Ernährung

05.10.2021, Gut zu wissen

„Ohne Zuckerzusatz“ ist nicht ohne Zucker

Joghurt, Müsliriegel oder Apefelbrei werden oft auch „ohne Zuckerzusatz“ angeboten. Doch was versteckt sich hinter dieser Werbebotschaft?

„Ohne Zuckerzusatz“ ist nicht ohne Zucker
© Claudia Paulussen, Fotolia.com

„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht immer „ohne Zucker“

Die Werbeaussage „ohne Zuckerzusatz“ auf Süßwaren, Speiseeis, Desserts und Müsli bedeutet nicht, dass diese Produkte zuckerfrei sind, sondern lediglich, dass bei der Verarbeitung keine Einfachzucker (wie Glukose oder Fruktose) oder Zweifachzucker (wie Haushaltszucker) zugesetzt wurden. Auch keine süßenden Lebensmittel wie Honig, Dicksäfte oder Sirup dürfen zugegeben werden. Ein Zusatz von Süßungsmitteln wie Zuckeralkohole oder Süßstoffe ist jedoch möglich.

Wenn das Produkt natürlicherweise Zucker enthält, sollte auf dem Etikett folgendes stehen: „Enthält von Natur aus Zucker“

Zuckeralkohole und Fruktose oft als Zuckerersatz

Haushaltszucker oder "Kristallzucker" wird häufig zum Süßen eingesetzt. Er ist ein Zweifachzucker (Disaccharid), ein Bestandteil davon ist der Fruchtzucker (Fruktose). Fruktose enthält mit 4 Kalorien pro Gramm zwar genauso viele Kalorien wie andere Zuckerarten. Oft wird anstelle von Haushaltszucker aber Fruchtzucker verwendet, da letzterer günstig herzustellen ist, intensiver süßt als Zucker, und weniger nötig ist, um den gleichen Süßgeschmack zu erreichen. Fruchtzucker steht oft neben den Zuckeralkoholen Sorbit, Mannit, Xylit (Birkenzucker), Maltit, Isomalt, Lactit und Erythrit als Zuckerersatz auf der Zutatenliste. Die Zuckeralkohole erreichen fast die Süßkraft von Zucker, der Energiegehalt ist mit 2,4 Kalorien pro Gramm jedoch nur etwa halb so groß. Erythrit ist sogar komplett kalorienfrei.

Wirkungen von Zuckeraustauschstoffen auf die Gesundheit

Zuckeraustauschstoffe unterscheiden sich im Geschmack kaum vom Zucker und lassen sich weitgehend wie dieser verwenden. Gesundheitlich haben Zuckeraustauschstoffe jedoch keine Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Haushaltszucker. Studienergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass Fruchtzucker Übergewicht fördert und die Entstehung des metabolischen Syndroms begünstigt. Unter dem metabolischen Syndrom versteht man das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz.

Fruktose kann die Entstehung einer fettleber begünstigen und im Blut zu erhöhten Konzentrationen an Triglyceriden und LDL-Cholesterol führen. Wie auch das metabolische Syndrom tragen diese Blutfette zur Entstehung von Arteriosklerose bei und erhöhen somit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Fruchtzucker ist kein „Diabetikerzucker“

Obwohl Fruchtzucker unabhängig von Insulin in den Körper aufgenommen wird, ist er für Diabetiker nicht geeignet. Da Fruktose vermutlich zu Übergewicht führt und Übergewicht die Insulinunempfindlichkeit der Zellen noch verstärken kann, fördert Fruktose möglicherweise Diabetes sogar.

Unverträglichkeiten von Zuckeraustauschstoffen

Zu beachten ist, dass Zuckeraustauschstoffe in höheren Mengen zu Unverträglichkeiten führen können. Deshalb müssen Lebensmittel mit mehr als 10 Prozent Zuckeraustauschstoffen den Warnhinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen. Bei empfindlichen Personen können schon ab 20 g pro Tag Nebenwirkungen auftreten.

Häufig werden neben Süßwaren auch andere Lebensmittel und Getränke mit Fruchtzucker oder Zuckeralkoholen konsumiert. Weil dabei größere Mengen an Zuckeraustauschstoffen zusammenkommen können, sollte man mit dem Verzehr zurückhaltend sein.

Ernährungsberatung bei Fruchtzucker-Unverträglichkeit

Wer unter einer Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktose-Malabsorption) leidet sollte Lebensmittel mit zugesetzter Fruktose und Zuckeralkoholen meiden. Bei Lebensmitteln die von Natur aus Fruchtzucker enthalten, wie Obst sollten Betroffene ihre individuelle Verträglichkeit austesten. Hier kann auch die professionelle Ernährungsberatung des VSB weiterhelfen.

Angebot des VerbraucherService Bayern:

In Einzel- und Gruppenberatungen, Vorträgen, sowie in Kochkursen werden wichtige Informationen dazu vermittelt. Sie erhalten Informationen über Erkrankung, Diagnose, differenzierte Tipps zur Lebensmittelauswahl, zum Einkauf und zur Zutatenliste.

Wie bieten einen Vortrag (auch online) und die Ausstellung „Wenn Essen Bauchweh macht - Laktose, Fruktose, Gluten“. Die Materialien können Sie online oder in den Beratungsstellen des VerbraucherService Bayern ausleihen oder buchen.