Ernährung
24.07.2025
Matcha Latte: Trendgetränk mit gesundheitlicher Wirkung?
Grün, hip und in aller Munde – Matcha erlebt seit ein paar Jahren einen regelrechten Hype. Ob als Latte, als Zutat in Smoothies oder als Zugabe in Desserts: Das hellgrüne Pulver aus Japan gilt als Superfood. Doch was genau ist Matcha eigentlich? Welche Inhaltsstoffe sind enthalten und wie glaubwürdig sind die gesundheitsbezogenen Versprechen? Wir werfen einen kritischen Blick auf das Trendgetränk.
© Vladislav Noseek - stock.adobe.comWas ist Matcha?
Matcha ist ein fein gemahlenes Pulver aus Grüntee. Ursprünglich stammt es aus Japan, wo es nach einem traditionellen Verfahren hergestellt wird. Die Teepflanzen werden etwa drei Wochen vor der Ernte beschattet, wodurch sich die Reifezeit verlängert und die Teeblätter vermehrt biologisch aktive Substanzen wie Theanin, Catechine und Chlorophyll bilden. Dadurch entstehen die intensive grüne Farbe und auch der charakteristische Geschmack.
Nach der Ernte werden die Teeblätter gedämpft, getrocknet und nach Entfernung aller Stängel und groben Blattgefäße in Steinmühlen vermahlen – teilweise auch heute noch von Hand.
Durch diesen aufwendigen Herstellungsprozess gilt Matcha als besonders edle Teesorte.
Große Preisunterschiede und kein geschützter Begriff
Sehr hochwertiger Matcha kann über Tausend Euro pro Kilo kosten. Mittlerweile gibt es das Pulver auch in Drogerien und gut sortierten Supermärkten. Hier ist es ab 200 Euro pro Kilo erhältlich. Dabei wird deutlich, dass auch Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Herstellern bestehen. Denn der Begriff „Matcha“ ist lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Auch der oft beworbene „Ceremonial Grade“ ist gesetzlich nicht definiert und damit keine Qualitätsgarantie. Verbraucher*innen sehen also nicht, ob das jeweilige Matcha-Pulver tatsächlich nach dem aufwendigen Verfahren hergestellt worden ist.
Die internationale Nachfrage nach Matcha wächst stetig. Die Größe des Matcha-Marktes beziffert sich im Jahr 2024 auf etwa 4,25 Milliarden US-Dollar, dabei wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum (2024 bis 2030) von knapp acht Prozent erwartet. Auch in Deutschland ist der Import von Matcha-Pulver 2024 um 240 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Da die japanischen Teebauern zunehmend Schwierigkeiten haben, den Bedarf zu decken, ist von einer weiteren Preissteigerung auszugehen.
Gesundheitsversprechen von Matcha nicht eindeutig belegt
Rund um Matcha kursieren zahlreiche gesundheitsbezogene Aussagen: Es soll den Stoffwechsel ankurbeln, beim Abnehmen helfen, das Immunsystem stärken, vor freien Radikalen schützen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs senken.
Tatsächlich enthält Matcha Antioxidantien (vor allem Catechine), Vitamine und Mineralstoffe. Da beim Matcha das ganze Blatt verzehrt wird, fällt die Aufnahme dieser Inhaltsstoffe deutlich höher aus als beim Aufguss eines herkömmlichen gefilterten Tees.
Einige dieser Effekte wurden in Zellkultur- oder Tierversuchen beobachtet. Studien am Menschen liefern bislang allerdings keine eindeutigen Belege. Deshalb sind gesundheitsbezogene Angaben auf Matcha-Produkten gemäß Health Claims-Verordnung nicht zulässig.
Wichtig: Matcha ist kein Wundermittel. Wer sich insgesamt ausgewogen ernährt, profitiert mehr von der Vielfalt verschiedener Lebensmittel als vom alleinigen Konsum eines "Superfoods".
Wachmachender Effekt von Matcha
Matcha enthält mehr Koffein als Grüntee. Je nach Zubereitungsart hat Matcha etwa einen ähnlichen Gehalt wie ein Espresso: Etwa 70 Milligramm bei einer Portionsgröße von zwei Gramm Matcha-Pulver. Das Koffein im Matcha ist jedoch an andere Naturstoffe gebunden. Es wird entsprechend langsamer ins Blut abgegeben und wirkt dadurch langfristiger. Matcha ist daher für Kinder weniger geeignet. Empfindliche Personen, Schwangere und Stillende sollten auf einen moderaten Verzehr achten.
Mögliche Schadstoffbelastung beachten
Teepflanzen können Aluminium und Blei natürlicherweise aus dem Boden aufnehmen. Da beim Matcha das ganze Blatt verzehrt wird, ist der Gehalt entsprechend höher als bei einem gefilterten Tee. Das Gleiche gilt für Pestizide. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, nimmt ein Gramm Matcha pro zubereitetes Getränk, maximal dreimal am Tag. Zudem ist es sinnvoll, Produkte und Marken abzuwechseln.
Matcha-Produkte kritisch betrachtet – Zutatenliste prüfen
Matcha-Eis, Matcha-Kuchen, Matcha-Smoothie – immer mehr Produkte werden mit Matcha angereichert und entsprechend beworben. Ein Blick in die Zutatenliste lohnt sich. Denn wenn auf der Verpackung der Begriff oder eine Abbildung von Matcha verwendet wird, muss die prozentuale Menge im Zutatenverzeichnis angegeben werden. Oft ist nur ein geringer Anteil des Teepulvers enthalten. Viele Produkte enthalten unter zwei Prozent Matcha.
Quellen:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36582446/
https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/matcha-market
https://www.bfr.bund.de/cm/343/hohe-aluminiumgehalte-in-einzelnen-matcha-teeproben.pdf
https://www.japantimes.co.jp/life/2025/02/23/food-drink/matcha-shortage-global-solutions/
