Hauswirtschaft

25.11.2021

Bettdecken: Synthetik, Daunen oder Naturfasern?

Wie angenehm ist es, sich in der Winterzeit unter eine wärmende Bettdecke zu kuscheln. Wer nach einer neuen Decke sucht, hat die Auswahl zwischen Daunen, Synthetik oder Naturfasern. Das Temperaturempfinden jedes Menschen ist bei der Auswahl entscheidend. Die Bettdecke soll Wärme und Geborgenheit spenden und gleichzeitig Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, denn der menschliche Körper verliert im Schlaf bis zu 250 Milliliter. Jede Füllung bringt Vor- und Nachteile mit sich, welche, lesen Sie hier.

Bettdecken: Synthetik, Daunen oder Naturfasern?
Foto: © Drobot Dean - stock.adobe.com

Synthetik – Kunstfaser mit zahlreichen Vorteilen

Besonders beliebt sind Bettdecken aus Polyester. Die synthetischen Fasern werden aus Erdöl hergestellt, sie isolieren gut und sind sehr pflegleicht, die Reinigung in der Waschmaschine ist möglich. Die Kunstfasern verklumpen beim Waschen nicht, sodass sich keine ungleichen Füllungen in der Decke bilden. Gerade für Allergiker liegt der Vorteil in der Waschbarkeit, zusätzlich sind die Decken auch mit sogenannten Encasings zu verbinden – diese speziellen Bezüge sind milbendicht und waschbar.

Hochwertige Funktionsfasern sind inzwischen in der Lage, nahezu alle Eigenschaften der Daunen nachzuahmen. Auch erscheinen sie teilweise leichter als Daunendecken. Das geringe Gewicht kann gleichermaßen als Vor- und Nachteil gesehen werden. Unter leichten Decken zu schlafen, empfinden die meisten Menschen als angenehmer, da der Druck nicht so groß ist. Einige Menschen nutzen aber lieber eine schwere Bettdecke, weil sie sich geborgener fühlen. Das gemütliche und stark wärmende Gefühl fehlt bei den Synthetiks etwas, dafür sind sie meist preiswerter.

Der Klassiker unter den Bettdecken: Daunen und Federn

Daunendecken sind die Klassiker, sie haben eine lange Tradition. Die Federn wärmen besonders gut, nehmen viel Feuchtigkeit auf und führen diese auch gut ab. Sie gelten als angenehm, liegen weich auf der Haut und verbreiten ein kuscheliges Gefühl.

Die Bandbreite der Qualitäten bei Feder- und Daunenfüllungen ist groß, zunächst gibt es Neu- und aufgearbeitete Ware. Daunendecken enthalten meist Federbeimischungen. Erst ab einem Anteil von 60 Prozent Daune in der Füllung darf sich das Produkt Daunendecke nennen. Bei Neuware werden nur Federn und Daunen direkt nach dem Rupf verarbeitet. Aufgearbeitet bedeutet, dass gebrauchte Ware wiederverwendet wird, selbstverständlich gewaschen. Aufgearbeitete Ware hat eine deutlich reduzierte Haltbarkeitsdauer im Vergleich zu Neuware, ob es sich bei der Füllung einer Daunendecke um Neuware handelt, entnehmen Sie dem Produktzettel, der am Rande jeder Decke eingenäht ist.

Die Güte der Füllung wird in Klassen eingeteilt, eins ist die höchste Klasse. Je höher die Klasse, desto weniger andere Element dürfen enthalten sein, wie gebrochene Federn, wiederaufbereitete Daunen und Federn oder Rückstände. Klasse eins darf bis zu fünf Prozent minderwertige Elemente enthalten, Klasse zwei bis zu 15 Prozent. Je hochwertiger und feiner die Daune, desto teurer die Bettdecke.

Welche Geflügelart in welchen Anteilen enthalten sein darf, regelt die europäische Norm. Um sich „Reine Gans“ nennen zu dürfen, muss die Bettdecke mindestens 90 Prozent Gänsedaunen und Federn enthalten. Sind es nur 70 bis 89 Prozent, darf die Decke nur mit „Gans“ gekennzeichnet sein.

Die Reinigung von Daunendecken gestaltet sich schwierig. Um eine Decke mit Daunen zu waschen, ist eine große Maschine notwendig, Pflegetikett und Waschtemperatur sind dabei genau zu beachten. Zudem reagieren die Daunen sehr empfindlich und sind anschließend gut zu trocknen, da sie sonst verklumpen. Besonders wichtig ist es, die Decken nach dem Waschen gut auszulüften, die hohe Feuchtigkeit muss aus den Daunen wieder entweichen.

Pflegetipp: Am Morgen die Bettdecke gut aufschütteln und lüften.

Tierwohl – hierauf gilt es zu achten

Grundsätzlich gilt es bei der Daunengewinnung zwischen „Lebendrupf“ und „Schlacht-“ bzw. „Totrupf“ zu unterschieden. Daunen können sowohl zu Lebzeiten eines Vogels als auch nach dem Schlachten gewonnen werden. Eine Sonderstellung nehmen Eiderdaunen ein. Sie stammen von freilebenden Eiderenten und werden aus den Nestern gesammelt, die die Weibchen bei der Brut mit eigenen Bauchdaunen auspolstern.

Der sogenannte Lebendrupf ist zwar seit 1999 in Europa verboten, es gibt jedoch ein Schlupfloch: Während der Mauser ist es möglich, den Tieren die Federn, wie man sagt, "abzustreichen". "Raufen" heißt das auch. Tierschutzorganisationen bemängeln, dass damit doch noch Lebendrupf stattfindet, vor allem in Osteuropa und Asien. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Daunen- und Federnindustrie in Mainz importieren deutsche Unternehmen um die 10 000 Tonnen Federn im Jahr, rund 70 Prozent davon aus dem ostasiatischen Raum, etwa China, und 30 Prozent aus Osteuropa (Ukraine, Ungarn, Polen, Russland). Rund 90 Prozent des Weltaufkommens von Daunen und Federn wird durch Schlachtrupf gewonnen, also als Nebenprodukt des Fleisches. Entendaunen stammen immer von Schlachttieren.

Problem der Tierwohlzertifikate

Zertifikate, beispielsweise von "Responsible Down Standard" (RDS) oder Downpass, schließen Daunen aus Lebendrupf und Stopfleberproduktion aus und versprechen Tierschutz sowie Transparenz in der Lieferkette. Gerade die Transparenz stellt sich allerdings als Problem heraus. Im Auftrag der Siegelbetreiber sollen Zertifizierungsgesellschaften prüfen, ob wirklich kein Lebendrupf stattfand. Diese Prüfgesellschaften kennen angeblich die gesamte Lieferkette, legen diese oftmals jedoch nicht offen. Auch die Zwischenhändler, bei denen die Deckenanbieter die Bettfüllungen kaufen, legen keine Belege für die Herkunft vor. Die Anbieter von Daunendecken kennen daher oft weder Farm noch Schlachthaus.

Natürliche Alternativen – Naturfasern und Naturhaar

  • Kamelhaar gilt als temperaturausgleichend, anschmiegsam und feuchteregulierend, also für Schwitzende gut geeignet. Es wärmt gut, ist aber etwas schwer und in der Anschaffung teuer.

  • Edler noch ist die feine Wolle aus dem Unterfell der Kaschmirziege. Auch diese Decken wärmen gut, sind aber ebenfalls sehr schwer. Beide haben den Nachteil, dass es meistens nicht möglich ist, sie zu waschen. Die Pflegekennzeichnung ist hier zu beachten, es besteht dann nur die Möglichkeit der Reinigung.

Tipp: Lüften Sie die Decken regelmäßig und behandeln Sie Flecken je nach Ursache gezielt.

  • Bei Merinowolle ist die Wolle aufgebauscht, sie schließt die Luft gut ein und nimmt viel Wasserdampf auf. Beim Waschen besteht jedoch die Gefahr, dass die Decke einläuft, sich also stark verkleinert und eventuell nicht mehr brauchbar ist.

  • Seide ist feuchtigkeitsregulieren, ideal für warme Tage und weich auf der Haut.

  • Hanfdecken kommen ohne Tierhaare und Erdöl aus. Da Hanf ein nachwachsender Rohstoff ist, sind diese umweltschonend. Die Decken sind atmungsaktiv, antibakteriell, transportieren die Feuchtigkeit gut und sind für alle Jahreszeiten geeignet.

  • Baumwolldecken sind ebenfalls für alle Jahreszeiten geeignet, feuchtigkeitsregulierend und sehr robust und langlebig.

Größe und Form von Bettdecken

Nicht nur der Inhalt, sondern auch Größe und Form der Decke stellen wichtige Faktoren bei der Auswahl dar. Hersteller fertigen Decken häufig in der sogenannten Körperformsteppung an, diese hat der Vorteil, dass sie sich dem Körper anpasst und sich an diesen besser anschmiegt. Dadurch soll ein erhöhtes Wohlbefinden entstehen, zusätzlich hält sich die Wärme besser unter der Decke. Bei der Größe kommt es auf die persönliche Körpergröße an, am beliebtesten ist die sogenannte Komfortgröße, sie liegt bei 155cmx220cm.

Quellen: Stiftung Warentest 10/2019, Stiftung Warentest 11/2020