Umwelt

11.08.2017, Bodenschutz ist Klimaschutz

Böden – Grundlage unserer Nahrung

Gesunde Böden sind Grundlage unserer Nahrung. Die Lebensmittelproduktion hängt größtenteils direkt vom Boden ab. Zugleich sind Böden stark betroffen von Klimaänderungen und nehmen umgekehrt als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle für das Weltklima ein.

Böden – Grundlage unserer Nahrung
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Boden – unterschätzter Untergrund

Böden sind die belebte, oberste Schicht des Festlandes. Sie sind Lebensraum und Lebensgrundlage zugleich und haben zahlreiche wichtige Funktionen im Naturhaushalt, z.B. für den Wasser- und Nährstoffkreislauf.

Doch nutzbare Bodenflächen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Nur knapp ein Drittel der Erdoberfläche ist Festland, davon besteht etwa ein Viertel bereits aus Wüste. Nicht nur die vorhandene Fläche ist begrenzt, auch die extrem lange Entstehungsdauer übersteigt menschliche Zeiträume bei weitem: So dauert es mindestens hundert Jahre, bis sich ein Zentimeter neuer Boden bildet. Fruchtbarer Boden baut sich sehr langsam auf und kann nicht künstlich geschaffen werden.

Konkurrenz um fruchtbaren Boden

Weltweit erhöht sich der Druck auf Landflächen. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der weltweit steigenden Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen und Fleisch nimmt die Konkurrenz um Landflächen zu, die Nachfrage nach fruchtbaren Böden steigt.

Zugleich sind Böden weltweit gefährdet durch Bodenerosion, Versalzung, Verdichtung, Verschmutzung und Versiegelung. Schätzungen zufolge ist bereits rund ein Viertel der Böden weltweit degradiert, d.h. in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Bodendegradation ist ein fortschreitender Prozess, jedes Jahr sind weitere 5-10 Millionen Hektar betroffen. Diese Fläche entspricht etwa der Größe Österreichs. Gerade in Gebieten mit trockenem Klima können Böden durch eine intensive Nutzung beeinträchtigt oder gar zerstört werden. Eine Situation, die durch Klimaänderungen vielerorts verschärft wird.

Intakter Boden, der als Acker- und Weideland nutzbar ist, wird immer knapper – besonders in Gebieten mit relativ trockenem Klima. Vor allem durch unangepasste und zu intensive landwirtschaftliche Nutzung werden dort große Flächen "degradiert", also so geschädigt, dass sie ihre ökologischen und ökonomischen Funktionen nur noch vermindert oder gar nicht mehr erfüllen können.

Böden im Klimawandel

Hitze, Starkregen, Dürren, Stürme – weltweit sind eine Zunahme extremer Wetterereignisse sowie ein Anstieg der Temperaturen zu verzeichnen. Diese Veränderungen wirken sich negativ auf Böden aus: Durch starke Niederschläge, Überschwemmungen und Stürme geht fruchtbarer Boden verloren, durch höhere Temperaturen und das Fehlen regelmäßiger Niederschläge wird Feuchtigkeit entzogen, was zum Austrocknen bzw. bei Bewässerung zur Versalzung von Böden führen kann.

Böden sind jedoch nicht nur betroffen von Klimaänderungen, sie spielen zugleich eine bedeutende Rolle im Klimaschutz: Denn Böden speichern Kohlenstoff und sind damit nach Ozeanen weltweit die größte Kohlenstoffsenke. Die Menge des gespeicherten Kohlenstoffs variiert von Boden zu Boden und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Boden gut machen

Kohlenstoff aus Pflanzen wird in Form von Humus in Böden gebunden. Humus liefert Nährstoffe für das Bodenleben und die Pflanzen, verbessert die Bodenstruktur und schützt so vor Erosion. Auch für die Speicherung von Wasser und CO2 ist der Humusanteil entscheidend. Humusreiche Böden sind sowohl für die Bodenfruchtbarkeit als auch für den Klimaschutz von Bedeutung.

Einen wichtigen Einfluss auf den Humusvorrat hat die Art der Bodennutzung und -bearbeitung. Grundsätzlich finden sich unter Grünland und Wald höhere Humusgehalte als in Ackerböden. In letzteren begünstigen Fruchtfolgen – wie im biologischen Landbau vorgeschrieben – die Humusbildung. Zudem kann eine klimaschonende Bodenbewirtschaftung Erosion vorbeugen, z.B. durch stetige Begrünung von Ackerland oder geringe Pflugtiefen.

Dagegen geht die Umwandlung von Grünland oder Wald in Ackerflächen einher mit Treibhausgas-Emissionen. Bei Nutzungsänderungen kann der gespeicherte Kohlenstoff als CO2 wieder freigesetzt werden. Besonders wichtig ist die Erhaltung von Mooren: Sie speichern erhebliche Mengen an Kohlenstoff und sind als CO2-Senke sogar bedeutender als Wälder.

Tipp: Verzichten Sie auf torfhaltige Blumenerde. Tipps und Infos zu Torfersatzstoffen finden Sie im Beitrag „Torffrei gärtnern“.

Technisch machbar aber bodenlos

Jede Pflanze stellt bestimmte Ansprüche an Klima und Boden. Welche Pflanze angebaut wird, hängt stark davon ab, welche Feldfrüchte (weltweit) auf dem Markt nachgefragt werden. Diese sind nicht immer an die natürlichen Bedingungen vor Ort angepasst und benötigen entsprechend technische Maßnahmen wie künstliche Bewässerung, synthetische Düngemittel oder Folientunnel bzw. beheizte Gewächshäuser.

Eine intensive bzw. unangepasste Nutzung hat negative Folgen für die Böden: Versalzung, Überdüngung, Erosion, Verdichtung sowie Versiegelung durch Gebäude. In modernen Gewächshauskulturen kann wohlgeformtes Gemüse sogar das ganze Jahr über in einer künstlich geschaffenen Umgebung erzeugt werden: Kunstsubstrat ersetzt natürlichen Boden, Beleuchtung, Temperatur und Nährstoffzufuhr werden technisch gesteuert.

Der zunehmende Transport von Lebensmitteln ist mit weiterer Bodenversiegelung für Verkehrswege sowie mit aufwändigen Transport-, Verarbeitungs- und Kühlketten verbunden. Je länger der Transport, desto höher ist zudem das Risiko für Verderb.

Lebensmittel mit Bodenhaftung

Beim Umgang mit Lebensmitteln können wir zum Boden- und Klimaschutz beitragen. Die Schlagworte „bio – regional – saisonal – pflanzlich“ verdeutlichen, worauf beim Lebensmittelkauf geachtet werden sollte.

  • Bio: Durch den Verzicht auf mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pestizide in der biologischen Landbewirtschaftung, werden Böden geschont und die Artenvielfalt gefördert. Zudem sind im Öko-Anbau Fruchtfolgen vorgeschrieben, die sich wiederum günstig auf die Humusbildung auswirken. Die Bodenfruchtbarkeit wird erhalten, was Bodenlebewesen unterstützt. Auch die flächengebundene Tierhaltung wirkt sich günstig auf den Boden aus.
  • Herkunft und Saison: Werden Produkte vor Ort im Freiland angebaut, bedeutet das weniger Versiegelung für Verkehrsflächen und Gewächshäuser. Zudem haben Früchte, die im Freiland angebaut und reif geerntet werden, mehr Nährstoffe und Geschmack.
  • Pflanzlich: Im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmittel verbraucht die Herstellung tierischer Produkte wesentlich mehr Fläche und andere Ressourcen. Problematisch ist insbesondere die Massentierhaltung in immer größeren Betrieben: Die hofeigene Fläche reicht nicht aus, um Futtermittel selbst zu erzeugen und Gülle auf den eigenen Feldern auszubringen. Ein Großteil der Futtermittel für die europäische Tierhaltung wird aus Südamerika importiert: Dort werden Regenwälder gerodet, um neue Anbauflächen zu gewinnen. So gehen nicht nur wertvolle Biotope, sondern auch fruchtbarer Boden verloren. Hierzulande sind Gebiete mit intensiver Massentierhaltung zunehmend mit Überdüngung von Böden und Nitrateinträgen ins Grundwasser konfrontiert.

Die genannten Bausteine dienen zur Orientierung, sind aber nicht allgemeingültig. Es muss immer der Einzelfall betrachtet werden. Wie umweltfreundlich ist Bio-Obst und Gemüse aus wasserarmen Gebieten, verbunden mit weiten Transportwegen die aufwändig verpackt sind? Kaffee und Orangen aus Bayern? Nicht alle Lebensmittel können vor Ort oder das ganze Jahr über erzeugt werden: Hier sollte auf faire Produktion geachtet werden. Und auch bei Südfrüchten ist die Jahreszeit entscheidend.

Der Anbau im Gewächshaus ist nicht automatisch schlecht. Außerhalb der Saison ist heimische Ware aus Gewächshäusern, die nicht oder umweltfreundlich z.B. mit Geothermie beheizt werden, eine gute Alternative. Und auch bei tierischen Produkten kommt es auf die Menge und die Art der Tierhaltung an: Die extensive Weidehaltung von Schafen und Kühen beispielsweise leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der heimischen Kulturlandschaft.

Tipps zum Umgang mit Lebensmitteln im Beitrag „Lebensmittel bewusst wählen – gesund und klimafreundlich“.

Tipps zum Bodenschutz im Garten im Beitrag „Düngen und Pflanzenschutz im Garten“ 

VSB-Materialien "Boden schätzen, Boden schützen"

 

Links:

Bodenatlas 2015

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Boden

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Wir verlieren an Boden

Bundeszentrum für Ernährung: Boden. Basis unserer Landwirtschaft

Umweltbundesamt und Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung: Boden. Anpassung an den Klimawandel

Weltagrarbericht: Weltweite Bodendegradation kann aufgehalten werden

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