Umwelt

22.06.2015

Nanoteilchen in Sonnenschutzmitteln: Nutzen oder Risiko?

Sonnenschutz ist in der warmen Jahreszeit Pflicht. Kaum ein Mitteleuropäer hält es ungeschützt längere Zeit in der Sonne aus, ohne gefährliche Hautrötungen davonzutragen. Wie in vielen anderen Lebensbereichen hat auch im Bereich der Sonnencreme die Nanotechnologie Einzug gehalten und verspricht sicheren Schutz. Doch sind die winzig kleinen Teilchen tatsächlich unbedenklich in ihrer Verwendung?

Nanotechnologie – schöne neue Welt?

Sonnencreme, Autolack, Lebensmittelverpackung und Medizinprodukte – mittlerweile werden Nanomaterialien in fast allen Lebensbereichen verwendet und versprechen ungeahnte Fähigkeiten. Nano kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zwerg“. Laut EU-Verordnung werden Partikel als Nanoteilchen bezeichnet, die eine Größe von weniger als 100 Nanometer aufweisen. Ein einzelnes menschliches Haar ist bereits 80.000 nm dick.

 

 

 

 

 

 

 

Die winzigen Teilchen verhalten sich aufgrund ihrer Größe anders als das gleiche Material in größerer Form. Und das, obwohl sie chemisch gesehen gleich sind. Gold in Nanogröße beispielsweise ist purpurrot.

Gefahreneinschätzung von Nanoteilchen

Die speziellen Eigenschaften von Nanoteilchen macht sich die Industrie zu Nutze und produziert wasserabweisende Oberflächen, intelligente Verpackungen und besonders wirkungsvolle und anwenderfreundliche Sonnencreme. Doch gerade das andersartige Reaktionsverhalten der Nanoteilchen birgt auch Gefahren. Es ist von der Wissenschaft noch nicht ausreichend geklärt, wie sich die Teilchen in der Umwelt oder im Körper des Menschen verhalten.

Das Umweltbundesamt schreibt dazu: „Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken sind derzeit noch kaum erforscht.“ Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung kann zur Nanotechnologie noch keine ausreichende Risikoeinschätzung abgeben. Dazu sind die verwendeten Nanoteilchen in ihrer Form, Struktur, Oberflächen-beschaffenheit und Verwendung zu verschieden. Es besteht ein erhöhter Forschungsbedarf.

Dem BfR zufolge gibt es allerdings Hinweise darauf, dass einige Nanomaterialien eine krebsauslösende Wirkung haben können, besonders, wenn sie als Aerosol über die Atemwege aufgenommen werden.

Wirkung von Nanoteilchen in Sonnencreme

Herkömmliche Sonnencreme wirkt aufgrund eines chemischen Filters, der in die obersten Hautschichten eindringt und die UV-Strahlung in Wärmeenergie umwandelt. Da einige dieser Chemikalien jedoch den unerwünschten Nebeneffekt aufweisen, wie Hormone zu wirken, wird gerade Kindern und Schwangeren empfohlen, auf mineralische Filter zurückzugreifen. Diese wirken wie kleine Spiegel auf der Haut und reflektieren auf diese Weise die Sonnenstrahlung. Bei den mineralischen Lichtschutzsubstanzen handelt es sich um winzige Partikel der Pigmente Titandioxid oder Zinkoxid. Frühere mineralische Sonnencremes hatten den Nachteil, einen weißen Film auf der Haut zu hinterlassen. Zudem ließen sie sich sehr schwer verstreichen. Diese negativen Eigenschaften wurden durch die Verkleinerung von Titanoxid und Zinkoxid auf Nanogröße behoben, zudem werden dadurch Lichtschutzfaktoren von 30 oder sogar 50 erreicht.

Diese beiden Substanzen sind laut einer Stellungnahme des EU-Komitees für Verbrauchersicherheit (SCCS) auch in Nanoform unbedenklich. Äußerlich aufgetragen, dringen sie nicht in tiefere Hautschichten ein und kommen somit nicht mit lebenden Zellen in Kontakt. Gelangen Nanopartikel in den Körper, können sie dort mit anderen Molekülen reagieren. Die Empfehlung des SCCS hat demnach auch Einschränkungen: So sollten Sonnencremes mit Nanopartikeln nur auf intakte Haut aufgetragen werden. Sind Wunden oder Abschürfungen vorhanden, sollte auf Kosmetikprodukte mit Nanoteilchen verzichtet werden.

Seit Juli 2013 besteht für Nanopartikel in Kosmetikprodukten eine Kennzeichnungspflicht. Es muss in der Inhaltsstoffliste (INCI) neben einer Substanz in Nanogröße das Wort Nano in Klammern aufgeführt sein. Z.B.: Titandioxid (Nano). Diese Information kann der Verbraucher zur Kaufentscheidung nutzen. 

 

 

 

 

 

 

Tipps für den Umgang mit Nanomaterialien in Sonnencreme:

  • Verwenden Sie bei Sonnenschutzmitteln mit Nanomaterial keine Sprays. Die kleinen Teilchen könnten auf diese Weise eingeatmet werden.
  • Streichen Sie nanohaltige Kosmetik nicht auf geschädigte Haut. Über offene Hautpartien können Nanoteilchen in den Körper gelangen.
  • Wenn Sie sich über Nanopartikel in Sonnencreme weiter informieren möchten, bietet das aktuelle Heft der Zeitschrift Ökotest 06/2015 Orientierung. Dort wurden auch chemische Filter und entzündungshemmende Stoffe untersucht.
  • Informieren Sie sich vor dem Kauf mittels Testberichten, z.B. von Stiftung Warentest.

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