Hauswirtschaft

19.10.2020

Schädlinge in Küche und Kleiderschrank?

Krabbelnde, fliegende und häufig unsichtbare Lebewesen bezeichnen Menschen despektierlich als Schädlinge. Den Begriff gibt es in der Zoologie dabei gar nicht. Die Menschen haben sie durch ihre Lebensweise dazu gemacht. Sie begleiten uns schon seit Urzeiten und passen sich an die jeweiligen Lebensstile an. Vor allem ihr massenhaftes Auftreten in bestimmten Regionen der Welt richtet regelmäßig erhebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden an. Es gibt Textilschädlinge, Holzschädlinge und Vorratsschädlinge. Üppige Vorratshaltung, ansteigende Temperaturen, weltweiter Lebensmitteltransport, Holzpaletten und andere Verpackungsmaterialen, warme Wohnungen sowie große Abfallmengen und Abwässer vergrößern das Schädlingsproblem. Wie Sie Schädlinge vermeiden und was bei einem Befall zu tun ist, erfahren Sie hier.

Schädlinge in Küche und Kleiderschrank?
Grafik: © insects-gordon John pixabay

In der Öffentlichkeit sind Schädlinge ein Tabuthema. Dabei kämpfen beispielsweise Hotels zunehmend mit Krabbeltieren in Betten und in Kindergärten treten Kopfläusen wieder häufig auf.

Schädlingsbekämpfer kommen deshalb inkognito oder in der Nacht in Restaurants, Hotels und Lebensmittelgeschäfte, um den guten Ruf eines Hauses nicht zu ruinieren. Dabei kann auch der sauberste Haushalt von den unerwünschten Krabbeltieren heimgesucht werden. Vielleicht ändert sich die Einstellung zu einigen der „Ungeziefer“, da sie seit einigen Jahren sogar auf Speiseplänen Furore machen. Ihr Fleisch ist nahrhafter und ökologisch unproblematischer zu erzeugen wie anderes Fleisch. Wer es probiert hat, gewinnt auch dem Geschmack meistens Positives ab. Immerhin isst schon ein Drittel der Weltbevölkerung mehr oder weniger regelmäßig Insekten, Maden oder Heuschrecken.  

In früheren Jahrhunderten war es normal, dass Menschen auf Haut oder Haaren Mitbewohner hatten.  Es galt als Geste der Zärtlichkeit, einander die Flöhe abzulesen, wie es noch heute bei Primaten zu sehen ist. Große Insektenplagen und damit einhergehende, oft verheerenden Seuchen, sahen die Menschen als göttliche Strafe oder Heimsuchung des Teufels an. Entsprechend gruselig, befremdlich oder sogar hochgiftig waren die damaligen Schädlingsbekämpfungsmethoden.  Der „Rattenfänger von Hameln“ fand sogar Eingang in ein Märchen.

Heute sorgen staatliche Institutionen und Gesetze sowie Verordnungen für verbindliche Richtlinien im Kampf gegen Schädlinge. Der Beruf des Schädlingsbekämpfers ist seit 2004 ein anerkannter, dreijähriger Ausbildungsberuf. Durch Vermeiden, Früherkennung und Bekämpfung vermeiden Verbraucher*innen meist einen Schädlingsbefall. Allerdings gibt es immer öfter sehr invasive Schädlinge, die bisher bei uns nicht auftraten. So ist es beispielsweise verboten Mangos aus Drittländern einzuführen, denn dadurch besteht die Möglichkeit, dass eine Fruchtfliege eingeschleppt wird, die in Deutschland bisher nicht vorkommt. Tipp: Wenn Sie einen Schädling entdecken, der ihnen fremd ist, melden Sie es dem Gesundheitsamt oder einem Schädlingsbekämpfer. Diese sind in der Lage, eine Bestimmung der Art vorzunehmen.

In den letzten Jahren trat vermehrt die grüne und braune Baumwanze in Wohnungen, Terrassen und Hauswänden auf. Im Herbst ist sie auf der Suche nach einem warmen Platz zum Überwintern. Dieses für Menschen völlig harmlose Insekt sondert ein besonders übelriechendes und lange anhaftendes Sekret ab, wenn es sich bedrängt fühlt.  Das gab ihr den Beinahmen Stinkwanze. Tipp: Diese Tiere nicht Einsaugen, der Geruch ist sonst beim Staubsaugen kaum mehr zu entfernen. Auch Insektenspray ist ungeeignet, zum einen aus gesundheitlichen Gründen und zum andern sind bestimmte Wanzenarten resistent dagegen. Die beste Möglichkeit ist es, die Fenster mit gutsitzenden Fliegengittern abzudichten. Schließen Sie Ihre Fenster und Türen, sobald es anfängt, draußen abzukühlen. Berühren Sie die Wanzen nicht mit bloßen Fingern, sondern setzen Sie sie unter Zuhilfenahme eines Blatt Papiers vor die Türe.

In Mitteleuropa treten etwa 120 Arten vorratsschädlicher Insekten und Milben regelmäßig auf. Sie leben ausschließlich in Vorratslagern und nicht im Freiland. Temperaturen zwischen 18 und 32 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 75 Prozent sowie insektenspezifische Lebensmittel sind Voraussetzungen für das Vorkommen und Vermehren der Schädlinge. Fast jedes Lebensmittel hat seinen spezifischen Schädling. Besonders oft zu finden sind sie in Getreideprodukten, Trockenfrüchten, Nüssen und Samen.

Maßnahmen, um Schädlinge im Haushalt zu vermeiden

  • Beim Einkauf darauf achten, dass die Verpackung unbeschädigt ist. Kontrollieren Sie, ob die Lebensmittel frei von Insekten sind. Kleine Löcher an Nüssen, „Fäden“ in Grieß oder kleine schwarze Punkte sind Hinweise auf Befall.
  • Papierverpackungen, die aus Umweltgründen wieder öfter verwendet werden um Plastik zu vermeiden, sind ggf. durch Motten beschädigt. Deshalb zu Hause möglichst in Gläser oder gut verschließbare Behälter umfüllen.
  • Halten Sie die Vorratsmenge möglichst klein.
  • Wischen Sie regelmäßig alle Schränke aus und kontrollieren Sie dabei den Bestand.
  • Saugen sie regelmäßig Holzleisten und Schrankritzen aus. Bei Befall Leisten entfernen und abdichten.
  • Legen Sie kein Schrankpapier aus.
  • Legen Sie beim Einkauf die neuen Lebensmittel immer nach hinten (First in – first out Prinzip).
  • Entsorgen Sie vor allem in der warmen Jahreszeit regelmäßig alle Abfälle und verschließen Sie Abfallbehälter.
  • Legen Sie in die Biotonne nach jeder Lage Müll eine Lage Zeitungspapier.
  • Entsorgen Sie vor allem Tierfutterdosen sehr schnell bzw. waschen sie die Dosen aus.
  • Decken Sie alle Lebensmittel immer gut ab bzw. stellen Sie möglichst alles in den Kühlschrank.
  • Schalten Sie am Abend beim Lüften das Licht aus, um keine Motten anzuziehen.
  • Schneiden Sie Kletterpflanzen am Fenster zurück.
  • Bringen Sie Fliegengitter am Küchenfenster an.
  • Wischen Sie Ameisenstraßen feucht.
  • Ameisennesteingang eventuell mit Gips verschließen.
  • Boraxhaltige Ameisenfalle aufstellen oder mit Kieselgur (Diatomenerde) bestreuen.
  • Leinbandfliegenfänger aufhängen.
  • Bei Silberfischen im Bad die Abflüsse von Badewanne und Waschbecken über Nacht verschließen.
  • Spritzwasser immer aufwischen und gut lüften.
  • Bei Schädlingsbefall immer alle Lebensmittel entsorgen. Vorher die befallenen Lebensmittel entweder eingefrieren oder mit kochendem Wasser überbrühen, dass sie sich nicht in der Biotonne weiter vermehren.

Chemische Bekämpfungsmittel dürfen nicht unkontrolliert verwendet werden. Sie wirken häufig nicht tierspezifisch und töten auch andere Insekten. Wenn unbedingt notwendig, einen Spezialisten ausführen lassen.

Textilschädlinge vermeiden

  • Selten getragene Textilien aus Naturfasern (Wolle, Seide, Leinen, Baumwolle) regelmäßig kontrollieren.
  • Kleidungsstücke öfter ausschütteln, lüften und wenn Sie sie länger nicht tragen unbedingt vorher waschen.
  • Um Textilien zu „überwintern“ diese in Papier oder Leinen einschlagen.
  • Lavendel (Seife oder Kräuter), Zedernholzspäne, Kampfer oder Nelken bieten zusätzlichen Schutz.
  • Kleiderschränke regelmäßig trocken reinigen oder aussaugen. Unruhe mögen Schädlinge nicht.
  • Befallene Kleidungsstücke, die noch keine Löcher haben waschen und mehrmaligen Temperaturschwankungen aussetzen. Beispielsweise gut verpackt eingefrieren, in die Sonne legen oder in den Trockner geben. Matratzen regelmäßig absaugen, lüften und wenden.
  • Bettwäsche nach spätestens zwei Wochen wechseln. 
  • Milbendichte Überzüge verwenden.
  • Regelmäßig Schlafzimmer lüften. Luftfeuchtigkeit nicht über 50 Prozent und Temperatur nicht über 20 Grad Celsius.
  • Teppichboden im Schlafzimmer vermeiden.
  • Gepäck nach einem Urlaub gut nach ungebetenen Mitbringseln untersuchen. Besonders Wanzen sind sehr schwer zu erkennen und kaum mehr ganz zu entfernen.

Bewährte Methoden, um Schädlinge im Garten zu vermeiden

  • Mechanische Bekämpfung wie Absammeln, Zerdrücken, Verscheuchen. 
    Anwendung z.B. bei Läusen auf Blumen, Leimringe an Obstbäumen.
  • Chemische Bekämpfung: Der Großeinsatz in den fünfziger und sechziger Jahren an hochgiftigen Chemikalien – vor allem Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) – belastet noch heute, obwohl schon längst verboten, die Umwelt in einigen Regionen. Mittlerweile geht man damit wesentlich vorsichtiger um. Im Privathaushalt sind nur sehr wenige chemische Mittel zugelassen. Sie sollten immer das letzte Mittel sein und genau dosiert verwendet werden.
  • Biologische Schädlingsbekämpfung: Gezielte vielfältige Gartengestaltung, um Nützlinge anzuziehen. Nistkästen für Vögel, Schlafsäckchen für Ohrwürmer sowie Insektenhotels werden heute nicht nur zur Schädlingsbekämpfung, sondern auch als Gestaltungselement im Garten eingesetzt. In Gartenfachgeschäften gibt es die notwendige Beratung dazu.
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