Ernährung

08.11.2021

Jodversorgung sinkt - Zahlen, Fakten und Tipps zum Gegensteuern

Jod ist notwendig für die Funktion unserer Schilddrüse und damit auch für Wachstum, Knochenbildung, Gehirnentwicklung sowie Energiestoffwechsel wichtig. Doch aktuelle Studien und Erhebungen zeigen, dass die Jodversorgung in der deutschen Bevölkerung rückläufig ist. Woran liegt das, wie lauten die aktuellen Empfehlungen und wie erreichen Verbraucher*innen eine ausreichende Versorgung mit dem wichtigen Spurenelement? Wir geben einen Überblick.  

Jodversorgung sinkt - Zahlen, Fakten und Tipps zum Gegensteuern
Foto: © Sea Wave - stock.adobe.com

Jod ist für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen essenziell. Diese haben eine zentrale Steuerungsfunktion im Körper. Es ist notwendig, dass wir das Spurenelement kontinuierlich über die Nahrung aufnehmen. Hier liegt es gebunden als Kalium- oder Natriumjodid vor. Zu wenig Jod über einen längeren Zeitraum bedeutet eine zu niedrige Produktion von Schilddrüsenhormonen, wodurch es zu gesundheitlichen Problemen kommen kann.

Rückläufige Jodversorgung in der deutschen Bevölkerung

Das Robert Koch-Institut (RKI) erhob zwischen 2003 und 2017 im Rahmen des nationalen Gesundheitssurveys repräsentative Daten. Diese zeigen, dass die Jodaufnahme der deutschen Bevölkerung abnimmt: Etwa 30 Prozent der einbezogenen Erwachsenen und sogar 44 Prozent der einbezogenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen eine Jodzufuhr unterhalb des geschätzten Bedarfs auf (BfR). Es stellt sich die Frage, wie sich die Zufuhr verbessern lässt.

Natürliche Jodquellen: Fisch und Milchprodukte

Meeresfisch und Meeresfrüchte sind zwar jodreich, werden aber zu selten – zumindest abseits der Küste – verzehrt, um den Jodbedarf zu decken. Da unsere Böden niedrige Jodgehalte aufweisen, enthalten pflanzliche und tierische Produkte wenig Jod. Lediglich Milch und Milchprodukte tragen durch Jod als Futtermittelzusatzstoff noch zur Jodversorgung bei.

Lebensmittelindustrie: Verwendung von jodiertem Speisesalz rückläufig

Mitte der 1980er Jahre wurde die Jodmangelprophylaxe durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz sowohl im Privathaushalt als auch in der Lebensmittelindustrie und im Lebensmittelhandwerk eingeführt. Wichtig zu wissen: Die Verwendung von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie hat einen größeren Einfluss auf die Jodversorgung als die Verwendung von jodiertem Speisesalz in der heimischen Küche. Offensichtlich verwenden aber Lebensmittelhersteller heute weniger Jodsalz in der Produktion als noch vor Jahren (Markterhebung der Universität Gießen 2019). Vor allem bei den Bäckereien, aber auch den Metzgereien ist die Jodsalzverwendung in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Aktuell setzten Metzgereien bei immerhin rund 47 Prozent der Fleischwaren, Bäckereien aber nur bei etwa 10 Prozent der industriell hergestellten Brote und Backwaren Jodsalz ein. Um eine ausreichende Jodversorgung über Nahrungsmittel sicherzustellen, müsste sich in rund 45 Prozent aller verarbeiteten Lebensmittel Jodsalz befinden.

Jodsalz: Deklarationspflicht bei verpackten Lebensmitteln

„Jodiertes Speisesalz“ enthält mindestens 15 mg/kg und höchstens 25 mg/kg Jod, im Mittel also 20 µg Jod pro ein Gramm Salz. Zur Herstellung von jodiertem Speisesalz sind die Zusatzstoffe Natriumjodat und Kaliumjodat zugelassen, die auf der Verpackung von jodiertem Salz zu finden sind. Auch für den Einsatz von jodiertem Speisesalz in Industrie und Handwerk gibt es eine Deklarationspflicht. Auf verpackten Lebensmitteln sind die Hersteller verpflichtet, im Zutatenverzeichnis den Jodzusatz durch „Kaliumjodat“ oder „Natriumjodat“ anzugeben. Nur bei unverpackt verkauften Lebensmitteln an der Käsetheke, beim Bäcker oder Metzger sowie in der Gastronomie ist die Kennzeichnung der Verwendung von jodiertem Salz freiwillig. 

So erreichen Sie eine gute Jodversorgung

  • Ein bis zwei Portionen Meeresfisch pro Woche.
  • Täglicher Verzehr von Milch- und Milchprodukten.
  • Konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz in der eigenen Küche.
    Achtung: Meersalz ist an sich jodarm, sollte deshalb mit Hilfe von Algen standardisiert jodangereichert sein.
  • Bei verarbeiteten und verpackten Produkten auf die Verwendung von Jodsalz achten (Kennzeichnungspflicht).
  • Beim Bäcker, Metzger und in der Gastronomie des Vertrauens nachfragen, ob sie Jodsalz einsetzen.

Wichtig zu wissen

  • Bei veganer Ernährung oder bei Kuhmilch- bzw. Fischallergie besonders auf die Jodzufuhr achten und evtl. vom Arzt den Status überprüfen lassen.
  • Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Jodbedarf.
  • Vorsicht bei Meeresalgenprodukten: Diese enthalten ggf. sehr hohe Mengen an Jod. Nur Produkte kaufen, die Angaben zum Jodgehalt und zur täglichen maximalen Verzehrmenge aufweisen.
  • Bei Schilddrüsenerkrankungen auf Nahrungsergänzungsmittel mit Meeresalgen verzichten.

Quellen:

Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig - Tipps für eine gute Jodversorgung - BfR (bund.de)

Jodversorgung | Max Rubner-Institut (bund.de)

Jodversorgung: Zu viel und zu wenig ein Problem - UGB-Gesundheitsberatung