Finanzen

12.03.2019, Sparen in allen Lebensphasen

Wie sorge ich mit 20, 30 und 50 Jahren für das Alter vor?

Das Wort Altersarmut ist derzeit in aller Munde und verunsichert Verbraucherinnen und Verbraucher. Die gesetzliche Rente, heißt es, reiche im Alter nicht mehr aus. Um als Rentner den gewohnten Lebensstandard zu halten, führt kein Weg an der privaten Vorsorge vorbei. Aber welche Sparmodelle passen zu welcher Lebenslage?

Immer weniger Menschen in Deutschland haben die Möglichkeit, Geld zur Seite zu legen. Aus einer Umfrage der ING-Diba-Bank vom Oktober 2017 (ING-DiBa-Studie) geht hervor, dass ca. ein Drittel der deutschen Haushalte nichts sparen konnte, da bei rund 50 Prozent das Geld nur knapp bis zum Monatsende reicht. Nur in Rumänien gibt es noch mehr Nichtsparer als in Deutschland.

In Niedrigzinszeiten – quasi ohne Zinseszinseffekt – erschwert sich die Möglichkeit, Altersvorsorgevermögen aufzubauen, zusätzlich. Wenn die Kosten vieler Sparprodukte mit eingerechnet werden, müssten Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit für einen Euro Altersvorsorgevermögen sogar mehr als einen Euro sparen.

Wie sorge ich mit 20, 30 und 50 Jahren für das Alter vor?
Foto: © Proxima Studio - Fotolia.com

Wertpapiersparen statt Sicherheit

Wer sich fürs Alter absichern will, fängt am besten so früh wie möglich, auch mit kleineren Beträgen, zu sparen an. Das große Sicherheitsbedürfnis der Deutschen führt dazu, dass etwa Zweidrittel der Sparer ihr Geld falsch oder unrentabel anlegen. Die aktuelle Niedrigzinsphase belohnt sicherheitsorientierte Sparer nicht, zinsempfindliche Produkte wie Sparbuch, Bausparen oder Lebensversicherungen bringen kaum Rendite. Am Wertpapiersparen kommt derzeit kein Altersvorsorgesparer mehr vorbei.

Ab welchem Alter mit der Altersvorsorge beginnen?

Reserven bilden, für Alltagswünsche und für die Altersvorsorge sparen – das empfiehlt sich bereits in jungen Jahren. Wenig Geld schon früh anlegen erzielt regelmäßig bessere Ergebnisse, als viel Geld später. Wer zum Beispiel mit 20 Jahren anfängt, 50 Euro im Monat in Wertpapieren wie z.B. Indexfonds, auch ETFs genannt, zu sparen, hat beim Renteneintritt, also nach 45 Jahren, etwa 140.000 Euro auf dem Konto.

Welche Anlageformen sind im Alter von 20 Jahren ideal?

Berufsanfänger benötigen zunächst eine private Haftpflicht- und eine Berufsunfähigkeitsversicherung, dazu ein gutes Tagesgeldkonto mit Zinsen. Für unvorhergesehene Ausgaben legen junge Menschen sinnvollerweise dort eine Reserve von etwa drei Monatsgehältern zurück. Wer zudem mit dem Vermögensaufbau beginnt, sollte sich Gedanken machen, was die eigenen Ziele und Wünsche sind. Da sich vieles in diesem Alter noch ändert, eignet sich eine Anlageform, bei der junge Sparer flexibel bleiben. Ein Sparbuch, der Bausparvertrag oder die Kapitallebensversicherung gehören mit Sicherheit nicht dazu, denn sie sind teuer, unflexibel und haben keine gute Rendite.

Welche Anlagestrategie ist die richtige? 

Ein sehr geeignetes Geldanlagemittel sind Wertpapiersparpläne. Dennoch ist es wichtig, auch hierbei die Kosten im Blick zu behalten. Viele Fonds und Fondssparpläne sind teuer, die Kosten für das Depot und Management, der Ausgabeaufschlag und einiges mehr zehren die Rendite auf. Sinnvoller ist es, in großen, sehr breit gestreuten, börsengehandelten, passiven Indexfonds, wie zum Beispiel im Weltaktienindex MSCI World zu investieren. Diese ETFs gleichen Schwankungen gut aus, die Kosten sind sehr niedrig und die Renditeentwicklung äußerst attraktiv. MSCI World beschreibt einen Aktienindex, der die Entwicklung von ca. 1800 Aktien aus 23 Industrieländern widerspiegelt. Seit 1975 berechnet, macht der Index im Schnitt fast 8% jährlich. Banken bieten nur selten diese Sparoption an, da diese schlicht zu wenig Geld damit verdienen.


Bild: Sparergebnisse, berechnet mit MSCI World Indexfonds Rendite 7,7%, Kosten 0,2%. Quelle: VSB.

Welche Vorteile haben Indexfonds?

Mit Indexfonds, auch ETFs oder Exchange Traded Funds genannt, bauen Sie langfristig, einfach und günstig mit Aktien Vermögen auf. ETFs kosten ein Bruchteil wie die gemanagten Aktienfonds. Man braucht dafür kein Börsenexperte zu sein, auch Insiderinformationen sind nicht erforderlich. ETF-Sparpläne sind sehr flexibel – sie lassen sich auflösen, auf- oder aussetzen.

Sind Betriebs- oder Riester-Rente eine Option für junge Sparer?

Nur weil ein Produkt staatlich gefördert wird, ist es nicht automatisch lukrativ. Achten Sie immer auf die Kosten. Lesen Sie genau, welche Rendite und vor allem, welche garantierte Leistung der Anbieter in Aussicht stellt. Gerade bei der Riester-Rente sind die Kosten oft sehr hoch. Riester Banksparpläne bringen außer Zulagen und evtl. Steuervorteil etwas Zinsen. Fonds- oder am besten Indexfondssparpläne bringen in der Regel wesentlich bessere Renditen. Auch die vermögenswirksamen Leistungen vom Arbeitgeber kann man gewinnbringend anlegen. Eine Betriebsrente lohnt sich eventuell, wenn der Arbeitgeber auch dazuzahlt. Lassen Sie sich beraten und die Vorteile berechnen.

Welche Anlageformen eignen sich für Sparer zwischen 30 und 40 Jahren?

In diesem Alter haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher bereits eine Familie gegründet. Oft läuft eine Baufinanzierung für die erste Wohnung oder das Haus. In dieser Lebensphase ist es sehr wichtig, das Eigentum zum Beispiel mit einer Wohngebäude-, Elementarschaden und einer Hausratsversicherung zu schützen. Diese Versicherungen sind sehr teuer. Die beste Geldanlage ist in dieser Phase die Tilgung der Schulden wie Bau- oder Ratenkredite. Wer spart, setzt am besten auf die Kombination aus liquidem und sicherem Tagesgeld, Festgeld oder Prämiensparen und kostengünstigen Indexfonds. Eine höhere Rendite ist nur durch mehr Risiko zu erzielen. Je länger Sie anlegen und je breiter Sie Ihre Anlagen streuen, desto eher gleichen Sie Schwankungen bei der Wertentwicklung aus. Auch wenn ETF-Sparpläne keine Liquiditätsreserve sind, aus der man Baufinanzierungsraten oder Rechnungen zu einem festen Zeitpunkt zahlt, bleiben sie durch ihre breite Streuung eine gute Wahl. Die Kursschwankungen fallen moderater aus als bei Aktien und die langfristigen Renditen aus Kursgewinnen und Dividenden sind durchaus attraktiv.

Ist es zwischen 50 und 60 Jahren zu spät für Vermögensaufbau?

Zwischen 50 und 60 Jahren bleibt bis zum Renteneintritt nicht mehr sehr lange Zeit. In diesem Alter geht es in erster Linie um den Vermögenserhalt. Das Risiko in den vorhandenen Geldanlagen sollten Sie Stück für Stück minimieren. Es empfiehlt sich, bestehendes Vermögen sukzessive in sichere Geldanlagen umzuschichten. Mit Aktien lohnt es sich im höheren Alter wegen des kürzeren Anlagehorizonts und des steigenden Kursrisikos in der Regel nicht mehr anzufangen. Bank- oder Prämiensparpläne sowie Festgeldanlagen sind jetzt ideal. Ein kleinerer Teil der Sparraten kann weiterhin in die breit gestreuten Indexfonds fließen.

Die Lebensumstände ändern sich in diesem Alter manchmal sehr schnell. Daher lohnt es sich in jedem Fall, sich über eine mögliche Pflegesituation Gedanken zu machen. Auch wenn dieses Risiko nicht gerne einkalkuliert wird, empfiehlt es sich, rechtzeitig mögliche Pflegelücken berechnen zu lassen, um nicht in der Hektik teure Pflegeversicherungen abzuschließen.

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