Ernährung

12.02.2018, Verbraucherärger

Neuer Fund - Giftige Alkaloide in Tees

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzenstoffe, die von bestimmten Pflanzenarten gebildet werden, um Fraßfeinde abzuwehren. Die NDR-Sendung "Markt" kontrollierte 13 Tees. Sechs der getesteten Produkte enthielten krebserregende Pflanzengifte.

Diese Tees sind mit Pyrrolizidinalkaloide belastet:

  • Bei den Kamillentees fielen zwei von sieben Produkten auf: Der Kamillentee von Teekanne überschritt mit knapp 1,7 Mikrogramm PA pro Liter Tee die empfohlene tägliche Aufnahmemenge bei Erwachsenen um das Dreifache, bei Kindern sogar um das Zehnfache.
    Mit etwa 0,17 Mikrogramm pro Liter war der Kamillentee der Rewe-Eigenmarke Ja! leicht belastet.
  • Auch bei den Kräutertees enthielt das Produkt von Teekanne die größte Menge Pyrrolizidinalkaloide: 0,84 Mikrogramm pro Liter Tee.
    Der Kräutertee von Meßmer enthielt 0,75 Mikrogramm pro Liter. Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge wird in beiden Fällen bei Erwachsenen beim Konsum eines Liters Tees um das 1,5-fache überschritten, bei Kindern etwa um das Fünffache.

Insgesamt wurden folgende Sorten getestet


Foto: © congerdesign - pixabay.com

Kamillentee:

  • von Aldi, Edeka, Lidl und Rewe für jeweils 0,55 Euro
  • von Alnatura in Bio-Qualität für 1,29 Euro
  • von Meßmer und Teekanne für jeweils 1,99 Euro

Kräutertee:

  • von Aldi, Edeka und Lidl für jeweils 0,89 Euro
  • von Alnatura in Bio-Qualität für 1,29 Euro
  • von Meßmer für 1,79 Euro
  • von Teekanne für 1,99 Euro

Es gibt noch keine gesetzlichen Grenzwerte für PA in Futter- bzw. Lebensmitteln. Jedoch gibt es eine errechnete Höchstaufnahmemenge. Diese liegt laut Bundesinstitut für Risikobewertung bei einem Erwachsenen bei 0,42 Mikrogramm pro Tag. Bei dem getesteten Pfefferminztee der Rewe-Eigenmarke "Ja!" liegt der Wert bei einer Tasse bereits bei 0,67 Mikrogramm also über der täglichen Höchstaufnahmemenge.

In hoher Dosierung können diese Alkaloide akut zu Leberschädigungen führen. Im Tierversuch haben sich bestimmte PA als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen. Sie haben daher in Lebens- und Futtermitteln nichts zu suchen. In früheren Untersuchungen konnten diese Werte auf Verunreinigungen durch darin enthaltene Blüten und Blätter des Gemeinen Greiskrautes oder des Jakobkreuzkrautes zurückgeführt werden. Die Unkräuter können auf Anbauflächen wachsen und mit der Ernte in die Produkte gelangen. PA sind beispielsweise in Kräutertees, Getreide, Salaten, Blattgemüsen und Honigen nachgewiesen worden.

Eine weitere ernstzunehmende Aufnahmequelle stellen Nahrungsergänzungsmittel (NEM) auf Pflanzenbasis dar. So bilden Pflanzen wie z.B. Borretsch, Wasserdost, Beinwell oder Huflattich Pyrrolizidinalkaloide in unterschiedlichen Mengen. Diese können, nach Ansicht des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ,vor allem bei Verzehr über eine längere Zeit zu einem Gesundheitsrisiko werden. Produzenten von NEM sollten deshalb kontinuierlich ihre Produkte auf PA-Gehalte untersuchen und die Kunden über die Untersuchungsergebnisse informieren. Fehlen derartige Hinweise, ist ein Nachfragen beim Hersteller vor dem Kauf ratsam.

Grundsätzlich "können die in den Lebensmitteln (Kräutertees, Rooibostee, schwarzer und grüner Tee sowie Honig) vorkommenden PA-Mengen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene bei längerer (chronischer) Aufnahme gesundheitlich bedenklich sein. Ein akutes Gesundheitsrisiko bei normalem Konsum besteht nicht.

Um die PA-Aufnahme möglichst gering zu halten, sollten insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende Kräutertees und Tees abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren.

Der VerbraucherService Bayern rät außerdem, die Vielfalt auf dem Teemarkt zu nutzen: Teetrinker sollten sowohl bei den Kräutersorten als auch bei den Herstellern abwechseln, um so das Risiko einer belasteten Charge zu minimieren. Früchtetees sind nach derzeitigem Stand kaum belastet.   

Als aktuelle Maßnahme empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung kontinuierliche Bemühungen, die Anbau-, Ernte- und Reinigungsmethoden zu optimieren.

Weiterführende Informationen:

Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln, Aktualisierte FAQ des BfR vom 25. September 2017

http://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-pyrrolizidinalkaloiden-in-lebensmitteln.pdf

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