Hauswirtschaft

27.04.2026

Sicherheit im Haushalt – Unfallgefahren erkennen und vorbeugen

Laut Statistischem Bundesamt lagen die Unfallursachen mit tödlichem Ausgang in Deutschland im Jahr 2024 mit nahezu 49 Prozent im häuslichen Bereich an der Spitze. Dazu zählen auch Vorkommnisse beim Heimwerken oder bei der Gartenarbeit. Im eigenen Zuhause werden Gefahren oft unterschätzt, da das Bewusstsein für Unfallquellen im vertrauten Umfeld sinkt. Mangelnde Aufmerksamkeit, Zeitdruck, Stress, Unwissenheit, Bequemlichkeit und unzureichende Gerätequalität erhöhen das Risiko. Im Alter entsteht durch ein Nachlassen von Konzentration, Kraft und Balancegefühl zusätzliches Gefährdungspotenzial. Besonders gefährdet sind neben älteren Menschen kleine Kinder.

Unfall Haushalt Sturz© Pixel-Shot - stock.adobe.com
Kinder können Gefahrenquellen oft nicht richtig einschätzen.

Stürze – Unfallursache Nummer eins im Haushalt

Stolperfallen, wie nicht gesicherte Läufer, hochstehende Teppichkanten, umherliegende Kabel oder Gegenstände wie Kinderspielzeug können gefährlich werden. Auch Treppenstufen, rutschige Böden in Küche und Bad sowie Arbeiten auf Leitern bergen ein hohes Risiko im Haushalt. Es empfiehlt sich in stabile GS-geprüfte Leitern und Klapptritte für einen sicheren Halt zu investieren.

Tipps: Experimentieren Sie nicht mit Stühlen, Kisten oder ähnlichem als Leiterersatz. Achten Sie bei Leitern auf rutschhemmende Stufen und Füße, Haltebügel, Leiterschenkel mit Spreizsicherung und eine sachgemäße Nutzung. Prüfen Sie die Gerätschaften regelmäßig auf Mängel. Halten Sie Laufwege in der Wohnung frei und achten Sie auf Ordnung. Kabel unfallsicher in Kabelkanäle verlegen, Antirutschmatten unter Teppichen verwenden. Achten Sie auf ausreichende Beleuchtung – gegebenenfalls Bewegungsmelder installieren. Böden in Richtung Ausgang wischen und vollständig trocknen lassen. Verschüttete Flüssigkeiten sofort aufwischen.

Brandgefahren im Haushalt

Brände können sich innerhalb kürzester Zeit entfachen und große Schäden verursachen.

Häufige Ursachen sind defekte Elektrogeräte (Materialfehler, Hitzestau, Kurzschluss, Überlastung), unbeaufsichtigte Kerzen, überhitzte Herdplatten oder heißes Fett. Ein schnell erreichbarer, geeigneter Feuerlöscher kann helfen, größere Schäden zu verhindern. Im Brandfall ist die höchste Priorität, Menschen und Haustiere in Sicherheit zu bringen. Alarmieren Sie umgehend die Feuerwehr unter 112 und schließen, wenn möglich Türen und Fenster.

Für kleinere Brände oder Entstehungsbrände eignen sich kleine ABF- Löschdosen, die schnell greifbar und intuitiv zu bedienen sind, sich im Einsatz aber schnell entleeren. Achten Sie bei einem Kauf auf die Norm DIN EN 16856 DIN. Fettbrände niemals mit Wasser oder Schaumlöschern bekämpfen. Es besteht Gefahr einer Stichflamme oder Explosion. Ausschließlich Feuerlöscher bzw. Löschsprays der Brandklasse F verwenden.

Feuerlöscher werden nach Brandklassen unterschieden. Es ist essenziell wichtig den richtigen Feuerlöscher für das in Brand geratene Material zu benutzen und die Handhabung vorher einmal zu üben.

Brandklasse A: feste Stoffe (z. B. Holz, Textilien)

Brandklasse B: flüssige Stoffe (z. B. Benzin, Farben, Alkohol)

Brandklasse C: für Gase (z. B. Propan, Erdgas)

Brandklasse D: Metalle

Brandklasse F: Speisefette und Speiseöle  

Achten Sie beim Kauf auf eine möglichst lange, deklarierte Mindesthaltbarkeit und die Wartungs- sowie Prüfhinweise. Das Herstellungsdatum sollte nicht länger als ein Jahr zurückliegen.  Im privaten Bereich sind Feuerlöscher mit Größen von sechs bis neun Litern Fassungsvermögen geeignet. Sie sollten einigermaßen handlich, nicht zu schwer und gut bedienbar sein und an einem schnell zugänglichen Ort aufbewahrt werden. Im Laufe der Zeit nimmt der Druck und damit die Wirksamkeit ab. Eine regelmäßige Kontrolle der Feuerlöscher alle zwei idealerweise jedes Jahr durch eine Fachfirma ist empfehlenswert.

Gefahr durch Akkus

Lithium-Ionen-Akkus wie sie beispielsweise in Smartphones, Notebooks oder kabellosen Küchen­geräten verwendet werden, können bei unsachgemäßer Nutzung überhitzen oder sich entzünden. Ursachen sind unter anderem Überlastung, Tiefentladung, mechanische Beschädigung oder falsche Handhabung. Es kann zu einer unkontrollierten thermischen Kettenreaktion mit sehr hohen Temperaturen und giftigen Gasen kommen. Bei Rauchentwicklung besteht akute Gefahr. Wenn möglich Gerät vom Strom trennen (Sicherung ausschalten), in Sicherheit bringen und Feuerwehr alarmieren!

Vorsichtsmaßnahmen, die zu mehr Sicherheit beitragen:

  • Ausschließlich Ladegeräte und Kabel des Herstellers verwenden.
  • Am besten nicht unbeobachtet laden und Belüftung ermöglichen.
  • Hohe Temperaturen vermeiden wie bspw. unter Abdeckungen oder bei direkter Sonneneinstrahlung.
  • Kühl und trocken lagern, nicht bei Frost.
  • Abstand zu brennbaren Materialien halten.
  • Vor Stößen und Beschädigungen schützen.
  • Akkus regelmäßig auf Defekte überprüfen und falls nötig sachgemäß z. B. über Wertstoff- oder Recyclinghöfe - auf keinen Fall im Hausmüll - entsorgen.
  • Auf Warnzeichen achten: verkürzte Akkulaufzeit, schnelle Entladung, Überhitzung, Verformungen, austretende Flüssigkeiten.

Stromunfälle vermeiden

Neben elektrischen Schlägen können bei Stromunfällen schwere Verbrennungen auftreten und Wohnungsbrände ausgelöst werden. Ursachen sind häufig technische Defekte an den Geräten, unzureichende Produktqualität oder unsachgemäße Nutzung.

Orientierung für sichere Geräte bieten folgende Kennzeichen:
  • Geräte mit CE-Kennzeichen genügen den Anforderungen und Vorschriften des EU-Marktes (kein Sicherheitskennzeichen).
  • Das GS-Zeichen bedeutet „Geprüfte Sicherheit“ und entspricht den Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes.
  • Mit dem VDE-Prüfzeichen des Verbands für Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik verbinden sich bestimmte Sicherheitsstandards (freiwilliges Prüfzeichen, unabhängig getestet, Fokus auf elektrische Sicherheit).

Weitere wichtige Angaben sind Gerätetyp, technische Daten sowie die IP-Kennzeichnung, die auf den Schutzgrad vor äußeren Einflüssen (Wasser, Staub, Fremdkörper) schließen lässt.

Ergänzend ist auf eine verständliche Bedienungsanleitung und vollständige Herstellerangaben zu achten.

Tipps für den sicheren Umgang mit elektrischen Geräten:
  • Nach dem Gebrauch oder zur Reinigung Netzstecker ziehen.
  • Mehrfachsteckdosen nicht hintereinanderschalten.
  • Geräte nur im dafür vorgesehenen Einsatzbereich nutzen.
  • Wärmestau vermeiden.
  • Bei Bedarf Nachrüsten von Fehlerstromschutzschaltern.
  • Beschädigte Geräte und Kabel nicht verwenden.
  • Keine unsachgemäßen Reparaturen ausführen, von Fachkräften durchführen lassen.
  • Kontakt mit Wasser vermeiden.
  • Steckdosen sichern, insbesondere in Haushalten mit Kindern.

Verbrennungen und Verbrühungen

In Küche und Bad besteht ein erhöhtes Risiko durch heiße Flüssigkeiten, Dampf oder heiße Geräte.

Tipps für den sicheren Haushalt:
  • Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen.
  • Heiße Flüssigkeiten außer Reichweite halten.
  • Griffe von Töpfen, Pfannen nach hinten drehen, Topflappen verwenden.
  • Kochvorgänge und Kerzen beaufsichtigen.
  • Keine ungeeigneten Brandbeschleuniger beim Grillen verwenden.
  • Geräte nach Gebrauchsanleitung und bestimmungsgemäß bedienen.
  • Öffnung der heißen Geräte vom Körper abgewendet ausrichten.

Verätzungen und Vergiftungen

Besonders Kinder sind gefährdet. Mögliche Gefahrenquellen sind:  Wasch- und Reinigungsmittel, Medikamente, Klebstoffe, Farben, Blumendünger, Zigaretten sowie ähnliche Stoffe und Chemikalien.

Tipps:

  • Möglichst umweltfreundliche Alternativen zur Reinigung verwenden-
  • Gefahren- und Sicherheitshinweise beachten.
  • Produkte nur in der Originalverpackung aufbewahren.
  • Dosiervorschriften beachten.
  • Keine Reinigungsmittel mischen.
  • Gefährliche Stoffe außer Reichweite von Kindern lagern.
  • Giftige Substanzen fachgerecht entsorgen - nicht in den Abfalleimer werfen.
  • Auch auf giftige Pflanzen in der Wohnung achten.
  • Schutzhandschuhe tragen.

Schnittverletzungen

Diese entstehen oft beim Umgang mit scharfen Messern, Schneidwerkzeugen oder Geräten.

Tipps:
  • Messer nicht offen liegen lassen - sicher in einer Schutzhülle oder im Messerblock aufbewahren.
  • Messer mit der Spitze nach unten in der Spülmaschine einräumen.
  • Rutschfeste Unterlagen verwenden.
  • Besondere Aufmerksamkeit bei kürzlich geschärften Messern.
  • Kleine Kinder nicht mit scharfen Gegenständen unbeaufsichtigt lassen.
  • Elektrische Geräte zur Reinigung der Zerkleinerungswerkzeuge vom Strom nehmen.
  • Schutzvorrichtungen bei Maschinen und Geräten nutzen.
  • Scherben vorsichtig entfernen.
  • Beim Heimwerken Sicherheitsvorschriften beachten und Schutzkleidung tragen.

Unfälle können überall im Haus passieren. Es ist hilfreich, sich möglicher Risiken im eigenen Bereich bewusst zu werden und auf mögliche Gefahrenquellen zu überprüfen.

Umfassende Informationen zur Vorbeugung und zum richtigen Handeln in Notsituationen bietet die empfehlenswerte und kostenlose Broschüre Das sichere Haus. Frischen Sie ihre Erste-Hilfe Kenntnisse regelmäßig auf, um im Notfall angemessen reagieren zu können.

Quellen:

Anzahl der Gestorbenen nach Unfallkategorien - Statistisches Bundesamt
Feuerlöscher für zu Hause: Ratgeber zu Arten, Kauf und Wartung
Brandklassen ABCD und F verstehen
Home | Das sichere Haus
aktion-dsh-flyer-leitern-2016.pdf
DSH_Broschuere_Haushalt_2025_A5_web.pdf