Hauswirtschaft

01.09.2025

Spülschwamm – Nährboden für Bakterien

Er ist täglich im Einsatz, doch kaum jemand denkt daran, wie viele Bakterien sich im Spülschwamm sammeln. Studien zeigen: Der unscheinbare Helfer kann zur echten Gesundheitsgefahr werden. Wir erklären, warum das so ist, wie oft Verbraucherinnen und Verbraucher den Schwamm wechseln sollten und welche hygienischen Alternativen es gibt.

Spülschwamm – Nährboden für Bakterien© ajlatan - stock.adobe.com
In den Hohlräumen eines Spülschwammes sammeln sich Lebensmittelreste, Fett und Schmutz. Ein idealer Nährboden für Bakterien.

In den zahlreichen feucht-warmen Hohlräumen eines Spülschwammes sammeln sich Lebensmittelreste, Fett und Schmutz. Ein idealer Nährboden für das Wachstum von Bakterien. Da die Schwämme nur langsam durchtrocknen steigt die Keimbelastung schnell an. Einer Studie der Hochschule Furtwangen zum Mikrobiom in Spülschwämmen zufolge, tummeln sich bis zu 54 Milliarden Bakterien pro cm³ in einem gebrauchten Schwamm. Auch pathogene Keime wie Salmonellen, Campylobakter-Bakterien und ähnliches finden sich darunter. Besonders für immunschwache, ältere oder erkrankte Menschen kann das zum Problem werden.

Die Verwendung eines Spülschwammes aus Kunststoff ist aus ökologischen und hygienischen Gesichtspunkten nicht zu empfehlen. Da die Keimbelastung nach dem Waschen nur für kurze Zeit absinkt und sich Verschmutzungen oft nicht mehr aus dem Schwamm entfernen lassen, ist ein regelmäßiger Austausch aus hygienischer Sicht notwendig. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist dies nach spätestens einer Woche notwendig. Wer Fleisch- oder Fischreste abwischt, sollte den Schwamm am besten sofort entsorgen. Herkömmliche Schwämme sind zum Großteil immer noch aus Plastik und nicht abbaubar. Sie werden im Restmüll entsorgt und belasten die Umwelt.

Tipps zur Verwendung eines herkömmlichen Spülschwamms aus Kunststoff:

1. Regelmäßig reinigen – das gilt für Reinigungsutensilien wie Spülbürsten, Schwämme, Spüllappen und Küchenhandtücher gleichermaßen. Nach Gebrauch den Spülschwamm immer mit Spülmittel auswaschen. Dazu kommt die Reinigung in der Waschmaschine ca. einmal pro Woche mit pulverförmigem Vollwaschmittel in einem Wäschebeutel. Aus hygienischer Sicht bedeutet das am besten bei 60 Grad. Das im Vollwaschmittel enthaltene Bleichmittel reduziert dabei die Keimbelastung.

2. Ein vollständiges, schnelles Durchtrocknen an einem luftigen Platz ermöglichen und Spülschwämme im Wechsel verwenden. Gebrauchte Küchenschwämme regelmäßig entsorgen.
Tipp: Ausrangierte Spülschwämme können für andere Reinigungsarbeiten z. B. am Fahrrad verwendet werden.

3. Beim Umgang mit rohem Ei, Fleisch oder Fisch eignet sich Küchenpapier besser zum Aufwischen, damit gefährliche Keime gar nicht erst mit dem Schwamm in Berührung kommen.

Weitere mögliche hygienische Küchenhelfer

1. Spüllappen aus Baumwolle oder Mikrofaser

Spüllappen aus Baumwolle oder Mikrofaser trocknen schneller als dicke Spülschwämme. Mikrofasertücher entfernen bei der Oberflächenreinigung zahlreiche Keime und verteilen Sie weniger als andere Reinigungstücher. Ein regelmäßiger Wechsel und die Reinigung in der Waschmaschine bei 60 Grad mit pulverförmigem Vollwaschmittel ist auch aus hygienischer Sicht ratsam. Beim Waschvorgang können sich kleinste Kunststoff-Fasern (Mikroplastik) lösen.  Kläranlagen filtern einen Großteil heraus. Mikrofasertücher am besten an der Luft trocknen, da der Abrieb im Wäschetrockner hoch ist.

2. Spülbürsten

Nach einer Studie aus Norwegen und Portugal ist eine Besiedelung und Vermehrung von Bakterien auf Spülbürsten weniger hoch als auf Spülschwämmen. Sie nehmen weniger Feuchtigkeit auf und trocknen schneller ab. Nach jedem Gebrauch die Spülbürste gründlich mit heißem Wasser reinigen, Essensreste und Schmutz entfernen und zum Durchtrocknen aufhängen oder in einen Behälter stellen. Ab und zu eine Reinigung mit Essigwasser oder Natron hilft Bakterien und unangenehme Gerüche zu entfernen. Spülbürsten aus Kunststoff sind nicht biologisch abbaubar. Nachhaltigere Materialien wie Holz (FSC-zertifiziert) sowie Naturborsten sind mögliche Alternativen. Bürsten mit austauschbaren Köpfen reduzieren den Abfall, da sich der Griff weiterverwenden lässt.

3. Kompostierbare Spülschwämme

Kompostierbare Spülschwämme aus nachhaltigen Materialien, wie Luffa, Zellulose oder Sisal können in der Saugstärke, der Reißfestigkeit und der Lebensdauer mit herkömmlichen Kunststoffschwämmen durchaus mithalten. Der Luffaschwamm stammt von einer schnell wachsenden Kletterpflanze der Gattung Kürbisgewächse, die in warmen Regionen wie Süd- Zentralamerika, Afrika, China, Indien und südostasiatischen Ländern angebaut wird. Lange Transportwege aus diesen Ländern wirken sich auf die Ökobilanz negativ aus. Die Kürbisgewächse werden auch in kleineren Projekten in Spanien und Portugal angebaut. Luffaschwämme trocknen schnell durch und lassen sich sowohl trocken als auch nass verwenden. Trocken ist der Schwamm kratzig und z.B. zur Reinigung von Töpfen geeignet. Gut durchtränkt und feucht ist er schonend zu Oberflächen und beschichteten Pfannen. Nach jeder Anwendung gut spülen, ausdrücken und dann hängend an der Schlaufe oder auf einer Ablage trocknen lassen, um Schimmelbildung zu vermeiden. Einweichen im warmen Essigbad sowie eine Maschinenwäsche bei 30 bis 40 Grad hilft bei der Hygiene. Unbedingt in einem Wäschesäckchen in die Maschine geben und keinen Weichspüler verwenden. Luffaschwämme sind biologisch abbaubar und lassen sich im Kompost oder der Biotonne entsorgen. Sie hinterlassen keine schädlichen Rückstände oder Mikroplastik und sollten bei Anzeichen von Abnutzung oder der Entstehung von unangenehmen Gerüchen regelmäßig ausgetauscht werden.

4. Silikonschwämme

Silikonschwämme sind sehr robust und verschleißarm und eigenen sich für leichte bis mittlere Verschmutzungen. Das Material selbst ist antibakteriell und schimmelresistent. Da sich keine Lebensmittelreste daran festsetzen können sind sie sehr hygienisch. Sie lassen sich unkompliziert in der Spülmaschine mitreinigen oder auch in der Waschmaschine im Wäschenetz. Silikonschwämme behalten ihre Form und punkten bei guter Pflege mit hoher Langlebigkeit im Gegensatz zu Einwegschwämmen oder kurzlebigen Varianten. Das Material ist etwas unflexibel und spart damit Ecken bei der Reinigung eher aus. Flüssigkeiten können nicht aufgesaugt werden. Die Produktion von Silikon ist sehr energieintensiv und das Material nicht biologisch abbaubar.

5. Kupfertuch oder -schwamm

Kupfertuch oder-schwamm bieten neben der Langlebigkeit auch gute Reinigungseigenschaften bei hartnäckigen Verschmutzungen und reduzieren so den Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln. Kupfer ist antibakteriell. Da Kupfer ein weiches Metall ist (Mohshärte von 2,5 -3) kann auch Porzellan und Glas damit gereinigt werden. Nicht geeignet ist es für empfindliche bspw. lackierte Oberflächen, Plastik und beschichtete Pfannen. Bei Gegenständen aus Silber, Gold und Aluminium ist Vorsicht geboten. Das Kupfertuch sollte immer mit Wasser zum Einsatz kommen, um die Gleiteigenschaft zu verbessern und Kratzer zu vermeiden. Auch fettlösender Reiniger wie mildes Spülmittel kann verwendet werden. Nach Gebrauch gut mit Wasser ausspülen. Essig- und Zitronensäure, Scheuermittel und Chlor können Kupfer angreifen. In einem speziellen Wäschebeutel für Kupfer ist es auch bei 60 Grad in der Waschmaschine waschbar. Gute Pflege erhöht die Langlebigkeit. Beachten Sie die Gebrauchsanleitung. Ausgediente Kupfertücher lassen sich fast ohne Wertverlust über das Altmetall entsorgen und in den Wertstoffkreislauf zurückführen. Die Anschaffungskosten können höher sein, da Kupfer ein Edelmetall ist.

Weiterführende Informationen:

https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-zu-lebensmittelhygiene-reinigung-und-desinfektion.pdf

https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-viralen-lebensmittelinfektionen.pdf

https://www.br.de/radio/bayern1/spuelschwamm-waschen-100.html

https://www.umweltbundesamt.de/tipp/achten-sie-auf-die-hygiene

Paradies für Bakterien: Spülschwamm reinigen – und welche Alternativen es gibt - ÖKO-TEST

https://utopia.de/ratgeber/warum-du-deinen-spuelschwamm-aus-der-kueche-verbannen-solltest_739369/

https://www.stmelf.bayern.de/bildung/hauswirtschaft/keimbeseitigung-auf-oberflaechen/index.html