Ernährung

01.04.2021, Getränke-Ratgeber

Energydrinks sind nichts für Kinder

Energydrinks erfreuen sich seit Jahren ungebrochener Beliebtheit. Hersteller werben mit Trendsportarten und Popkultur und sprechen so vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an. Der versprochene „Energiekick“ ist den Inhaltsstoffen Koffein und Zucker geschuldet. Problematisch ist, dass auch Kinder zu Energydrinks greifen. Insbesondere zu besonderen Gelegenheiten, wie Partys, Onlinespielrunden oder Sportveranstaltungen ist es unter Jugendlichen Usus, innerhalb kurzer Zeit eine große Menge der Drinks zu konsumieren.

Energydrinks sind nichts für Kinder
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Immer noch wächst der Markt für Energydrinks. Laut einer Umfrage in Deutschland zum Alter der Konsumenten von Energydrinks von 2020 (Statista 2021) gab vor allem die Altersgruppe der 20- bis 29- Jährigen an, mehrmals im Monat Energydrinks zu konsumieren (3,47 Millionen), gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen (2,26 Mio.) und den 14- bis 19-Jährigen mit 1,29 Mio.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist vor allem das exzessive Trinken von Energydrinks zu besonderen Gelegenheiten bei Kindern und Jugendlichen ein Problem. Das BfR hat dazu im Jahr 2019 eine Stellungnahme verfasst*.

Wie viel Koffein darf es sein?

Die EFSA hat Obergrenzen für die Koffeinaufnahme herausgegeben. Sie hält eine über den gesamten Tag verteilte Koffeinaufnahme von bis zu 400 Milligramm für gesunde Erwachsene für unbedenklich. Ebenso unbedenklich sei eine Einzeldosis bis zu 200 Milligramm Koffein, das entspricht ungefähr 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Menge von 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht hält die EFSA auch für Kinder und Jugendliche für ungefährlich.

Zum Vergleich:

Eine Tasse (200 ml) Filterkaffee enthält 90 Milligramm Koffein,

eine Dose (250 ml) Energydrink 80 Milligramm Koffein.

Bei einem Kind von 8 Jahren, das ungefähr 30 Kilogramm wiegt, ist mit einer Dose Energydrink die Obergrenze erreicht. Bei einem Jugendlichen mit ca. 50 Kg Körpergewicht sind 2 Dosen Energydrink schon zu viel. Bedenklich ist hier der Trend zur Halbliterdose (www.lebensmittelpraxis.de; 2014), auch Flaschen mit bis zu 1,5 Liter Inhalt sind erhältlich.

Besteht ein Risiko für die Gesundheit?

Moderate Energydrink-Mengen haben laut BfR keine unerwünschten Nebenwirkungen für junge Erwachsene. Problematisch ist der exzessive Konsum bei Kindern und Jugendlichen zu bestimmten Gelegenheiten, bei denen 1 Liter Energydrinks und mehr innerhalb weniger Stunden konsumiert werden. Mit dieser Menge an Koffeinzufuhr sind sie als Hochrisikogruppe anzusehen, insbesondere mit Risiken für ihr Herz-Kreislaufsystem. Vielen ist zudem nicht bewusst, dass zusätzlicher Alkoholkonsum oder anstrengende körperliche Tätigkeit die Wirkungen des Koffeins noch verstärken. Unerkannte Vorerkrankungen erhöhen das Risiko zusätzlich.

Unerwünschte Wirkungen von Energydrinks auf die Gesundheit werden vermutlich in erster Linie durch Koffein verursacht. Koffein wirkt auf das zentrale Nervensystem und kann in mäßiger Dosierung die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, Müdigkeit entgegenwirken und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Bei überhöhter Koffeinaufnahme können Nebenwirkungen wie Nervosität, erhöhte Erregbarkeit, Schweißausbrüche, Herzrasen oder Schlaflosigkeit auftreten. Eine chronisch hohe Koffeinzufuhr wird mit Herz-Kreislaufproblemen in Verbindung gebracht.

Für Kinder sind koffeinhaltige Getränke deshalb grundsätzlich nicht geeignet, das gilt insbesondere für unruhige Kinder mit ohnehin gestörter Aufmerksamkeit.

Typische Inhaltsstoffe von Energydrinks sind neben Koffein noch Taurin, Glucuronolacton und Inosit, die ebenfalls als Wachmacher gelten. Das ist jedoch nicht bewiesen.

Was bringt der Warnhinweis?

Die gesetzliche Obergrenze für Koffein liegt für koffeinhaltige Erfrischungsgetränke bei 320 Milligramm pro Liter. Hersteller müssen die genaue Menge an zugegebenem Koffein pro 100 Milliliter Getränk angeben, wenn der Koffeingehalt über 150 Milliliter pro Liter liegt. Dann ist für Energydrinks auch der Warnhinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ verpflichtend. Nachdem die Veröffentlichung der EFSA den Konsum von Energydrinks bei Kindern offengelegt hat, sind starke Zweifel angebracht, ob der Warnhinweis seine gewünschte Wirkung erzielt.

Auch die freiwilligen Hinweise einiger Hersteller wie „Nur eine begrenzte Menge konsumieren“, „Nicht in Verbindung mit Alkohol konsumieren“, „Nicht in Verbindung mit erhöhter sportlicher Aktivität konsumieren“ scheinen wenig Beachtung zu finden.

Damit der Warnhinweis überhaupt beachtet wird, muss er, entweder größer, farbig oder an einer besser sichtbaren Stelle platziert werden.

Wie viel Zucker ist drin?

Energydrinks enthalten beträchtliche Mengen an Zucker. Dieser liefert Energie in Form von Kalorien. Manche Dosen enthalten bis zu 16 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Hochgerechnet auf eine kleine 250 Milliliter Dose sind das 40 Gramm Zucker, das entspricht mehr als 13 Stück Würfelzucker. Gerade wenn Energydrinks regelmäßig oder mehrere Dosen am Tag getrunken werden, kann das zur Gewichtszunahme beitragen und die Zähne schädigen. Der süße Geschmack ist wohl auch der Grund warum bereits Kinder gerne Energydrinks trinken. Der Zucker überdeckt den bitteren Geschmack des Koffeins.

Es gibt auch Energydrinks bei denen der Zucker durch Süßstoff ersetzt wurde. Diese haben keine Kalorien und sind nicht kariogen. Vom häufigen Verzehr ist trotzdem abzuraten, weil süße Getränke eine Geschmacksvorliebe für Süßigkeiten begünstigen können.

*BfR Stellunghnahme 17/2019, 27.05.2019: uebermaessiger_konsum_von_energy_drinks_erhoeht_gesundheitsrisiko_bei_kindern_und_jugendlichen-240894.html