Ernährung

02.08.2019, Qualität und Tierwohl

Welche Siegel helfen beim Geflügelkauf?

Verbraucher, die genau wissen möchten, woher die Tiere stammen, wie sie gehalten und gefüttert werden, kaufen am besten direkt beim Erzeuger ein. Angeboten wird dieses Geflügel entweder im Hofladen, durch hofeigene Verkaufswagen, auf Wochenmärkten und vereinzelt auch bei Metzgern. Achtung: Durch nichtssagende Bezeichnungen wie „aus der Region“ oder „aus heimischer Produktion“ nicht täuschen lassen, sondern genau nachfragen.

Welche Siegel helfen beim Geflügelkauf?
Foto: © creisi - Pixabay.com

Beim Einkauf kann die „5-D-Kennzeichnung“ auf der Verpackung als schnelle Orientierung dienen. Sie steht für Eltern, Schlupf, Aufzucht, Futtermühlen und Schlachtung in Deutschland.

Programme zur Qualitätssicherung erleichtern den Einkauf

Im Geflügelsektor gibt es eine große Anzahl an Anbietern, die sich durch besondere Qualitätsziele hervorheben möchten. Kennzeichnungs-Kriterien sind tiergerechte Haltung, regionale Herkunft und kontrollierte Qualität. In den meisten Fällen müssen die Anbieter über die gesetzlichen Vorschriften hinaus strenge Auflagen erfüllen. Beispiele für solche Programme konventionell erzeugter Mastgeflügel sind Kikok, Neuland, das QS-Prüfzeichen und Wiesenhof. Zu den Programmen mit Bio-Siegel zählen unter anderem Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland und der Thönes Naturverbund.

Je mehr Auslauf Geflügel hat, desto gleichmäßiger wächst die Muskulatur und der Anteil an intramuskulärem Fett steigt, wodurch sich auch der Geschmack verbessert. Das Fleisch von Geflügel aus extensiven Haltungsformen ist fester, aromatischer und etwas dunkler und verliert beim Braten weniger Wasser als Geflügelfleisch aus intensiver Mast.
Nach der EU-Kennzeichnungsrichtlinie erlaubte Bezeichnungen sind „extensive Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“, „bäuerliche Freilandhaltung“ oder „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“.

Label zur Orientierung
Bio-Siegel

Werden die gesetzlich geschützten Begriffe „Bio“, „Öko“, „aus biologischer / ökologischer / organischer oder biologisch-dynamischer Erzeugung“ angegeben, handelt es sich um Bioware, die für eine extensive Produktionsweise mit noch strengeren Anforderungen an Auslaufflächen und Futter steht. Eine vorbeugende Medikamentengabe ist hier verboten.
Bio-Geflügel erkennt der Verbraucher am EU-Biosiegel. Zusätzlich kann das deutsche Biosiegel oder ein Siegel der Anbauverbände wie Naturland, Demeter oder Bioland verwendet werden. Ist weder eine Haltungsform noch ein Biosiegel vorhanden, liegt in der Regel intensive Mast vor.

Die Qualität ist auch am Preis erkennbar, der bei Turbo-Mastgänsen aus Polen oder Ungarn bei einigen Euro pro Kilogramm, bei Bioware mit viel Auslauf im Freien weit über 20 Euro pro Kilogramm liegen kann.

Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes

Seit Januar 2013 können sich Verbraucher beim Kauf von Hühnerprodukten an einem neuen Label „Für mehr Tierschutz“ orientieren, das vom Deutschen Tierschutzbund vergeben wird.
Ziel ist es, bessere Lebensbedingungen bei Haltung, Transport und Schlachtung von Nutztieren zu erreichen und dies für den Konsumenten mit einem Label transparent zu machen. Das zweistufige Label (Einstiegs- und Premiumstufe) soll als Orientierungshilfe beim Einkauf dienen und einen Anreiz für den Verbraucher darstellen, den Tierschutz beim Einkauf mit einzubeziehen.
Die Labels können für Fleischprodukte aus der konventionellen oder auch Bio-Tierhaltung vergeben werden.
Interessierte Unternehmen werden von unabhängiger, neutraler Stelle zertifiziert und regelmäßig kontrolliert. Der Tierschutzbund behält sich aber das Recht vor, eigene Zusatzkontrollen durchzuführen.
Hühnerprodukte mit dem Tierschutzlabel „Für mehr Tierschutz“ sind inzwischen bundesweit in Supermärkten und Discountern erhältlich, allerdings nur in der Einstiegsstufe (www.tierschutzlabel.info).

Initiative Tierwohl

Im Jahr 2015 startete die Initiative Tierwohl. Die beteiligten Produzenten bekennen sich zum Tierwohl, einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika, Präventionsmaßnahmen für die Tiergesundheit, ehrliche Verbraucherinformation und zu Sozialstandards. Teilnehmen können Schweine- und Geflügelhalter. Die Initiative wird durch die teilnehmenden Einzelhandelsketten finanziert, die pro verkauftem Kilo Fleischware 6,25 Cent an die Initiative Tierwohl zahlen. Seit April 2018 garantiert das Siegel der Initiative Tierwohl auf Hähnchen- und Putenfleischprodukten die Herkunft aus einem teilnehmenden Betrieb.

Geprüfte Qualität Bayern (GQ-Siegel)

Puten und Masthähnchen mit dem Siegel „geprüfte Qualität Bayern“ werden ausschließlich in Bayern gezüchtet und verarbeitet. Die Qualitätsstandards in der Erzeugung und Verarbeitung gehen über den gesetzlich vorgeschriebenen Standard hinaus. Die Kontrollen erfolgen über ein dreistufiges unabhängiges Kontrollsystem mit zusätzlicher staatlicher Systemkontrolle.

Geplantes staatliches Label „Mehr Tierwohl“

Um Verbraucher im Kennzeichnungs-Dschungel auf der Suche nach wirklich artgerecht gehaltenen Tieren zu unterstützen, ist ein dreistufiges staatliches Tierwohlkennzeichen geplant. Anfang 2019 stellte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Kriterien des Verordnungsentwurfs vor. Sie gehen in allen drei Stufen über die Anforderungen des gesetzlichen Mindeststandards hinaus. Die Teilnahme am Tierwohlkennzeichen ist freiwillig, die Einhaltung der Bedingungen sind jedoch verbindlich. Die Kriterien wurden zunächst für Schweine erarbeitet, weitere Nutztierarten folgen. 2020 sollen die ersten so gekennzeichneten Produkte im Handel erhältlich sein.

Der VSB fordert verpflichtendes staatliches Siegel

Das geplante staatliche Tierwohllabel kann die Orientierung beim Einkaufen erleichtern, da viele Verbraucher sich für mehr Tierschutz interessieren. Allerdings reicht ein freiwilliges Label nicht aus. Für eine umfassende Orientierung fordert der VSB ein deutschlandweites verpflichtendes staatliches Siegel, beispielsweise angelehnt an das System des Deutschen Tierschutzbundes mit definierten Kriterien pro Stufe.

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