Versicherungen

15.04.2016, Verbrauchertipp

Der gläserne Autofahrer: Telematik-Tarife auf dem Prüfstand

In diesem Jahr steigen auch die großen Kfz-Versicherer in Deutschland in den Markt mit den sogenannten „Pay-as-you-drive-Tarifen“ ein. Dabei wird das individuelle Fahrverhalten laufend erfasst, die Daten werden über Mobilfunk an den Versicherer übertragen, der eine vorsichtige und vorausschauende Fahrweise mit einem Rabatt auf die Prämie belohnt.


Foto: © uimono - pixabay.com

Der Fahrer zahlt die günstigere Prämie quasi mit der Herausgabe seiner persönlichen Daten. Nicht ohne Grund befürchten Verbraucherverbände und Datenschützer ein großes Missbrauchspotential und langfristig höhere Preise für andere Tarife.

Was sind Telematik-Tarife?

Mittels einer kleinen Box im Auto, einem Stecker im Zigarettenanzünder und/oder einer Smartphone App werden die Daten zum Fahrstil ermittelt. Mit welchen Parametern die Fahrweise aufgezeichnet und gewichtet wird, ist von Versicherung zu Versicherung sehr unterschiedlich. In der Regel werden diese Faktoren zur Beitragsberechnung herangezogen:

  • Hartes Bremsen
  • Geschwindigkeit
  • Gefahrene Kilometer
  • Schnelles Beschleunigen
  • Nachtfahrten
  • Leerlaufzeit
  • Straßentyp

Die Fahrzeugdaten werden per Telematik-Box oder Smartphone App über das Mobilfunknetz an einen externen Dienstleister gesendet, dort zu einem Score-Wert aufbereitet und sowohl an den Versicherer als auch an den Versicherungskunden weitergeleitet.

Anhand des Score-Wertes, maximal 100 Punkte sind möglich, schätzt der Versicherer das Unfallrisiko des Kunden ein und kalkuliert den Tarif. Wer vorsichtig und vorausschauend fährt, kann nach Aussagen der Versicherer mit Beitragsrabatten bis zu 40 Prozent rechnen.

Für wen lohnt sich der Pay-as-you-drive-Tarif?

Tendenziell sind die „Zahle-wie-du-fährst-Tarife“ eher für jüngere Fahrer geeignet. Sie werden aufgrund ihrer Unerfahrenheit und des statistisch höheren Unfallrisikos in die ungünstigen Schadensfreiheitsklassen eingestuft und können mit dem Nachweis einer vorsichtigen Fahrweise in einem Telematik-Tarif einige hundert Euro Beitrag pro Jahr sparen. Doch Vorsicht ist geboten, wenn der Versicherer für die Telematik-Technik Kosten in Rechnung stellt. Die erhoffte Beitragsersparnis wird so schnell geschmälert und bei manchem Versicherer sind im Telematik-Tarif auch preissenkende Tarifmerkmale wie eine Werkstattbindung nicht möglich.

Tipp: Wem die Preisgabe der persönlichen Daten im Telematik-Tarif nicht geheuer ist, kann allein durch einen Versicherungswechsel schon Beiträge sparen. Zusätzlich gibt es noch vielfältige Rabatte für Familien, Immobilienbesitzer, Wenig-Fahrer, Bahncard-Kunden und Mitglieder in Automobilclubs.

Was passiert mit meinen Daten?

Datenschützer befürchten, dass sich aus den erfassten Fahrdaten komplette Bewegungsprofile erstellen lassen und fordern, dass die Daten unbedingt verschlüsselt übertragen werden müssen. In jedem Fall dürfen die erhobenen Daten vom Versicherer nur für die Berechnung des Prämienrabatts herangezogen und nicht für die Schadensbewertung nach einem Unfall verwendet werden. Außerdem sollte bereits im Versicherungsvertrag festgehalten werden, welche Daten genau erhoben und wie diese ausgewertet und verwendet werden.

Wenn ein Auto von mehreren Fahrern genutzt wird, muss sich für jeden Fahrer eine Möglichkeit ergeben, die Aufzeichnung der Fahrdaten zu verneinen.

Die Verbraucher selbst stehen den Pay-as-you-drive-Tarifen nicht ganz so ablehnend und kritisch gegenüber. Nach einer Studie des Kölner Marktforschungsinstitutes Yougov sehen 40 Prozent der Autofahrer in Telematik-Tarifen eine interessante Alternative, zumal sich in anderen Industrienationen diese Tarifformen bereits seit Jahrzehnten am Markt etabliert haben.

Der VerbraucherService Bayern geht ebenfalls davon aus, dass sich Telematik-Tarife in Deutschland durchsetzen werden. Langfristig ist aber zu befürchten, dass die Preise für die KFZ-Versicherung grundlegend angehoben werden, um einerseits die Rabatte für die Telematik-Kunden zu finanzieren und andererseits die stärkere Risikoverteilung auszugleichen. Wer als Autofahrer seine Daten nicht preisgeben will, wird vermutlich generell mit höheren Prämien bestraft werden. Diese Entwicklung gilt es kritisch zu beobachten.

Mehr Informationen zu diesem und weiteren Rechtsthemen erhalten Sie in den Beratungsstellen des VerbraucherService Bayern

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