Finanzen

09.10.2019

Bausparen – old-fashioned oder cool?

Ist Bausparen im Niedrigzinsumfeld noch zeitgemäß? Diese Frage stellen sich derzeit zahlreiche potentielle Eigenheimbesitzer. Informieren Sie sich über Vor- und Nachteile des Bausparens und was es vor Vertragsabschluss unbedingt zu beachten gilt.

Bausparen – old-fashioned oder cool?
Foto: © bluedesign / Fotolia

Jede Baufinanzierung benötigt ein finanziell solides Fundament, um langfristig tragbar zu sein. Der Wunsch von den eigenen vier Wänden lässt sich jedoch nur seriös realisieren, wenn Bau- oder Kaufwillige über ein entsprechendes Eigenkapital verfügen, entweder geerbt oder selbst angespart. Hier kann der Bausparvertrag einen Baustein für die zukünftige Finanzierung darstellen.

Ein Bausparvertrag kombiniert immer einen Sparvertrag mit der Option Jahre später ein – aus heutiger Sicht zinsgünstiges – Darlehen in Anspruch zu nehmen. Das Besondere daran: Bei Vertragsabschluss ist neben dem aktuellen Guthabenzinssatz, den der Bausparer in der Sparphase erhält, auch bereits der Darlehenszinssatz, der bei der Inanspruchnahme des Bauspardarlehens Jahre später zu entrichten ist, festgelegt. Dies bringt ein hohes Maß an Planungssicherheit (monatliche Prämie in der Ansparphase, monatliche Annuität in der Darlehensphase) für einen später möglichen Immobilienerwerb mit sich.

Vorteile: Sicherheit, Rücklage und staatliche Förderung

  • Absicherung gegen steigende Zinsen:
    Über die niedrigen Guthabenzinsen werden die schon bei Vertragsunterzeichnung festgelegten Darlehenszinsen mitfinanziert.
     
  • Rücklage für anstehende Modernisierungsmaßnahmen:
    Kleine Bauspardarlehen unter 30.000 Euro müssen Sie nicht über eine Grundschuld absichern. Auch fallen keine Zinsaufschläge – wie sonst bei Banken üblich – an.
     
  • Inanspruchnahme staatlicher Förderung:
    Bausparer profitieren von der staatlichen Förderung, wenn sie entweder riestern oder ihr zu versteuerndes Einkommen unterhalb einer gewisser Einkommensgrenzen liegt, sie eine eigene Sparleistung erbringen und/oder ihr Arbeitgeber die vermögenswirksamen Leistungen in einen Bausparvertrag einzahlt.


Riester-Förderung

Wer plant, in einigen Jahren eine Immobilie zu erwerben, für den eignet sich gegebenenfalls ein Riester-Bausparvertrag. Um staatliche Zulagen oder steuerliche Erleichterungen zu erhalten, sind sowohl gewisse Voraussetzung (förderfähiger Personenkreis, Höhe der Eigenleistung), als auch Wohnbau-Riester-Regeln (Eigennutzung der Immobilie, Tilgung des Darlehns bis Renteneintritt etc.) zu erfüllen.


Wohnungsbauprämie

Wohnungsbauprämie

Single                

Ehepaar

Zu versteuerndes Einkommen

bis zu 25.600 €

bis zu 51.600 €

Eigene Sparleistung pro Jahr

512 €

1.024 €

Zuschuss vom Staat pro Jahr

  45,06 €

90,11 €

Die Wohnungsbauprämie muss jährlich über die Bausparkasse beantragt werden.


Arbeitnehmersparzulage

Arbeitnehmersparzulage

Single

Ehepaar

Zu versteuerndes Einkommen

Bis zu 17.900 €

Bis zu 35.800 €

Überweisung der

vermögenswirksamen

Leistungen des Arbeitgebers in

den Bausparvertrag

Max. 470 €

Max. 940 €

Zulage

Max. 43 €

Max. 86 €

Die Arbeitnehmersparzulage muss in der jährlichen Einkommensteuererklärung beantragt werden.

Nachteile: Abschlussgebühren und Minizinsen

  • Abschlussgebühren:
    Bei Abschluss eines Vertrages fällt sofort eine Abschlussgebühr in Höhe von 1% -1,6% der Bausparsumme an.
     
  • Minizinsen:
    Während der Ansparphase wird aktuell ein Zinssatz von 0,1% p.a. gewährt. Der Zinsertrag in der kompletten Ansparphase deckt zurzeit nicht einmal die einmalige Abschlussgebühr und die Jahresentgelte.

Fazit: Sinnvolles Bausparen unter gewissen Bedingungen

Bausparen ist sinnvoll, wenn Sie
- Zulagen und/oder
- Wohnungsbauprämien und/oder
- Arbeitnehmersparzulagen erhalten,
- eine Modernisierung an einer bestehenden Immobilie planen,
- den Kauf einer Immobilie in sieben bis acht Jahren planen und
- bereits jetzt auf steigende Zinsen am Kapitalmarkt setzen.

Als reiner Sparvertrag macht ein Bausparvertrag in der momentanen Niedrigzinsphase keinen Sinn.

Achten Sie beim Abschluss eines Bausparvertrages auf die Höhe der vereinbarten Bausparsumme. Da Sie das Bauspardarlehen häufig innerhalb von acht bis zwölf Jahren komplett zurückzahlen müssen, ist der Tilgungssatz sehr hoch – teilweise zwischen sieben und zehn Prozent. Dies führt zu einer extrem hohen monatlichen Belastung von Zins- und Tilgungsbeiträgen für den Kreditnehmer, die häufig nicht leistbar sind.

Tipps: Einkommen, Planung, Vergleich

Überprüfen Sie an Hand Ihres zu versteuernden Einkommens, ob Sie Anspruch auf staatliche Förderung haben.

Überlegen Sie, ob Sie in einigen Jahren wirklich eine eigene Immobilie erwerben möchten.

Vergleichen Sie Angebote verschiedener Bausparkassen.

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