Ernährung

02.04.2008

Folat und Folsäure - bei Kinderwunsch unentbehrlich

Folat spielt im Körper bei allen Wachstums- und Entwicklungsprozessen eine wichtige Rolle und ist daher vor und in der Schwangerschaft von großer Bedeutung. Zahlreiche Studien belegen, dass durch eine ausreichende Folatzufuhr das Risiko einer Fehlbildung des zentralen Nervensystems (Neuralrohrdefekt) beim ungeborenen Kind um bis zu 70% gesenkt wird.

Beim Neuralrohrdefekt bilden sich Gehirn und Rückenmark des Ungeborenen nicht richtig aus, was schwere geistige und körperliche Behinderungen zur Folge hat. Die Ausbildung von Gehirn und Rückenmark erfolgt bereits in den ersten vier Schwangerschaftswochen, wenn Frauen oft noch nichts von ihrer Schwangerschaft wissen. Deshalb rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Frauen mit Kinderwunsch und Frauen, bei denen die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht, auf eine ausreichende Folatzufuhr zu achten.

Folat ist der Oberbegriff für ein wasserlösliches B-Vitamin. Man unterscheidet das in Lebensmitteln natürlich vorkommende Folat und die synthetisch hergestellte Folsäure, die zur Anreicherung von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungspräparaten eingesetzt wird. Folsäure kommt in der Natur nicht vor, kann aber im Organismus in eine aktive Wirkform überführt werden. Da das Vitamin vom Körper nicht selbst gebildet wird, ist man auf eine regelmäßige Zufuhr mit der Nahrung angewiesen.

Zufuhrempfehlung:
Die DGE empfiehlt eine tägliche Folatzufuhr von 400 µg. Die mittlere Folatzufuhr der deutschen Bevölkerung liegt deutlich unterhalb der empfohlenen Zufuhrmenge. Gerade Frauen im gebärfähigen Alter nehmen nur etwas mehr als die Hälfte der empfohlenen Menge zu sich.

Deshalb sollten Frauen mit geplanter oder möglicher Schwangerschaft neben einer vollwertigen Ernährung zusätzlich 400 µg Folsäure pro Tag in Form von Nahrungsergänzungspräparaten einnehmen, um den erhöhten Folatbedarf während der Schwangerschaft zu decken.

Nahrungsmittel, die wesentlich zur Folatversorgung beitragen, sind vor allem, Blattsalate und Blattgemüse wie Spinat, aber auch verschiedene Kohlarten, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Weichkäse wie zum Beispiel Camembert oder Brie. Leber und Eier enthalten ebenfalls viel Folat. Da das Vitamin wasserlöslich, licht- und hitzeempfindlich ist, sind eine kurze Lagerzeit und eine schonende Verarbeitung und Zubereitung der Lebensmittel wichtig. Bei unsachgemäßer Zubereitung können die Verluste bis zu 90% betragen. Die chemisch hergestellte Folsäure ist wesentlich stabiler.

Als angereicherte Lebensmittel sind derzeit Speisesalz, Diät-Margarine, Müsliriegel und Frühstückscerealien, Milchprodukte und Erfrischungsgetränke erhältlich.

Um die Folatversorgung der Bevölkerung zu verbessern befürwortet die DGE die Anreicherung von Bäckermehlen mit 150 µg Folsäure pro 100 g Mehl. Brot und Backwaren werden als Grundnahrungsmittel von der Bevölkerung regelmäßig in relativ gleich bleibender Menge verzehrt. Sie könnten dadurch die Folatversorgung in Deutschland flächendeckend verbessern. Durch die Anreicherung von Brot und Backwaren werden auch Frauen im gebärfähigen Alter erreicht und die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten kann gesenkt werden. Dies stellt vor allem bei nicht geplanten Schwangerschaften einen Vorteil dar, wenn die Frauen es versäumt haben, rechtzeitig ein Folsäurepräparat einzunehmen. Das muss aber erst vom Gesetzgeber beschlossen werden.

Achtung:
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfehlen die tägliche Gesamtfolatzufuhr von 1 mg nicht zu überschreiten. Wenn unzählige Lebensmittel mit Folsäure angereichert werden und Folsäure noch zusätzlich in Form von Multivitamin- oder Nahrungsergänzungspräparaten eingenommen wird, besteht die Gefahr, dass ein geringer Teil der Bevölkerung die Obergrenze von 1 mg überschreitet.

Neue Untersuchungen:
Seit Jahren wird Folsäure in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 auch in der Therapie von Patienten mit hohen Homocysteinspiegel im Blut eingesetzt. Erhöhte Homocysteinspiegel im Blut begünstigen die Entstehung einer Arterienverkalkung und erhöhen damit das Risiko für Herzinfarkt, Thrombose oder Schlaganfall. Obgleich Folsäure und B-Vitamine den Homocysteinspiegel nachweislich senken, haben sie in mehreren großen Studien bislang nicht zu der erwarteten Prävention von kardiovaskulären Krankheiten geführt. Da Erkrankungen unter Vitaminbehandlung sogar zugenommen haben, sollten mit Folsäure angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungspräparate mit Bedacht eingenommen werden. Nur Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangere dürfen auf Folsäuretabletten nicht verzichten.

Stand: 28.03.2008
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