Finanzen

10.11.2025

Finanz-Tipps auf Social Media – Segen oder Risiko?

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher holen sich Tipps zu Aktien, Kryptowährungen oder Altersvorsorge nicht mehr bei der Bank, sondern bei sogenannten Finfluencern (Finanz-Influencern) auf Social Media. Sie vermitteln komplexe Themen verständlich, unterhaltsam und visuell ansprechend. Das ist ein Vorteil, denn so beschäftigen sich mehr Menschen mit ihrem Geld. Doch Achtung: Der vermeintlich hilfreiche Ratschlag kann auch zur Falle werden.

Finanz-Tipps auf Social Media – Segen oder Risiko?© DC Studio - stock.adobe.com
Eine aktuelle Studie zeigt, dass über 50 Prozent der 18- bis 45-Jährigen regelmäßig bei Finfluencern nach Anlagetipps suchen.

Die Macht der Finfluencer

Zahlen lügen nicht: Eine aktuelle BaFin-Studie (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) zeigt, dass über 50 Prozent der 18- bis 45-Jährigen regelmäßig bei Finfluencern nach Anlagetipps suchen. Plattformen wie TikTok, YouTube und Instagram sind beliebt, weil sie schnelle, leicht verdauliche Inhalte liefern. Ein Beispiel: Ein 60-Sekunden-TikTok-Video erklärt spielerisch, wie man mit ETFs reich wird – keine Fachbegriffe, dafür mitreißende Musik und persönliche Heldengeschichten. Das erreicht Millionen, besonders junge Leute.

Die große Falle: Fehlende Transparenz

In Bezug auf die Transparenz wird es kritisch: Die Studie deckt auf, dass 37 Prozent der Nutzer gar nicht wissen, dass Finfluencer für ihre Empfehlungen bezahlt werden. 15 Prozent der Käufer eines Produkts wussten nichts von der Provision, die der Influencer für den Klick bekommt. Wer bezahlt wird, ist nicht immer objektiv. Dies kann zu teuren Fehlentscheidungen führen.

Rechtliche Spielregeln: Was ist erlaubt und was nicht?

  1. Wer konkrete, individuelle Empfehlungen zu Finanzprodukten gibt, braucht eine staatliche Erlaubnis (§ 32 KWG). Ohne diese Erlaubnis drohen strafrechtliche Konsequenzen.
  2. Werbung muss gekennzeichnet werden: Bezahlte Inhalte müssen klar als „Anzeige“ oder „bezahlte Partnerschaft“ erkennbar sein (§ 5a UWG). Das gilt auch, wenn der Influencer ein Produkt kostenlos zugeschickt bekommt und eine werbliche Erwartungshaltung besteht.
  3. Haftung bei Lügen: Wer unwahre oder irreführende Infos verbreitet, kann zivil- und sogar strafrechtlich belangt werden.

Ihr Schutzschild: So erkennen Sie seriöse Finfluencer

Da die Grenzen zwischen Information und Werbung oft verschwimmen, ist Medienkompetenz gefragt. Finanzielle Entscheidungen sollten Verbraucherinnen und Verbraucher nie aufgrund eines einzigen Kurzvideos treffen. Hier sind die wichtigsten Checks:

Hierauf gilt es zu achten

Warum das wichtig ist

1. Qualifikation prüfen

Hat der Finfluencer eine Ausbildung, Zertifikate oder Berufserfahrung? Tatsächlich gelten nur 28 Prozent der Finfluencer als qualifiziert, über die Hälfte verbreitet sogar potenziell schädliche Inhalte (Studie iff Hamburg).

2. Transparenz-Check

Suche nach „Anzeige“, „Werbung“ oder „Affiliate-Link“. Wenn ein Finfluencer viel Provision kassiert, ist seine Empfehlung nicht unbedingt die beste.

3. Warnsignale erkennen

Seien Sie misstrauisch bei Sätzen wie: „Mit 100,00 Euro zum Millionär!“, Empfehlungen ohne jeglichen Risikohinweis oder wenn Sie der Finfluencer plötzlich privat über Messenger kontaktiert.

4. Zweite Meinung

Verlassen Sie sich nie nur auf eine Quelle. Holen Sie sich immer Infos von unabhängigen Stellen wie dem VerbraucherService Bayern, der Stiftung Warentest oder der BaFin.

5. Individuelle Situation

Was für den Finfluencer gut ist, muss nicht für Ihre finanzielle Situation passen. Finanzentscheidungen sind immer persönlich und individuell.

Fazit: Inspiration mit Verantwortung

Finfluencer leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie Finanzbildung populär machen. Das ist ein positiver Trend. Doch die spannende Mischung aus Unterhaltung und Information darf nicht zur alleinigen Entscheidungsgrundlage werden. Seien Sie kritisch und informieren Sie sich umfassend.

Quellen