Umwelt

10.05.2021

Cradle to Cradle und Ökodesign im Fokus beim Möbelkauf

Angesichts des voranschreitenden Klimawandels und der wachsenden Müllberge sind nicht nur die Umweltbelastungen durch den unmittelbaren Gebrauch unserer Alltagsprodukte von Bedeutung, sondern die Umweltbelastungen, die über den gesamten Lebensweg eines Produktes hinweg entstehen. Lesen Sie hier, was es mit Begriffen „Cradle to Cradle“ sowie „Ökodesign“ auf sich hat und wie sich der Lebensweg von Alltagsprodukten – am Beispiel von Möbeln – darstellt. Verbraucher*innen finden, unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, Entscheidungshilfen für den Erwerb von Gebrauchsgegenständen.

Cradle to Cradle und Ökodesign im Fokus beim Möbelkauf
Foto: © Photographee.eu - stock.adobe.com

Cradle to Cradle (C-2-C) als Basis nachhaltigen Konsums

Das Prinzip „Cradle to Cradle“ (C-2-C) bedeutet übersetzt „Von der Wiege zur Wiege“. Die Nachhaltigkeit von Gebrauchsgegenständen wird (in Ökobilanzen) entlang ihres gesamten Lebenslaufs bewertet.  Dieser beginnt mit der Rohstoffgewinnung, läuft dann über Produktion, Verteilung und Nutzung bis hin zur Entsorgung. Cradle to cradle ergänzt die Beurteilung der Nachhaltigkeit um den Aspekt einer Wiederverwertung anstelle einer Entsorgung. Müll wird als „Rohstoff am falschen Ort“ betrachtet und soll dem Materialkreislauf wieder zugeführt werden. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen, die Umweltauswirkungen der Ressourcennutzung zu mindern, die menschliche Gesundheit zu schützen und eine nachhaltigere Rohstoff- und Energieversorgung zu erreichen. C-2-C-zertifizierte Produkte sind mit dem Logo des Cradle to Cradle e.V., einer gemeinnützigen Organisation, gekennzeichnet. Das Siegel gibt es in Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin und bedarf alle zwei Jahre einer Erneuerung.

Ökodesign – Gestaltung nachhaltiger Produkte

„Ökodesign“, „Ecodesign“ oder „sustainable Design“ umschreiben die Gestaltung nachhaltiger Produkte unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer, aber auch sozialer und kultureller Aspekte. In der Produktplanungs- und -designphase haben Produzenten die Möglichkeit, Einfluss auf den stofflichen Lebensweg zu nehmen und ökologische Innovationen voranzubringen. Verbessertes Produktdesign mindert die Umweltbelastungen.

Seitens der Politik findet diese Strategie ihren Niederschlag in der 2021 in Kraft getretenen neuen EU-Ökodesign-Richtlinie. Sie enthält Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Geräte wie Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler und Kühlgeräte, elektronische Displays und Leuchtmittel. Ziele sind eine verbesserte Energieeffizienz und die Einsparung von Ressourcen. Diesen Zielen folgen weitere Alltagsprodukte wie beispielsweise Möbel.

Wie erkenne ich nachhaltige Möbel?

Verbraucher*innen bestimmen bereits bei der Anschaffung von Möbeln und Inventar für Haus und Garten mit, wie nachhaltig sie konsumieren. Zuerst ist zu entscheiden, ob die Anschaffung neuer Ware wirklich erforderlich ist. Unter Umständen reicht eine Reparatur des bisherigen Gebrauchsgegenstands aus. Eine Alternative zur Neuanschaffung kann auch der Erwerb gebrauchter Möbel sein. Ist ein Neukauf nötig, empfiehlt sich die die Wahl von Produkten, die im Sinne des Ökodesigns hergestellt werden. Schon in der Planungs- und Gestaltungsphase sehen diese nachhaltige Materialien, Konstruktionsmechanismen und Produktionsverfahren vor.

Folgende Kriterien helfen Verbraucher*innen bei der Wahl umweltverträglicher Möbel:

  • Verwendung von Materialien mit guter Ökobilanz:
    Ideal sind Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Holz aus heimischen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Kunststoffe sollten unter Einsatz von Rezyklaten produziert werden. Stoffe sind umweltfreundlicher, wenn zum Beispiel die Baumwolle aus ökologischem Anbau stammt.  
  • Berücksichtigung von Haltbarkeit und Reparaturfreundlichkeit:
    Ein Design, das auf komplexe Bauteile verzichtet und schlichte, robuste Formen und Materialien verwendet, erhöht die Nutzungsdauer der Produkte. Ersatzteile für eventuell nötig werdende Reparaturen sollten in Standardgrößen über eine lange Zeit am Markt verfügbar bleiben. Modular aufgebaute Systeme ermöglichen bei Möbeln zudem die Anpassung der Ausstattung an sich verändernde Lebenssituationen und Bedürfnisse und verlängern dadurch die Nutzungsdauer.
  • Multifunktionalität von Möbeln:
    Gebrauchsgegenstände, deren Design eine vielfältige Verwendung ermöglicht, ersparen nicht nur zusätzliche Anschaffungen, sondern auch Platz, besonders in kleinen Wohnungen. Zum Beispiel ein Bett, das auch als Sofa benutzt wird oder über integrierte Schubladen verfügt, ein in die Schrankwand eingebauter Sekretär, die Kommode mit zum Tisch ausklappbarer Abdeckung und anderes mehr.
  • Verwendung umweltschonender Verpackungsmaterialien für den Versand:
    Verpackungen dienen dem Schutz der Ware. Nach der Prüfung, wie viel Verpackung überhaupt erforderlich ist, empfehlen sich umweltfreundliche Materialien. Karton bietet zum Beispiel den Vorteil, dass er nach kurzer Nutzungsdauer erheblich schneller verrottet als Kunststoffverpackungen. Große Möbelstücke müssen nicht in jedem Fall komplett eingepackt werden.
  • Produktion unter sozial gerechten Arbeitsbedingungen:
    Faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind Bestandteil eines nachhaltigen Produkts. Der Ausschluss von Kinderarbeit ist inbegriffen.
  • Kurze Transportwege verbessern den CO2-Fußabdruck und gewährleisten eine bessere Kontrolle der Arbeitsbedingungen. Daher sind regional hergestellte Produkte empfehlenswert.
  • Möglichkeiten des Recyclings nach Ablauf der Nutzungsdauer des Möbelstücks:
    Es ist ratsam, schon beim Kauf eines Möbelstückes an die Weitergabe, Wiederverwertung oder Entsorgung zu denken: Die verschiedenen im Produkt verwendeten Materialien sollten gut zu trennen sein, um sie dem Stoffkreislauf wieder zuzuführen. Zum Beispiel ist ein Stuhl aus einer nachhaltigen Metall-Holz-Kombination in Metall und Holz trennbar. Bei der Herstellung verwendete Lacke und Klebstoffe dürfen nicht die Wiederverwertung von Holz einschränken oder gar unmöglich machen.

Siegel erleichtern das Auffinden nachhaltiger Produkte

Einen Überblick über verwendete Gütezeichen gibt es unter https://label-online.de/.  
Der Blaue Engel kennzeichnet umweltfreundliche Produkte verschiedenster Produktgruppen. Beim Möbelkauf hilft das Goldene M (Gütezeichen für Möbel (RAL-GZ 430) der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e.V.) umweltfreundliche und emissionsarme Produkte zu erwerben. Die genannten Label schließen minderwertige oder schadstoffhaltige Materialien konsequent aus und fordern den Einsatz von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Das FSC- und das PEFC-Siegel tragen Holz- und Papierprodukte aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Das Cradle to Cradle-Siegel zeichnet Produkte aus, die nach ihrer Nutzung ganz einfach dem Stoffkreislauf wieder zugeführt werden können.

Zusätzliche Informationen sind mit Hilfe von Testberichten, Internetforen und gezielter Nachfrage beim Händler so wie beim VerbraucherService Bayern erhältlich.

Weiterführende Links:

Umweltbundesamt: Ökodesign

VerbraucherService Bayern: Neue EU-Ökodesign-Richtlinie ab 2021 

VerbraucherService Bayern: So mache ich es mir zuhause nachhaltig gemütlich 

Der Spiegel: Ecodesign: Große Wertschöpfung, minimale Umweltbelastung 

VerbraucherInitiative: Label-Online