Ernährung

08.09.2022

Sojabohne, Linse, Erbse & Co. – Pflanzliche Eiweißlieferanten aus Bayern

In Lateinamerika, Afrika und Asien gelten Hülsenfrüchte als wichtiges Grundnahrungsmittel. In Deutschland verloren sie als „Arme-Leute-Essen“ in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung. Durch den Trend zu weniger Fleisch und zu einer bewussteren nachhaltigen Ernährung gewinnen die sogenannten Speiseleguminosen derzeit wieder an Beliebtheit. Denn sie bieten nicht nur Vegetariern und Veganern eine schmackhafte nachhaltige Proteinquelle.

Sojabohne, Linse, Erbse & Co. – Pflanzliche Eiweißlieferanten aus Bayern
Foto: © nadianb - stock.adobe.com

Anbau in Deutschland nimmt zu

Im Jahr 2021 wurden deutschlandweit knapp 245.000 Hektar Körnerleguminosen angebaut. Ein Anstieg um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch entspricht das nur 2,1 Prozent der gesamten Ackerfläche in Deutschland. Der Anteil importierter Hülsenfrüchte ist damit aktuell noch sehr hoch. Der größte Teil davon ist Sojaschrot aus Nord- und Südamerika. Linsen kommen zu fast zwei Dritteln aus der Türkei und Kanada. Der Selbstversorgungsgrad mit Linsen lag in Deutschland im vergangenen Jahr bei durchschnittlich nur vier Prozent.

Um den Anbau heimischer Hülsenfrüchte in Deutschland auszuweiten, verfolgt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit 2012 die „Eiweißpflanzenstrategie“. Ziel ist es, sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach heimisch erzeugten Leguminosen zu stärken sowie die regionale Wertschöpfungskette zu fördern.

Auch in Bayern gibt es einige Projekte im Rahmen der Bayerischen Eiweißinitiative, die den Anbau von Speiseleguminosen fördern. So verfolgt beispielsweise das Forschungsprojekt „Speiseleguminosen BioBayern“ das Ziel, zusammen mit den Erzeugern, Verarbeitern und Handel Eiweißpflanzen in Bayern zu etablieren.

Vielfältige landwirtschaftliche Vorteile

Der Anbau von Hülsenfrüchten hat bedeutende Vorteile für das Klima und den heimischen Ackerbau:

  • Auflockerung traditioneller Fruchtfolgen
  • Blühfläche und Bienenweide
  • Reduzierter Einsatz von Düngemitteln und CO2 -Einsparung
  • Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch Stickstoffsammlung
  • Positive Humuswirkung durch Durchwurzelung

Die Familie der Hülsenfrüchte – auch Schmetterlingsblütler genannt – umfasst 20.000 Arten. Aktuell sind Sojabohnen, Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Linsen die wichtigsten bayerischen Proteinpflanzen (Reihenfolge nach Anbaufläche).

Eine Besonderheit und Herausforderung zugleich ist, dass die Linse, die keinen tragenden Hauptstängel hat, schnell umknickt und deshalb eine Stützfrucht benötigt. Diese Stütze, beispielsweise Hafer oder Gerste, gibt der Linsenpflanze Halt. Beide Pflanzen werden zusammen mit dem Mähdrescher geerntet, wenn sie reif sind. Anschließend müssen beide Körnerarten mit speziellen Sieben voneinander getrennt werden.

Wertvolle Inhaltsstoffe überzeugen

Hülsenfrüchte sind vollgepackt mit wertvollen Inhaltsstoffen und tragen zu einer gesunden Ernährung bei.

Der Eiweißgehalt liegt bei den Leguminosen teilweise sogar höher als bei tierischen Produkten. Dabei beträgt der Anteil 20 bis 35 Prozent (Trockenprodukt). Lupinen und Sojabohnen enthalten sogar rund 40 Prozent Eiweiß. Da Hülsenfrüchte nicht alle essenziellen Proteinbausteine enthalten, empfiehlt sich eine Kombination mit Getreide – z.B. Linsen mit Spätzle oder Hummus aus Kichererbsen mit Brot.

Durch ihren geringen Fett- und Kohlenhydratanteil haben sie eine geringe Energiedichte und sind deshalb für eine figurbewusste Ernährung geeignet. Durch die reichlich enthaltenen Ballaststoffe, die einen stabilisierenden Effekt auf den Blutzuckerspiegel haben und gut sättigen, sind sie zudem für Diabetiker*innen sinnvoll.

Daneben sind Hülsenfrüchte reich an Mineralstoffen und Vitaminen in großer Variation: Magnesium, Kalium, Eisen, Phosphor, B-Vitamine u.a. Enthaltene sekundäre Pflanzenstoffe wie Saponine und Phytosterine wirken zudem cholesterinsenkend und potenziell präventiv gegen degenerative Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer. In den rohen Samen befinden sich verschiedene Substanzen wie Lektine, die in größeren Mengen für den Menschen giftig sind. Deshalb ist es notwendig, die Hülsenfrüchte vor dem Verzehr zu kochen. Auch Keimlinge aus Hülsenfrüchten sollten Verbraucher*innen kurz blanchieren.

Unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden

Leider haben Linsen, Bohnen und Co. bei vielen Menschen auch eine unangenehme Nebenwirkung. Die enthaltenen schwer verdaulichen Zuckerarten – sogenannte Oligosaccharide – können Blähungen verursachen. Durch regelmäßigen Verzehr von Hülsenfrüchten sowie durch die folgenden Küchentricks beugen Sie dem Nebeneffekt vor:

  • Einweichwasser weggießen und Hülsenfrüchte vor dem Kochen gründlich spülen
  • blähungsarme Sorten verwenden: Lupinen, kleinsamige Linsen, geschälte Samen
  • Verwendung von Gewürzen: Kümmel, Majoran, Bohnenkraut, Fenchel oder Ingwer

Trend zur Regionalität bietet neue Perspektiven

Da die Nachfrage nach Speiseleguminosen steigt, beginnen immer mehr bayerische Landwirte mit dem Anbau von Linsen, Kichererbsen, Süßlupinen, Soja- und Ackerbohnen. Durch den Klimawandel und dank neuer Sorten ist der Anbau vor allem in Bayern und Baden-Württemberg gut möglich. Dadurch lassen sich klimaschädliche Importe vermeiden und die regionale Wertschöpfungskette profitiert.

Regionale Produkte aus Hülsenfrüchten

Neben der Vermarktung in Form von Trockenprodukten oder Konserven eignen sich die Hülsenfrüchte auch zur Weiterverarbeitung. Folgende Produkte finden sich bereits auf dem Markt:

  • Tofu und Tempeh aus Sojabohnen
  • Fleischalternativen aus Erbsenprotein
  • Hülsenfruchtmehle aus Soja, Kichererbse, Linse oder Süßlupine – lässt sich beispielsweise zu Nudeln verarbeiten
  • Pflanzendrinks und Joghurt aus Soja oder Lupine

Ein Hoch auf die Hülsenfrüchte

In Deutschland verzehren wir aktuell zwischen 0,7 und zwei Kilogramm Hülsenfrüchte pro Jahr – hier ist noch Luft nach oben.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erwähnt in ihrer Empfehlung Hülsenfrüchte nicht explizit. Die Ernährungsempfehlungen anderer Länder, beispielsweise in den USA, raten 1,5 Cups pro Woche zu verzehren. Sinnvoll ist es, ein bis zwei Mal pro Woche Hülsenfrüchte auf den Speiseplan zu setzen.

Neben den gesundheitlichen Vorteilen dank wertvoller Inhaltsstoffe haben Leguminosen als heimische Eiweißträger eine positive Umweltwirkung. Die steigende Nachfrage nach hochwertigem pflanzlichem Eiweiß lässt sich dadurch effizient und nachhaltig abdecken.

Tipp: Achten Sie beim nächsten Einkauf doch einmal auf Hülsenfrüchte aus der Region.
 

Quellen:

BMEL - Ackerbau - Eiweißpflanzenstrategie des BMEL

https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/BZL/Daten-Berichte/OeleFette/JaehrlicheErgebnisse/2021_Bericht_Marktlage_Huelsenfruechte.pdf;jsessionid=6E6D2FC2E11A42B71FB4407ED251E017.1_cid335?__blob=publicationFile&v=4

https://www.ble-medienservice.de/0421/schmetterlinge-im-bauch-von-ackerbohnen-erbsen-lupinen-und-co.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/EiweisspflanzenstrategieBMEL.pdf?__blob=publicationFile&v=5

Speiseleguminosen Bio Bayern - LfL

https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/huelsenfruechte/huelsenfruechte-gesund-essen/