und Weichtieren. Händler müssen neben der Handelsbezeichnung der jeweiligen Fischart auch die Produktionsmethode ("gefangen in ...", "aus Binnenfischerei", "aus Aquakultur" oder "gezüchtet") und das Fanggebiet ausweisen.

In der ökologischen Fischerei werden Futterstandards und Bestandsdichte wesentlich strenger gehandhabt als es bei MSC und ASC der Fall ist. Verbraucher, denen Umwelt- und Tierschutz besonders am Herzen liegen, sollten nur Fisch mit Siegel von Bioland oder Naturland kaufen.

Einkaufsführer Fisch

Der WWF veröffentlicht regelmäßig einen Einkaufsführer Fisch mit leicht nachvollziehbaren Entscheidungskriterien. Der "Fischführer" kann hier heruntergeladen werden: Fischführer
Auch von Greenpeace gibt es einen Ratgeber für den nachhaltigen Fischkauf.

Hintergrundinformationen:

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch betrug nach Auskunft des Fischinformationszentrums e.V. in Hamburg im Jahre 2015 ca. 14 kg.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt mindestens einmal wöchentlich eine Seefischmahlzeit einzuplanen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist ein hoher Fischverzehr wegen seiner zahlreichen wertvollen Inhaltsstoffe empfehlenswert. Dabei sind neben den Vitaminen A und D auch B-Vitamine und vor allem das Spurenelement Jod und die lebenswichtigen Omega-3-Fettsäuren bedeutend.

Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone und kommt besonders in Seefisch reichlich vor. Bekommt die Schilddrüse nicht genügend Jod, gleicht sie den Mangel mit Wachstum aus. Das Resultat ist ein Kropf. Regelmäßiger Fischverzehr kann den Jodbedarf decken.

Das Fett der Fische enthält lebenswichtige Omega-3-Fettsäuren die unser Körper nicht selber bilden kann. Diese Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die ebenfalls hauptsächlich in Seefisch vorkommen. Im menschlichen Körper werden aus den Omega-3-Fettsäuren Gewebshormone gebildet, die positiv auf die Blutfettwerte und den Blutdruck wirken. Sie verbessern die Fließeigenschaften des Blutes, wirken entzündungshemmend, beugen Ablagerungen in den Blutgefäßen vor und tragen so zur Verringerung des Arterioskleroserisikos bei.

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