Ernährung

01.05.2019, Ernährungstrend

Rohmilch direkt vom Bauernhof?

„Frischmilch oder Rohmilch – rund um die Uhr zapfen“ mit solchen oder ähnlichen Slogans werben immer mehr Bauern, seit zum 1. April 2015 die Milchquote gefallen ist und damit auch der Milchpreis immer weiter fiel. Genaue Zahlen wie viele Landwirte ihre Rohmilch an Abgabestellen, auch Milchtankstellen genannt, verkaufen, liegen nicht vor. Jedoch geben die Hersteller dieser Geräte an, dass die Nachfrage stark gestiegen ist. Für Verbraucher kann Rohmilch jedoch negative Folgen haben.

Es passt zum allgemeinen Trend, naturbelassene Lebensmittel vom Erzeuger zu beziehen, um Transportwege und Verpackung zu sparen, einen fairen Preis für ein hochwertiges Produkt zu bezahlen und außerdem etwas vermeintlich besonders Gesundes einzukaufen.

Rohmilch direkt vom Bauernhof?
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Rohmilch Pro und Contra

Doch damit beginnt auch schon der Konflikt. Befürworter der Rohmilch schwärmen von intensiverem, sahnigeren Geschmack und wertvolleren Inhaltsstoffen. Sie kritisieren, dass durch das Erhitzen der Milch nicht nur schädliche Keime, sondern auch nützliche Bakterien abgetötet werden und die Milch denaturiert und schwerer verdaulich wird.

Dagegen sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den Verzehr von Rohmilch kritisch. Zwar ist die Milch an sich keimarm, aber durch das Melken ist die Kontamination mit Fäkalkeimen vor allem vom Typ Campylobacter und Escherichia coli grundsätzlich möglich, da eine Kuh rund einen Zentner Kot am Tag ausscheidet. Die Campylobacter Enteritis, eine meldepflichtige, bakterielle Erkrankung, liegt seit Jahren mit einer Erkrankungsquote zwischen 60.000 und 70.000 Fällen (BfR) auf hohem Niveau. Die Übertragung dieser Keime erfolgt sowohl über tierische Nahrungsmittel als auch über Haustiere. Die meisten Infektionen werden zwar durch Geflügel hervorgerufen, aber der steigende Verzehr von Rohmilch könnte eine Gefahr für einen Infektionsausbruch darstellen, so das BfR.

Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit empfiehlt: „Empfindliche Personengruppen sollten wegen der Keimbelastung auf Roh- und Vorzugsmilch verzichten“. bvl.bund.de Mitteilung vom 28.05.2019_Rohmilch.html

Vereinzelt wird auch über Fälle berichtet, in denen sich Verbraucherinnen und Verbraucher durch den Verzehr von roher Milch mit FSME infiziert haben. Auch (Nutz-)Tiere, wie Kühe, Schafe oder Ziegen können sich durch Zeckenstiche infizieren. Dabei vermehrt sich das Virus im Körper und kann für einen Zeitraum von wenigen Tagen über die Milch ausgeschieden werden, so das BfR in seiner Mitteilung vom 27.07. 2016.

Strenge Anforderungen an Produzenten und Verzehrshinweis

1997 wurde die Milchverordnung dahingehend geändert, dass Rohmilch und Vorzugsmilch, die besonders strenge hygienische Anforderungen erfüllen muss, nicht an Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung abgegeben werden darf.
Außerdem muss an der Abgabestelle gut sichtbar und lesbar der Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ angebracht sein.

Der VSB empfiehlt, dass gerade bei Senioren, Schwangeren und Kleinkindern dieser Hinweis unbedingt befolgt werden sollte.

Auf der Internetseite des BfR (http://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zum-verzehr-von-rohmilch.pdf)  wird ausführlich über das Thema Rohmilch informiert.

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