Ernährung

08.11.2019

Geflügel: Qualität hat seinen Preis

Mit St. Martin am 11. November beginnt nun wieder die Hochsaison für Geflügel. Zur Advents- und Weihnachtszeit sind Gänse, Enten, Puten und auch Hühner sehr beliebt. Wer den Festtagsschmaus uneingeschränkt genießen möchte, sollte schon beim Einkauf auf die Angaben zu Haltungsform und Herkunftsland achten.

Wer beim Einkaufen auf das Etikett achtet, erhält viele Informationen über:

Hintergrundinformationen zu Kennzeichnung, Mast und Haltungsformen

Pflichtangaben auf der verpackten Ware:

Herkunftsangabe:  seit 1. April 2015 muss unverarbeitetes und vorverpacktes Geflügelfleisch verpflichtend mit dem Ort der Aufzucht sowie dem Ort der Schlachtung gekennzeichnet werden:

  • Bei der Angabe des Aufzuchtsortes von frischem, gekühltem und gefrorenem verpacktem Geflügel ist entscheidend, wo die Tiere zuletzt vor der Schlachtung für mindestens einen Monat gehalten wurden. Sofern sie früher geschlachtet werden, kommt es auf die gesamte Aufzuchtperiode an.
  • Werden diese Kriterien in keinem Land erfüllt, muss das Fleisch mit der Angabe „aufgezogen in mehreren Mitgliedstaaten der EU“ bzw. „in mehreren NichtEU-Ländern“ gekennzeichnet werden. Optional können die einzelnen Länder auch genannt werden.
  • Werden die Tiere in einem einzelnen Land geboren, aufgezogen und geschlachtet, muss nur eine Angabe gemacht werden (z. B. „Ursprung: Deutschland“).
  • Zusätzlich ist die freiwillige geografische Angabe zulässig (z. B. die Angabe einer Region).

die Verkehrsbezeichnung Geflügelart und ggf. Bezeichnung der Teilstücke

der Angebotszustand (frisch, gefroren oder tiefgefroren) und empfohlene Lagertemperatur

die Handelsklasse: In Deutschland ist nur Ware der Handelsklasse A oder B zu finden.

Name und Anschrift des Herstellers oder Anbieters

Mindesthaltbarkeitsdatum bei gefrorenem und tiefgefrorenem Geflügel, seit 2014 zusätzlich das Einfrierdatum

bei Lebensmitteln, die vor dem Verkauf tiefgefroren wurden und aufgetaut verkauft werden, muss seit 2014 der Hinweis „aufgetaut“ zur Verkehrsbezeichnung hinzugefügt werden

Verbrauchsdatum bei frischem Geflügelfleisch

das ovale Identitätskennzeichen, welches angibt, dass der Betrieb, der das Produkt zuletzt behandelt oder verpackt hat, nach EU-weiten Hygienestandards arbeitet und überwacht wird

Zutatenverzeichnis bei mehr als einer Zutat, z. B. paniertes Putenschnitzel

Gewicht, Gesamtpreis und Preis je Kilogramm

gegebenenfalls die Angabe „unter Schutzatmosphäre verpackt“

Freiwillige Angaben:

  • die Haltungsform nach EU-weit definierten Kriterien
  • besondere Futterbestandteile („gefüttert mit ...Prozent…“)
  • das angewandte Kühlverfahren (Luftkühlung, Luft-Sprüh-Kühlung, Tauchkühlung)

Pflichtangaben bei unverpacktem Geflügel

  • Handelsklasse
  • Angebotszustand (frisch, gefroren oder tiefgefroren) und empfohlene Lagertemperatur
  • Verbrauchsdatum bei frischem Geflügelfleisch
  • Mindesthaltbarkeitsdatum bei gefrorenem und tiefgefrorenem Geflügel, seit 2014 zusätzlich das Einfrierdatum
  • Zulassungsnummer des Schlacht und zerlegebetriebes
  • Preis je Gewichtseinheit
  • Herkunftsland bei Geflügelfleisch aus Drittländern.

Geflügelmast
In Deutschland wird Mastgeflügel hauptsächlich in Bodenhaltung mit Einstreu aufgezogen. Für Masthühner regelt die EU-Hähnchenhaltungsrichtlinie sowie die nationale Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung die Mindestvorschriften zum Schutz von Masthühnern in Betrieben mit 500 oder mehr Tieren.

Seit Januar 2013 können sich Verbraucher beim Kauf von Hühnerprodukten an zwei neuen Labeln orientieren, die von den Tierschutzorganisationen „VIER PFOTEN“ und dem Deutschen Tierschutzbund vergeben werden.

Ziel der beiden Organisationen ist es, bessere Lebensbedingungen bei Haltung, Transport und Schlachtung von Nutztieren zu erreichen und dies für den Konsumenten mit einem Label transparent zu machen. Die zweistufigen Labels (Einstiegs- und Premiumstufe) sollen als Orientierungshilfe beim Einkauf dienen und ein Anreiz für den Verbraucher darstellen, den Tierschutz beim Einkauf einzubeziehen.

Die Labels können für Fleischprodukte aus der konventionellen oder auch Bio-Tierhaltung vergeben werden. Beide Organisationen haben sehr ähnliche Kriterien für die Hühnerhaltung erarbeitet, die sich trotzdem beispielsweise beim Futter und beim Platzangebot geringfügig unterscheiden.
Interessierte Unternehmen werden von unabhängiger, neutraler Stelle zertifiziert und regelmäßig kontrolliert. Beide Tierschutzorganisationen behalten sich aber das Recht vor eigene Zusatzkontrollen durchzuführen.

 

Für andere Geflügelarten gibt es weder EU-einheitliche Vorschriften noch nationale rechtsverbindliche Vorgaben zur intensiven Bodenhaltung. Für Mastputen halten sich Geflügelhalter in Deutschland an freiwillige, bundesweite Eckwerte, die eine nach dem Tierschutzgesetz tolerierbare Haltung sicherstellen sollen. Im September 2015 gingen die circa 8000 im Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) zusammengeschlossenen Betriebe mit einer „Geflügel-Charta“ an die Öffentlichkeit. Hierin bekennen sich die beteiligten Produzenten zum Tierwohl, einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika, Präventionsmaßnahmen für die Tiergesundheit, ehrliche Verbraucherinformation und zu Sozialstandards. Inwieweit dieser bloßen Absichtserklärung auch Taten folgen muss sich noch zeigen

Unterschiedliche Mast - unterschiedliche Namen

Bei Gänsen dauert die Kurz- bzw. Früh- oder Schnellmast 8 bis 10 Wochen. Frühmastgänse werden mit einem Gewicht von 3 bis 4 kg geschlachtet und meist tiefgekühlt aus Polen oder Ungarn importiert. Hierzulande wird hauptsächlich die extensive Weidemast mit einer Dauer von circa 16 Wochen praktiziert. Bratfertig wiegen diese jungen Gänse 4 bis 6 kg und sind qualitativ gut. Die Vermarktung erfolgt in der Regel frisch und regional ab einem Alter von 140 Tagen.

Als „Hafermastgans“ dürfen Gänse bezeichnet werden, die während der letzten drei Wochen täglich 500 g Hafer erhalten.

Gänsestopfleber (Foie Gras), zu deren Herstellung die Gänse extrem gemästet werden, um eine besonders große Leber zu erhalten, darf in Deutschland und einigen anderen EU-Ländern aus Tierschutzgründen nicht erzeugt werden. Allerdings sind der Import und Vertrieb erlaubt. Das Fleisch der Tiere wird ohne spezielle Kennzeichnung verkauft, außer es wird auf dem Etikett mit Freilandhaltung geworben. Dann muss ein Hinweis auf die Haltung der Tiere zur Fettlebererzeugung gegeben werden. Gleiches gilt für Entenstopfleber.

Für Verbraucher, die sicher sein wollen, dass sie keine Gänse aus der Stopfleberproduktion und Lebendrupf kaufen, gibt es bei der Tierschutzorganisation „VIER PFOTEN“ eine Positivliste entsprechender Gänseproduzenten. Hier werden nur Unternehmen aufgelistet, die auf die Verarbeitung von Tieren aus der Stopfleberproduktion und Lebendrupf, sowie auf die Durchführung dieser Tätigkeiten verzichten. Die Firmen haben umfangreichen unangemeldeten und unabhängigen Kontrollen zugestimmt.

Die Tierschutzorganisation PETA listet auf ihrer Homepage Restaurants und Hotels auf, die Gänsestopfleber von ihrer Speisekarte gestrichen haben (www.peta.de/stopfleberkarte).

Haltungsformen bei Boden-, Freiland- und Biogeflügel

Haltungsformen bei Bodenhaltung

Bei der „extensiven Bodenhaltung“ dürfen die Tiere 25 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter Stall nicht überschreiten. Für Gänse gilt ein Höchstwert von 15 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter Bodenfläche.
Das Schlachtalter ist geregelt, Gänse müssen beispielsweise mindestens 60 Tage (bei jungen Gänsen) bzw. 112 Tage und Puten 70 Tage alt sein, bevor sie geschlachtet werden dürfen.

Haltungsformen bei Freilandhaltung

Für „Freilandhaltung“ gelten die gleichen Anforderungen wie für die extensive Bodenhaltung. Zusätzlich müssen die Tiere während der Hälfte ihrer Lebenszeit tagsüber Zugang zu Freiluft-Ausläufen haben. Allerdings sind die Flächen eher knapp bemessen. Ein Hühnchen hat einen Quadratmeter Auslauf, eine Ente zwei Quadratmeter und eine Pute vier Quadratmeter. Während der Ausmastphase, muss das Futter mindestens 70 Prozent Getreide enthalten. Auslaufflächen und Mastdauer erhöhen sich bei der „bäuerlichen Freilandhaltung“ nochmals, wobei langsam wachsende Rassen eingesetzt werden müssen. Eine weitere Steigerung ist die „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“. Bei dieser Haltungsform haben die Tiere zusätzlich zu den Anforderungen der „bäuerlichen Freilandhaltung“ tagsüber einen flächenmäßig unbegrenzten Auslauf. Begriffe wie „artgerecht“, „tiergerecht“ oder „bäuerlich“ sind gesetzlich nicht definiert. Dahinter verbirgt sich in der Regel die intensive Bodenhaltung.

Haltungsformen bei Bio

Wird Bio-Geflügel angeboten, dann muss auf der Verpackung das Bio-Siegel oder ein Siegel der Anbau-Verbände, z. B. Naturland, Bioland oder Demeter vorhanden sein. Für biologisch oder ökologisch erzeugtes Geflügel sind die höchsten Anforderungen an Stallflächen mit höchstens 21 kg Lebendgewicht je Quadratmeter zu erfüllen. Zusätzlich sind beim Freilandauslauf großzügigere Auslaufflächen vorgeschrieben (mindestens 4-15 qm je Tier) sowie offene Gewässer für Wassergeflügel. Das Biofutter wird ohne synthetische Pflanzenschutzmittel und ohne chemische Düngemittel angebaut. Langsam wachsende Extensiv Rassen werden im Biolandbau ohne vorbeugende Medikamentengabe oder Wachstumsförderer artgerecht gehalten.

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