Ernährung

08.05.2019, Orientierung beim Einkauf?

Nutri-Score auf Lebensmittelverpackungen

Beim Einkauf erleichtert die auf vielen verpackten Lebensmitteln und Fertigprodukten zu findende Nährwertkennzeichnung die Suche nach zucker-, fett- und salzarmen Produkten. Die seit Dezember 2016 verpflichtende Kennzeichnung informiert über den Energiegehalt, den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz (in Gramm pro 100 g).

Allerdings sind Verbraucher dennoch mit der Kennzeichnung oft überfordert. In der öffentlichen Diskussion kursieren aktuell verschiedene Kennzeichnungsmodelle, die gesunde Produkte auf den ersten Blick erkennbar machen.

Nutri-Score auf Lebensmittelverpackungen
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Ampelmodelle – Vorteile von Farbkennzeichnungen

Nach einer aktuellen Studie von Forschern der Universität Bonn und der Ohio State University hilft eine Ampelkennzeichnung in grün, gelb und rot bei der Wahl zwischen süßen oder fetten Speisen (Schokolade, Chips) sowie gesünderen Alternativen (Knäckebrot, Naturjoghurt). Laut der Studie suchten Käufer Lebensmittel häufiger nach Gesundheitsaspekten als rein nach Geschmack aus, wenn die Fett-, Zucker- und Salzgehalte auf der Verpackung in Form einer Ampel anstelle einer Nährwerttabelle gekennzeichnet sind.

Im Oktober 2017 führte die Regierung in Frankreich auf freiwilliger Basis eine Lebensmittelampel, den von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelten „Nutri-Score“ (Skaleneinteilung A-E) ein. Im August 2018 folgte die Einführung des Nutri-Scores in Belgien. Bisher ergaben zwei französische Studien, dass dieses Kennzeichnungssystem leicht verständlich ist und das Einkaufs- und Konsumverhalten in Richtung einer gesünderen Ernährung verändert.

Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist eine fünfstufige Farbskala von dunkelgrün (A) über gelb (C) bis dunkelrot (E). Er befindet sich auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen und verrät auf einen Blick die Nährwertqualität des Produktes pro 100 g oder 100 ml.

Ein gesundes Produkt mit einem ausgewogenen Nährwertprofil erhält den Buchstaben „A“ und eine grüne Farbe, ein sehr unausgewogenes Produkt, das nur selten verzehrt werden sollte, erhält eine rote Bewertung und den Buchstaben „E“. Durch diese Kennzeichnung erkennt der Verbraucher auf den ersten Blick das gesündere Produkt und wird hierdurch bei einer ausgewogenen Ernährung unterstützt. Erste Erfolge erzielte Frankreich schon mit diesem System, da Hersteller ihre fett-, salz- und zuckerreichen Rezepturen auf gesündere umstellen, um einen besseren Nutri-Score (A oder B) zu erreichen.

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Um den Score für ein Produkt zu erhalten, werden günstige und weniger günstige Nährwerte des entsprechenden Produktes miteinander verrechnet. Ungünstige Nährstoffe, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können wie Energie, gesättigte Fettsäuren, Gesamtzucker und Salz (Natrium) erhalten Plus-Punkte. Daneben spielen auch Produkteigenschaften eine Rolle, die positiv auf die Gesundheit wirken können. Hierzu zählen Eiweiß- und Ballaststoffgehalt sowie der Anteil an Nüssen, Obst und Gemüse. Diese werden mit Minus-Punkten verrechnet. Das Gesamtergebnis dieser Berechnung liegt zwischen -15 und +40 Punkten. Von den Gesamtpunkten leitet sich der entsprechende Buchstabe ab, der dann farblich hervorgehoben auf dem jeweiligen Produkt zu sehen ist.

Berechnung Nutri-Score

 

Lebensmittel

 

Getränke

Gesamtpunkte

Nutri-Score

Gesamtpunkte

-15 bis -1

A

Wasser

0 bis 2

B

-15 bis 1

3 bis 10

C

2 bis 5

11 bis 18

D

6 bis 9

19 und mehr

E

10 und mehr

Quelle: Danone: Nährwertprofile auf einen Blick: Der Nutri-Score. 2019

Je niedriger die Gesamtpunktzahl, also auch der Nutri-Score, desto hochwertiger das Nährwertprofil des Produktes.

Orientierung beim Einkauf

Der Nutri-Score bietet schnelle Orientierung beim Einkauf aufgrund der guten Sichtbarkeit der Farbskala auf der Vorderseite der Produktverpackungen. Als Ergänzung zur Nährwerttabelle und Zutatenliste auf der Produkt-Rückseite sieht der Verbraucher auf einen Blick, ob ein Lebensmittel eine hohe oder niedrige Nährwertqualität hat. Außerdem erleichtert er die direkte Vergleichbarkeit von verschiedenen Joghurt-, Müsli- oder Fertigpizza-Sorten, da er sich auf 100 Gramm- bzw. 100 Milliliter-Basis und nicht auf Portionsbasis berechnet. Es werden nicht verschiedene Nährstoffe einzeln farblich dargestellt, sondern die Gesamtheit der Nährstoffe in einem Wert (Buchstabe). Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Möglichkeit, sich aufgrund der Bewertung bewusst für das gesündere Produkt entscheiden, was eine ausgewogenere Ernährung erleichtert.

Die Hersteller sollen durch den Nutri-Score motiviert werden, ihre Rezepturen anzupassen und die Produkte salz-, zucker- und fettärmer zu gestalten. Je mehr mehr Hersteller sich diesem System anschließen, umso leichter ist die Vergleichbarkeit verschiedener Produkte möglich.

Erste Vorreiter für Deutschland sind die Lebensmittelhersteller Danone, Iglo, Bofrost und Mestemacher. Einige mit dem Nutri-Score gekennzeichnete Produkte sind seit Frühjahr 2019 schon in den Supermarktregalen zu finden bzw. auf der Unternehmens-Homepage zum Nachlesen. Aktuell hat das Landgericht Hamburg mit einer einstweiligen Verfügung vom 16. April 2019 jedoch die Kennzeichnung von Iglo-Verpackungen mit dem Nutri-Score gestoppt – aus Sicht des VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. (VSB) ein falsches Signal.

Weitere Modelle in der Diskussion

Britische Ampel

In Großbritannien gibt es eine freiwillige Lebensmittelampel, die UK Multi-Traffic Light (UK-MTL), deren Kriterien jedoch die Lebensmittelindustrie mitgestaltete.

Die britische Ampel zeigt fünf einzelne, farblich unterlegte Angaben für Energie, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate und Salz.

Modell der Lebensmittelbranche

In der Diskussion ist auch ein eigenes Modell der Lebensmittelbranche, das auf der Vorderseite der Verpackungen nicht die Ampelfarben, sondern fünf Kreise zeigt. Darin steht die Kalorienzahl, der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm. Dabei zeigt ein jeweils hervorgehobenes Tortenstück, wie viel Prozent der Tageszufuhr des jeweiligen Nährstoffes der Verzehr von 100 Gramm dieses Produktes entspricht. Referenzmenge sind 2000 Kalorien für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Allerdings hilft dieses Modell weder bei der Orientierung über die Ausgewogenheit eines Lebensmittels noch ist es auf seine Wirksamkeit geprüft.

Modell des Bundesernährungsministeriums

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ist von keinem bestehenden Modell überzeugt und lässt vom Max-Rubner-Institut in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelwirtschaft und den Verbraucherverbänden ein neues Kennzeichnungsmodell entwickeln. Geplant ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Anschluss in einem Praxistest das neue Modell und relevante bestehende Modelle auf ihre Verständlichkeit testen.

Bisher sind alle verwendeten Kennzeichnungsmodelle freiwillig, da Mitgliedstaaten keine einzelstaatlichen Vorschriften erlassen dürfen, die über die bisherige verpflichtende Nährwertkennzeichnung hinausgehen.

Fazit

Auch wenn es beim Nutri-Score-Modell Punkte gibt, die keine Berücksichtigung finden (wie enthaltene Zusatzstoffe, Herkunft der Lebensmittel), handelt es sich um ein wissenschaftlich geprüftes und praxistaugliches System, das dem Verbraucher schnelle Orientierung beim Einkauf und die Wahl gesünderer Lebensmittel erleichtert.

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