Finanzen

08.04.2021

Sind Kryptowährungen eine Alternative zur Geldanlage?

Seit gut 10 Jahren sind Kryptowährungen wie Etherum oder Ripple auf dem Markt und spätestens seit der Akzeptanz von Bitcoin als Zahlungsmittel durch den US-Automobil Hersteller Tesla auch in der realen Welt angekommen. Doch bei aller Begeisterung und Wertentwicklung in den letzten Jahren: Es handelt sich um keine offiziell anerkannten Währungen und es gibt auch keine physischen Zahlungsmittel. Für den ungeübten Privatanleger stellen Kryptowährungen eine spekulative und riskante Anlage dar. Risikofreudige Verbraucher*innen, die einen Nervenkitzel suchen, können mit dem „Spielgeld“ experimentieren.

Sind Kryptowährungen eine Alternative zur Geldanlage?
Foto: © geralt - Pixabay.com

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen existieren nur als eine Folge von Nullen und Einsen in der digitalen Welt. Dort haben sie auch durchaus ihre Vorteile und ihren Reiz. Das liegt in erster Linie an der Verschlüsselungstechnik, die Transaktionen weitestgehend fälschungssicher macht und auf die Kontrolle durch das gesamte Netzwerk setzt. Aber auch Kriminelle haben diese anonyme Währung für sich entdeckt und missbrauchen beispielsweise fremde Rechner, um deren Kapazitäten zu nutzen und nach Bitcoin zu schürfen oder um unkontrolliert größere Transaktionen zu tätigen. Ein Großteil von Käufen im sogenannten Darknet wird über anonyme Kryptowährungen abgewickelt. Die zunehmende Digitalisierung und die revolutionäre Blockchaintechnologie bringt mittlerweile aber auch Staaten und global agierende Unternehmen auf den Plan, die auf dieser Basis versuchen, eigene Währungssysteme zu etablieren.

Wo und wie kann ich Bitcoin und Co kaufen?

Als Erstes benötigen Sie für digitales Geld auch eine digitale Geldbörse, die sich entweder auf Ihrem Rechner, Smartphone oder geschütztem Speichermedium befindet. Bei seriösen, verantwortungsbewussten Unternehmen ist dies immer mit einem persönlichen Verifizierungsverfahren verbunden. Nun können Sie entweder über eine Händlerplattform wie Kraken, Eltoro oder Bison Kryptowährungen kaufen und in Ihr Wallet, so wird der digitale Geldbeutel genannt, buchen lassen. Aber auch der direkte Weg zu Onlinemarktplätzen wie bitcoin.de ist möglich, wo Sie dann zum Tageskurs an- und verkaufen können. Achtung: Bei den Onlinehändlern enthält nicht alles tatsächlich Kryptowährungen, wo dies draufsteht. Häufig liest man in diesem Zusammenhang von CFDs, also Differenzkontrakten, oder ETNs, also börsengehandelten Schuldverschreibungen oder Zertifikaten auf Bitcoins. In diesen Fällen handelt es sich um sogenannte Derivate oder Hebelprodukte, die mit einem entsprechend höheren Risiko verbunden sind.

Ist ein Totalverlust möglich?

Ja. Im Moment sind alle Kryptowährungen noch wie Glasperlen oder Muscheln in längst vergangenen Zeiten. Der tatsächliche Wert dieser sogenannten Währungen ist unklar und keine Regierung der Welt und kein Unternehmen übernimmt dafür irgendwelche Garantien. Damit ist klar, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt eine Kryptowährung keinesfalls für eine sichere Geldanlage oder für die Altersvorsorge eignet. Auch wenn Bitcoin im Moment die Kryptowährung mit der höchsten Marktkapitalisierung darstellt, so kann sie doch von heute auf morgen auch wieder verschwinden. Genauso wie die knapp 1000 anderen Kryptowährungen auch. Vergleicht man die Digitalwährung mit einer herkömmlichen Währung, sticht das Währungsrisiko ins Auge. Wenn Sie planen, ihr investiertes Geld wieder in anderer Form zu verwerten, verhält sich der Wechselkurs im Vergleich zur gewünschten Realwährung und zum Kauftag gegebenenfalls ganz anders und stellt damit einen wesentlichen Wertverlust dar. Sofern Sie in den vergangenen Jahren nicht in andere Währungen wie US-Dollar, Rupien oder Yen investiert haben, sollten Sie auch nicht in Kryptowährungen investieren.

Gibt es Alternativen?

Hinter den Kryptowährungen stehen eine faszinierende Technologie und ein einfaches, nahezu fälschungssicheres Konzept. Dies veranlasste unter anderem auch die Europäische Union, sich näher mit der Thematik auseinanderzusetzen. Der Haken an den bisherigen Kryptowährungen ist die unberechenbare Kursentwicklung, die mitunter Kurssprünge von plus minus zehn Prozent an einem Tag zulässt. Eine digitale Währung ist aber nur dann vertrauenswürdig und interessant, wenn sie auch eine gewisse Preisstabilität oder Werterhalt besitzt. Dies brachte den Begriff der Stablecoins auf den Markt. Diese sollen das Problem der extremen Volatilität lösen. Dazu benötigt der Herausgeber einer Digitalwährung entweder reale Werte aus einer tatsächlich existenten Anlageklasse, eine zentrale, kontrollierende Ausgabestelle oder das rückhaltlose Vertrauen der Anleger. Daher sind eigentlich nur Stablecoins mit Gold-, Dollar- oder Eurodeckung als halbwegs sichere Alternativen zu bezeichnen. Diese besicherten Kryptowährungen existieren erst seit wenigen Jahren und stecken damit noch in den Kinderschuhen. Die Entwicklung in den nächsten Jahren ist daher aktuell noch schwer vorherzusehen.

Fazit

In Anbetracht der zunehmenden Globalisierung und Digitalisierung ist die Entwicklung einer fälschungssicheren, vertrauenswürdigen, digitalen Währung nur konsequent und setzt sich vermutlich zukünftig auch in irgendeiner Form durch. Dabei ist der Ansatz von Stablecoins auch aus wirtschaftlicher Sicht der vernünftigste und erfolgversprechendste. Dennoch handelt es sich bei allen derzeit verfügbaren Kryptowährungen um hochspekulative Anlageformen, in die Sie nur dann investieren sollten, wenn Sie auf dieses Geld im Zweifelsfall verzichten könnten. Da sich die Idee und die Technologie voraussichtlich durchsetzt, setzen sich letzten Endes auch einige Anbieter mit breiter Akzeptanz durch. Welche das sein werden, hängt auch von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ab. Für diese Kryptowährungen entstehen vermutlich auch noch Wertzuwächse. In welcher Höhe und über welchen Zeitraum ist allerdings unklar.

Wie bei allen stark schwankenden Anlageklassen empfiehlt es sich, nicht mehr als maximal zehn Prozent des Gesamtvermögens zu investieren oder Investments über Kredite zu finanzieren.

Prüfen Sie gerade bei Internet-Handelsplattformen immer vorher den Gerichtsstand des Unternehmens und reagieren Sie nicht auf ungefragte E-Mail-Angebote oder massive Werbeangebote. Holen Sie sich im Zweifel Rat bei unabhängigen Stellen.   

Der VSB steht Verbraucher*innen mit seinen 15 Beratungsstellen in Bayern auch in den kontakt­armen Zeiten telefonisch und auf digitalem Wege beratend zur Seite.