Ernährung

16.01.2019, Ernährungstipp

Eiweißbrot – Geheimtipp zum Abnehmen oder Kalorienbombe?

In den Regalen vieler Bäckereien, Supermärkten, aber auch im Internethandel, hat das sogenannte Eiweißbrot bzw. -brötchen schon einen festen Platz erobert. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein „normales“ Brot, enthält jedoch deutlich weniger Kohlenhydrate, dafür aber mehr Eiweiß und Fett. Wer lieber selbst Brot backt, erhält auch entsprechende Backmischungen und Rezepte v.a. übers Internet.

Was versteckt sich hinter dem Begriff „Eiweißbrot“?

Eiweißbrot – Geheimtipp zum Abnehmen oder Kalorienbombe?
Foto: © januszj - Pixabay.com

Das sogenannte Eiweißbrot wurde zur Ergänzung von Low-Carb-Diäten wie der „Schlank im Schlaf“-Diät von dem 2017 verstorbenen Dr. Detlef Pape entwickelt. Bei dieser Diät soll  abends auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln oder Nudeln verzichtet werden, um die nächtliche Fettverbrennung nicht zu gefährden. Durch die Erfindung des kohlenhydratarmen Brotes ist es Low-Carb-Anhängern möglich, abends Brot zu essen.

Welche Zutaten enthält das Eiweißbrot?

Beim Eiweißbrot wird das im „normalen“ Brot enthaltene Weizen- bzw. Roggenmehl größtenteils durch Weizen-, Soja- und Lupineneiweiß, aber auch Erbsen- und Ackerbohneneiweiß ersetzt. Weitere Zutaten sind Sojamehl und -schrot, Leinsaat, Speisekleie, Flohsamenschalen, Sonnenblumenkerne, Sesam und Obstfasern. Einige Brote enthalten Chiasamen oder tierisches Eiweiß wie z. B. eiweißangereichertes Molkenpulver. Durch den Getreidemehlersatz enthält das Brot mehr Eiweiß als Kohlenhydrate, was den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lässt.

Inzwischen gibt es in vielen Bäckereien und Supermärkten Eiweißbrote mit unterschiedlichen Nährwertzusammensetzungen. Der Eiweißanteil kann pro 100 g zwischen 12 und 29 g, der Kohlenhydratanteil zwischen 2 und 25 g, der Fettanteil zwischen 8 und 17 g sowie der Ballaststoffanteil zwischen 7 und 15 g liegen.

Laut Herstellerangaben enthält das Original-Eiweißbrot gegenüber Vollkornbrot folgende Anteile an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett und Ballaststoffen:

  • Eiweißbrot (Lowercarb Backmischung von Organic Workout):
  • ca. 15 % Eiweiß und dafür 2 % Kohlenhydrate, 11 g Fett, k. A. Ballaststoffe
  • Weizenschrot- und Vollkornbrot:
  • ca. 8 % Eiweiß und 41 % Kohlenhydrate, 1 g Fett, 8 g Ballaststoffe
  • Roggenschrot- und Vollkornbrot:
  • ca. 7 % Eiweiß und 39 % Kohlenhydrate, 1 g Fett, 8 g Ballaststoffe

(Quellen: Lowercarb Backmischung von Organic Workout Nährwertangabe Stand 01.2019; Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle 2018/19)

Um jedoch trotz des geringeren Getreideanteils eine gute Struktur zu erhalten, wird dem Eiweißbrot deutlich mehr Fett zugesetzt.

Der Anteil an Fett in verschiedenen Eiweißbroten ist  bis zu fünfzehnmal höher als in normalem Vollkornbrot. Allerdings sind vorwiegend ungesättigte Fettsäuren enthalten.
Damit erhöht sich auch der Kaloriengehalt: 100 Gramm (ca. zwei Scheiben) Eiweißbrot schlagen mit rund 230 bis 280 Kilokalorien zu Buche, die gleiche Menge Vollkornbrot liegt nur bei 200 Kilokalorien.


Wer da nicht auf einen fettarmen Brotbelag achtet, wird sicherlich nicht abnehmen.

Inzwischen sind allerdings auch andere Backmischungen bzw. Rezepte mit niedrigerem Fettanteil sowie ohne Gluten erhältlich.

Geschmack und Konsistenz

Um die Backeigenschaften durch die veränderten Zutaten zu erhalten, werden dem Eiweißbrot viele Zusatzstoffe zugefügt. Das Mundgefühl ist eher pappig und schwammig.

Welche gesundheitlichen Wirkungen hat das Eiweißbrot?


Der reduzierte Kohlenhydratanteil des Brotes bewirkt einen niedrigeren Blutzuckeranstieg nach Verzehr des Brotes. Dies soll abends die Insulinausschüttung vermindern und somit die Fettverbrennung in der Nacht anregen.

Eine insgesamt höhere Eiweißzufuhr sättigt länger, wodurch weniger Kalorien aufgenommen werden. Eine Diät mit höherem Proteinanteil kann anfangs zu einer stärkeren Gewichtsreduktion im Vergleich zu einer eiweißarmen Ernährung führen. Einen positiven Einfluss kann eine hohe Eiweißzufuhr auf eine vorhandene Fettleber ausüben. Bei vorhandener Funktionsstörung kann eine hohe Proteinzufuhr jedoch die Nierenfunktion verschlechtern. Außerdem kann die Wirkung des Insulins verschlechtert werden, was das Risiko für Diabetes erhöht.

Der Erfolg dieses Diätkonzeptes ist fraglich, da es in dieser Form nicht mit wissenschaftlichen Methoden belegt ist. Deshalb wurde die Werbung eines Bäckereiunternehmens aus Schleswig-Holstein vom Oberlandesgericht Schleswig 2012 als irreführend eingestuft. Die Bäckerei warb auf ihrem Eiweißbrot und Faltblättern mit dem Spruch „Schlank im Schlaf“ und verwies auf das „Abnehmkonzept nach Dr. P.“.

Eiweißbrot teuer und unnötig zum Abnehmen

Für Gesunde, die sich ausgewogen und vielseitig ernähren, besteht keine Notwendigkeit das kohlenhydratarme Eiweißbrot zu kaufen. Es ist zwar nicht ungesund, aber zum Abnehmen ist das Eiweißbrot unnötig. Sie können Ihr Gewicht auch ohne strenge Diätvorschriften reduzieren, wenn Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Achten Sie auf eine Ernährungsweise, die viele pflanzliche Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Kartoffeln, Obst und Gemüse enthält. Auch Milch(-produkte), Hülsenfrüchte, etwas Fleisch und Fisch sowie hochwertige Fette und Öle zählen zu einer ausgewogenen Ernährung, die dem Körper alle benötigten Nährstoffe liefert.
  • Verzehren Sie Grundnahrungsmittel, die mit möglichst wenigen Zutaten auskommen.
  • Wichtig für Allergiker: Immer die Zutatenliste durchlesen, da Allergene aufgrund der aktuellen Kennzeichnungsvorschriften hier deutlich gekennzeichnet werden müssen (fett, kursiv). Für lose Ware (z. B. beim Bäcker) gelten die gleichen Vorschriften, die mündlich bzw. schriftlich durch das Verkaufspersonal zur Verfügung gestellt werden muss. Für Soja- und Lupinen-Allergiker ist Eiweißbrot mit diesen Zutaten als Mehlersatz deshalb nicht geeignet. Zöliakiepatienten sollten auf glutenfreie Produkte achten.
  • Steigern Sie Ihre Alltagsbewegung und treiben Sie regelmäßig Ausdauersport, das erhöht zusätzlich den Energieverbrauch. Es kommt nach wie vor beim Abnehmen darauf an mehr Energie zu verbrauchen als aufzunehmen.
  • Falls Ihnen das Eiweißbrot zum Abendessen schmeckt, achten Sie auf einen fettarmen möglichst pflanzlichen Belag, da das Brot schon sehr viel Fett enthält. Somit können Sie auch zusätzliches tierisches Eiweiß wie Fleisch oder Käse reduzieren.
  • Sparen Sie sich das Geld für das teure Spezialbrot, von dem 400 bis 500 Gramm für bis zu fünf Euro angeboten werden, und kaufen Sie dafür normales Vollkornbrot.
  • Wenn Sie Hilfe beim Abnehmen benötigen, suchen Sie sich eine/n qualifizierte Ernährungsberater/in.

Für eine individuelle Beratung können Sie sich an unsere Ernährungsberaterinnen wenden

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