Finanzen

25.07.2014

Carsharing - praktisch, kostengünstig und umweltschonend

Sie brauchen mal einen Kleinwagen, mal ein größeres Auto und möchten sich außerdem nicht mit lästigen Wartungsarbeiten und nerviger Parkplatzsuche beschäftigen? Dann kann Carsharing eine attraktive Möglichkeit der individuellen Mobilität sein.

Was ist Carsharing?
Ein Privatwagen wird durchschnittlich nur eine einzige Stunde pro Tag bewegt, in der restlichen Zeit beansprucht er einen Parkplatz. Ein Auto als pflegeleichter Gebrauchsgegenstand, einfach zugänglich, wenn man es braucht, und ansonsten unsichtbar und ohne Platz- und Zeitbedarf – das wünscht sich mancher.

„Nutzen statt besitzen“ heißt die Zauberformel nun schon seit mehr als 25 Jahren. Ein Auto wird also von mehreren Personen genutzt, damit verringern sich die Standzeiten und dem Sinn des Automobils als beweglichem Gegenstand und dem Aufwand bei seiner Herstellung wird besser Rechnung getragen. Mittlerweile hat sich die Nutzerzahl nach Angaben des Bundesverbands CarSharing e.V. (bcs) auf eine Dreiviertelmillion erhöht. Im Vergleich zum letzten Jahr konnte dabei ein Zuwachs von 67 Prozent verzeichnet werden. Etwa 150 Unternehmen und Vereine in Deutschland bieten zurzeit Carsharing an.

Organisationen und Angebote
In zahlreichen Städten gibt es heute regionale oder überregionale Carsharing-Vereine. Jedes Auto an den fast 4.000 Entleih-Stationen hat seinen festen Standplatz, an den es wieder zurückgebracht werden muss.

Nutzerfreundliche Kooperationen zwischen verschiedenen Carsharing-Vereinen ermöglichen eine Quernutzung: Ohne Aufpreis kann man - nach entsprechender Anmeldung - in anderen Städten Angebote von im bcs organisierten Vereinen nutzen. Weitere Kooperationen sind mit der Bahn und mit Autohäusern (dann auch bei Bedarf vergünstigte Mietwagen) zustande gekommen. Auch Autohersteller und Stadtwerke unterstützen Carsharing. In einigen Städten werden dabei zunehmend Elektroautos eingesetzt, vor allem durch die Anbieter car2go, DriveNow und Flinkster.

In einigen Großstädten gibt es Carsharing mit mobilen Standorten, das „Free-Floating“. Das Auto kann innerhalb des Stadtgebiets an einem beliebigen Parkplatz abgestellt werden. Gebucht wird mittels Smartphone. Eine Buchung ist maximal 15 Minuten vor Fahrtantritt möglich. Abgerechnet wird nach Minuten, derzeit sind das 0,29-0,31 Euro pro Minute.

Außerhalb von Ballungsräumen ist Carsharing mit Privatautos eine praktikable Variante. Sie kann heute über Vermittlungsplattformen abgewickelt werden, so dass dem Besitzer des Autos versicherungstechnisch keine Nachteile entstehen (s. Stiftung Warentest, Heft 6/2014).

Carsharing-Anbieter in Ihrer Nähe finden Sie über eine Ortsliste des bcs. Auch für Geschäftskunden gibt es Möglichkeiten, am Carsharing teilzunehmen.

Was kostet Carsharing?
Anbieterabhängig gibt es unterschiedliche Angebote für Vielfahrer, Wenigfahrer, Vergünstigungen für Inhaber von Zeitkarten im ÖPNV oder einer Bahncard. Auch eine Aufteilung in Anmeldegebühr, monatliche Grundgebühr, Kilometer- und Zeitabrechnung wird unterschiedlich gehandhabt. Zwei Beispiele:

Aufnahmegebühr 15 €, jährlicher Beitrag 30 €, von 0-6 Uhr keine Zeitanrechnung, sonst 1,15 € pro Stunde, Kilometerpauschale gestaffelt: 1-50 km 0,35 € pro Kilometer, 51-100 km 0,23 €, ab 101 km 0,17 €
Keine Anmeldegebühren, monatlicher Beitrag 5 €, Stundengebühren 2 €, Kilometerpauschale 0,28 €

Vorteile durch Carsharing
Wer nicht täglich auf ein Auto angewiesen ist und außerdem verkehrsgünstig wohnt hat mit diesem Angebot eine kostengünstige und bequeme Alternative zum eigenen Auto.

Kosten: Gerade Wenigfahrer sparen Geld. Ob es sich ab 5.000, 10.000 oder 15.000 km Fahrleistung pro Jahr lohnt – das ist wohl abhängig von den Verbrauchswerten und Fixkosten des eigenen Autos sowie vom Vertrag mit dem Carsharing-Anbieter. Am besten rechnet man sich das selber aus oder sucht sich Hilfe beim Carsharing-Verein. Ein Rechnungsbeispiel ist zu finden unter www.carina-ev.de. Zu berücksichtigen ist auch, dass Carsharing-Nutzer auch mobiler denken und häufiger Alternativen wie Bahn, Bus oder Fahrrad nutzen und das Auto ganz bewusst auswählen.

Komfort und Service: Man muss sich weder um den saisonalen Reifenwechsel kümmern noch um Reparaturen und Wartungsarbeiten und hat dennoch stets ein Auto mit neuester Technik zur Verfügung. Die einzige Pflicht ist rechtzeitig zu tanken, damit der nächste Nutzer problemlos losfahren kann. Meist geht das bargeldlos mit einer Chipkarte im Auto.

Die Organisation eines Fahrzeugs ist Gewohnheitssache, je nach Wohnlage mehr oder weniger einfach. Die Buchung kann telefonisch, über Internet oder Smartphone durchgeführt werden. Normalerweise erhält man sein Wunschauto. Buchen kann man Monate, Wochen oder Tage im Voraus, aber auch spontan kann es funktionieren.

Umwelt und Klima: Jedes Carsharing-Auto ersetzt vier bis acht Privatautos! Entsprechend ist die Auslastung eines Fahrzeugs deutlich höher. Da immer die neuesten spritsparenden Modelle im Umlauf sind, werden weniger Schadstoffe emittiert. Zudem wird ein Auto auch bewusster als Fortbewegungsmittel gewählt und die Größe kann dem Bedarf angepasst werden.

Außerdem werden teilweise schon Elektroautos eingesetzt, die hier größere Chancen als im Bereich der Privatautos haben: Die teure Anschaffung rechnet sich durch die geringen Betriebskosten, da die Autos häufiger genutzt werden. Man kann sie einfach mal ausprobieren.
Kommt Carsharing für mich in Frage?

Wenn Sie herausfinden wollen, ob Carsharing für Sie in Frage kommt, hier einige Tipps:
  • Notieren Sie die Fahrten mit Ihrem Auto nach Fahrtziel und Kilometern.
  • Notieren Sie Ihre Spritkosten.
  • Notieren Sie Fixkosten wie Steuer und Versicherung, evtl. Garagenplatz.
  • Notieren Sie Kosten für Wartung, Pflege und Reparaturen.
  • Ermitteln Sie so die Gesamtkosten, rechnen sie evtl. auf die gefahrenen Kilometer um.
  • Erkundigen Sie sich nach Carsharing-Angeboten in Ihrer Umgebung.
  • Überlegen Sie, für welche Zwecke Sie ein Auto brauchen und von welcher Größe, und wie viele Kilometer Sie fahren werden.
  • Schätzen Sie die Kosten bei in Frage kommenden Carsharing-Unternehmen ab.
  • Ermitteln Sie die Kosten für Bus und Bahn, wenn Sie diese als Ersatz fürs Auto benötigen.
  • Vergleichen Sie die Gesamtkosten der beiden Varianten „eigenes Auto“ und „Carsharing-Nutzung.

Stiftung Warentest hat im test 6/2014 Carsharing-Anbieter getestet. Weitere Informationen erhalten Sie in unseren Beratungsstellen.
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