Ernährung

27.05.2014

VSB lehnt Abschaffung des Mindest-Haltbarkeitsdatums ab

Die EU-Agrarminister wollen das Mindest-Haltbarkeitsdatum (MHD) für Produkte wie Kaffee, Reis, Nudeln, Hartkäse oder Konserven abschaffen. Mit diesem Schritt soll erreicht werden, dass Produkte nicht mehr weggeworfen werden, nur weil das MHD überschritten wurde.

Ziel der EU: Lebensmittelmüll reduzieren
Im Jahr wirft jeder Deutsche statistisch rund 82 kg an Lebensmitteln in den Müll, das entspricht einem Wert von rund 240 Euro pro Person und Jahr! Den Großteil des Lebensmittelmülls in Privathaushalten machen mit ca. 64 % Obst, Gemüse sowie Back- und Teigwaren aus. Diese Produktgruppen werden meist als Frischwaren verkauft, die kein Mindest-Haltbarkeitsdatum tragen müssen. Das Potenzial Lebensmittelmüll zu reduzieren, ist sicherlich im Frischwarenbereich am größten.

MHD abgelaufen – Lebensmittel in den Müll?
Produkte die weggeworfen werden, weil ihr Mindest-Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, kommen in Privathaushalten, vor allem aber bei den Supermärkten zum Tragen. Verkauft ein Händler ein Produkt nach Ablauf des vom Hersteller festgelegten MHD, übernimmt er selbst die Haftung für die Qualität des Produktes. Aus diesem Grund wandern Produkte mit Ablauf des MHD oft aus den Supermarktregalen direkt in den Müll.

Die Überschreitung des Mindest-Haltbarkeitsdatums bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass das Lebensmittel schlecht oder verdorben ist. Hersteller garantieren durch diesen Aufdruck, wie lange das ungeöffnete und richtig gelagerte Produkt seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe und Konsistenz mindestens behält. Auch nach Ablauf des MHD kann das Lebensmittel qualitativ noch einige Tage bis zu mehreren Monaten einwandfrei sein.

Das MHD ist nicht mit dem Verbrauchsdatum einiger leicht verderblicher Lebensmittel wie Rohmilch oder Hackfleisch zu verwechseln. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sind die Produkte nicht mehr für den Verzehr geeignet.

Mindestens haltbar für immer?
Produkte wie Salz, Zucker und Essig müssen heute bereits kein Mindest-Haltbarkeitsdatum tragen, da bei diesen Produktgruppen kein Qualitätsverlust über die Zeit zu erwarten ist. Doch gilt dies auch für Nudeln, Reis und Kaffee?

Hier muss jedes einzelne Produkt bei der Bewertung unter die Lupe genommen werden. So enthält zum Beispiel Vollkornreis noch einen relativ hohen Fett- und Eiweißanteil im Gegensatz zu geschältem Reis. Das Fett kann mit der Zeit ranzig werden, was die Vollkornvariante weniger lang haltbar macht. Dem Verbraucher eine unbegrenzte Haltbarkeit und gleichbleibende Qualität von Lebensmitteln zu garantieren, ist dem Hersteller kaum möglich und höchstens bei ganz spezifischen Produkten sinnvoll.

Produktionsdatum als Alternative zum MHD?
Eine Abschaffung des MHD für bestimmte Produkte könnte in den Supermärkten dazu führen, dass Produkte ohne jegliche zeitliche Einschränkung verkauft werden dürfen. Der Verbraucher hat hierbei keine Möglichkeit nachzuvollziehen, ob ein Lebensmittel schon einen Monat, ein Jahr oder fünf Jahre dort steht.

Es wird diskutiert, ob der Aufdruck des Produktionsdatums hierbei eine Hilfe darstellen könnte. Jedoch setzt das voraus, dass die Verbraucher über ein umfangreiches Wissen zur Haltbarkeit von Lebensmittel verfügen um einschätzen zu können, wie lange Nudeln oder Konservendosen verzehrsfähig sind. Der Aufdruck eines Produktionsdatums wäre hiermit nicht sinnvoller als der des Mindest-Haltbarkeitsdatums.

Die Hersteller sind gefragt
Die Hersteller legen das Mindest-Haltbarkeitsdatum für ihre Produkte selbst fest, je nachdem für welchen Zeitraum sie die einwandfreie Qualität ihrer Produkte garantieren möchten. Produkte wie Kaffee, Nudeln und Reis sind in der Regel jedoch deutlich länger haltbar als angegeben. Hier liegt also eine große Spanne zwischen deklarierter und tatsächlicher Haltbarkeit. Durch eine realistischere Angabe des MHD könnte eventuell ein großer Teil des unnötigen Lebensmittelmülls, vor allem im Handel gesenkt werden. Hierbei sind die Hersteller in der Pflicht ihre bisherigen Angaben zum Mindest-Haltbarkeitsdatum neu zu überprüfen und entsprechend anzupassen.

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