Altersvorsorge

10.04.2019, Vorsorge fürs Alter

Was kostet das Pflegeheim und wer zahlt es?

Laut einer aktuellen Postbank-Studie geht jeder zweite Deutsche davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten für den Pflegeplatz im Heim in voller Höhe übernimmt. In Wirklichkeit kostet die Pflege viel mehr, als das, was die Pflegeversicherung übernimmt. Nur wenige Verbraucherinnen und Verbraucher überblicken das komplizierte Pflegefinanzierungssystem aus gesetzlicher und privater Pflegevorsorge.

Was kostet die Pflege?


Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Für Bayern beziffert das Statistische Bundesamt für die Pflege im Heim rund 3200 Euro durchschnittliche monatliche Kosten.

Die tatsächlichen Pflegekosten übersteigen deutlich den Betrag, welchen Pflegeversicherung und Rente im Alter abdecken. Zwischen dem Hilfsbedarf im Pflegefall und der Leistung der Pflegeversicherung klafft eine Lücke.

Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt die Kosten für einen vollstationären Pflegeplatz  nicht in voller Höhe. Die Erstattung erfolgt in Abhängigkeit vom Pflegegrad des Patienten. Bei Pflegegrad 2 sind es zum Beispiel nur 770 Euro im Monat, selbst beim höchsten Pflegegrad 5 betragen die gesetzlichen Leistungen bloß 2.005 Euro.

Die Patienten haben darüber hinaus einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) zu zahlen. Der Betrag ist unabhängig vom aktuellen Pflegegrad und dient der Deckung der Fixkosten des Pflegebetriebs. Zusatzkosten fallen auch für die Unterkunft an, eine Art Miete in der Pflegeeinrichtung. Ebenfalls zahlen die Patienten selbst für ihre Verpflegung, sie beteiligen sich sogar anteilig an den Investitionskosten des Heims wie Anschaffungen, Renovierung, etc. 

Pflegepatienten in Bayern bringen im Durchschnitt Monat für Monat zusätzlich rund 1.850 Euro Eigenanteil auf. NRW bittet Pflegepatienten sogar mit ca. 2300 Euro monatlich zur Kasse.

Obwohl die Lebenserwartung und damit das Risiko, Pflegefall zu werden, seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt, rechnen die wenigsten Verbraucherinnen und Verbraucher mit dieser Pflegelücke, selbst Senioren im Rentenalter nicht. Viele gehen davon aus, dass der Staat für die Kosten aufkommt. Diese Erwartungen sind allerdings unrealistisch.  

Unterhaltspflichtige Kinder

Wenn die Rente, die gesetzliche Pflegeleistung und das Guthaben auf dem Sparbuch oder die Erlöse aus dem Verkauf vom Eigenheim nach Abzug von einer geringen Notfallreserve die Heimkosten nicht decken, haften die Kinder für ihre Eltern. Das gilt selbst dann, wenn zwischen Eltern und Kindern seit längerer Zeit kein Kontakt besteht. Die Unterhaltspflicht errechnet sich nach den Vermögens- und Einkommensverhältnissen. Behalten dürfen die Kinder selbst nur 1800 Euro, verheiratete 3440 Euro. Bei der Berechnung der individuellen Leistungsfähigkeit werden ein angemessenes Schonvermögen für die eigene Altersvorsorge, Freibeträge wegen Kindererziehung, aber auch Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung und Kapitalerträge oder der Mietvorteil aus dem Eigenheim berücksichtigt. Etwaige Schenkungen der Eltern an die Kinder in den letzten 10 Jahren werden geprüft und unter bestimmen Umständen zurückgefordert. Erst wenn die Kinder auch nicht in der Lage sind, die Kosten zu übernehmen, tritt das Sozialamt ein.

Wann mit der Pflege-Vorsorge starten?

Für viele Menschen ist das Thema Pflegerisiko unangenehm und sie scheuen die Auseinandersetzung damit. Andere meinen, die Pflege betrifft nur alte Menschen. Es ist daher für die meisten Familien ein Schock, wenn der Pflegefall in ihrem nahen Umfeld unerwartet eintrifft.

Um hohe Zuzahlungen im Alter zu vermeiden und um die Kinder vor Pflegekosten zu bewahren, gilt es, rechtzeitig zu handeln. Nach der Vorsorge für die Berufsunfähigkeit und das Alter –  spätestens aber mit 50 Jahren –, ist es Zeit, sich mit dem Pflegefallrisiko auseinanderzusetzen.

Zusätzliche Vorsorge – Pflegerenten-, Pflegekostenversicherung und Pflegetagegeldversicherung

Neben Vermögenswerten, wie Sparguthaben oder dem abbezahlten Eigenheim, besteht die Möglichkeit, durch eine freiwillige Zusatzabsicherung die Finanzierung zukünftiger Pflegekosten sicherzustellen.

Die so genannte Pflegerentenversicherung zahlt bei Pflegebedürftigkeit eine vereinbarte monatliche Rente aus. Versicherte können im Rahmen einer Pflegetagegeldversicherung einen festen Tagessatz für den Pflegefall vereinbaren. Die Pflegekostenversicherung übernimmt einen Teil der anfallenden Pflegekosten direkt. Die vom Staat mit 60 Euro jährlich geförderte Variante der Pflegetagegeldversicherung, der „Pflege-Bahr“, wird sogar ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen. Obwohl seine Leistung gedeckelt ist, ermöglicht der Pflege-Bahr Pflegezusatzvorsorge selbst für diejenigen, die wegen des Gesundheitszustands kein anderes Vorsorgeprodukt mehr bekommen.

Pflegelücke ermitteln, Bedarf an Zusatzvorsorge prüfen

Lassen Sie sich berechnen, ob bei Ihrer Vorsorge oder der Ihres Ehepartners eine Pflegelücke besteht. Informieren Sie sich rechtzeitig. Umso niedriger das Eintrittsalter, desto günstiger der Beitrag. Lassen Sie sich zu folgenden Fragen beraten:
- Welche Form der privaten Pflege-Zusatzversicherung ist überhaupt sinnvoll?
- Was kostet die zusätzliche Vorsorge?
- Müssen Sie mit Wartezeiten rechnen, wo gibt es Beitragsbefreiung im Pflegefall?
- Welche individuellen Leistungssätze bieten die unterschiedlichen Versicherer?
- Sind die Leistungen Ihrer privaten Zusatzversicherung auch für die unteren Pflegegrade ausreichend?

Diese und alle weiteren Informationen zur Pflegevorsorge erhalten Sie von den unabhängigen Finanzexperten des VerbraucherService Bayern in den 15 Beratungsstellen in Bayern.

 

Kennen Sie schon unseren VSB-Newsletter?
Aktuelle Verbraucherthemen direkt in Ihr Postfach

Jetzt anmelden

Alle Artikel

> Hier gelangen Sie zu allen Artikeln aus dem Bereich Altersvorsorge

Artikelsuche im Bereich Altersvorsorge

Beratung

Wünschen Sie Beratung zu diesem Thema?

Rufen Sie uns an oder kommen Sie in eine unserer 15 Beratungsstellen

Telefonische Beratung
Persönliche Beratung
E-Mail Kontakt

Aktuelle VerbraucherINFO

Die aktuelle Ausgabe für April 2019 unserer VerbraucherINFO steht Ihnen zum Lesen und Downloaden zur Verfügung



Alle Ausgaben der letzten Monate im Überblick finden Sie hier

Kennen Sie schon unseren VSB-Newsletter?

Aktuelle Verbraucherthemen direkt in Ihr Postfach!

Jetzt anmelden!