Umwelt

07.08.2025

Den Schulbeginn nachhaltig gestalten

Ob Einschulung oder Wechsel in eine neue Jahrgangsstufe: Der Schulstart ist meist mit erheblichen Ausgaben verbunden. Doch mit bewussten Entscheidungen lässt sich nicht nur der Geldbeutel schonen, sondern auch ein wertvoller Beitrag für Umwelt und Klima leisten. Wir zeigen, wie Familien den Schulbeginn nachhaltig und kostengünstig gestalten – mit praktischen Tipps rund um Schulmaterialien, Ausstattung und gesunde Pausen.

Mädchen Schulmaterialien kaufen Nachhaltigkeit© Kzenon - stock.adobe.com
Qualität vor Quantität bei Schulmaterialien: Lieber einmal gut als mehrmals billig kaufen!

Schultasche, Turnbeutel & Co. – Auf Langlebigkeit und Materialien achten

Ein guter Schulranzen sollte robust, wasserdicht und ergonomisch geformt sein. Ein sinnvoll unterteilter Innenraum hilft, das Gewicht gleichmäßig zu verteilen und ein geringes Eigengewicht schont den Rücken des Kindes. Optisch die Schultasche am besten so wählen, dass sie dem Kind möglichst lange gefällt – das erspart frühzeitige Neuanschaffungen. Die neue Schultasche muss nicht zwingend Neuware sein. Auf dem Secondhand-Markt lassen sich hochwertige, gut erhaltene Modelle zu günstigen Preisen finden. Eine Weitergabe von ausrangierten Schultaschen innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder an den Gebrauchtwarenmarkt verlängert ihre Lebensdauer und reduziert das Müllaufkommen.

Bei der Wahl des Materials ist es sinnvoll, auf umweltfreundliche Optionen zu achten, wie z.B. den Einsatz von Recyclingmaterialien bei der Produktion. Ledertaschen sind zwar sehr langlebig, haben jedoch ein höheres Eigengewicht als Kunststofftaschen und sind in der Herstellung ressourcenintensiv. Schultaschen aus Kunststoff sind leicht und dann eine gute Wahl, wenn sie aus recyceltem Material bestehen und lange genutzt werden.

Bei Turnbeuteln lohnt sich der Blick auf nachhaltige Alternativen. Beutel aus Stoff erfüllen ihren Zweck und sind nachhaltiger als Kunststoffmodelle. Sie lassen sich aus Stoffresten leicht selbst nähen – ideal für kreative Familien.

Federmäppchen – lieber selbst befüllen

Federmäppchen sind täglich im Einsatz und sollten daher besonders robust, übersichtlich und abwaschbar sein. Modelle aus Stoff oder Filz stellen eine umweltfreundliche Alternative zu Plastikmäppchen dar. Es lohnt sich auch hier immer, auf den Einsatz recycelter Materialien bei der Herstellung und die Verarbeitung zu achten, wie z.B. auf gut funktionierende Reißverschlüsse.

Vorbefüllte Mäppchen enthalten oft Stifte und Zubehör von minderer Qualität. Wer das Mäppchen selbst befüllt, kann gezielt umweltfreundliche Produkte auswählen – so wird das Mäppchen nicht nur individuell, sondern auch nachhaltig.

Hefte, Ordner und Papier – Recycling statt Frischfaser

Bei der Anschaffung von Schulheften, Ordnern und Blöcken lohnt es sich, auf Recyclingpapier zurückzugreifen. Durch den Einsatz von Recyclingpapier entfällt die ökologisch belastende Zellstoffproduktion. So lassen sich zusätzlich zum Frischholzeinsatz bis zu 70 Prozent Wasser, 60 Prozent Energie und CO2-Emissionen einsparen. Die Papierfasern können bis zu sechs Mal wiederverwendet werden. Moderne Recyclingpapiere sind in ihrer Qualität mit Frischfaserpapier gleichwertig: Sie sind tintenfest, sauber zu bedrucken und deutlich umweltfreundlicher. Dennoch halten sich Vorurteile gegen Recyclingpapiere hartnäckig. Der Recyclinganteil liegt bei Schulheften aktuell nur noch bei fünf bis zehn Prozent – in den 1990er-Jahren waren es je nach Region noch 50 bis 70 Prozent (VZ NRW). Nicht der Herstellungsprozess, sondern eine geringe Nachfrage kann im Vergleich zu Papier aus Frischfasern zu höheren Preisen führen. Am umweltfreundlichsten ist es, den Papierverbrauch zu minimieren.

Beim Erkennen und Erwerb nachhaltiger Papierprodukte geben Siegel Orientierung. Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ kennzeichnet Papierprodukte, die zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen und ohne schädliche Chemikalien wie Chlor, halogenierte Bleichmittel oder schwerabbaubare Komplexbildner hergestellt werden. Das deutsche Umweltzeichen fördert vor allem den Einsatz von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und von emissionsarmen Holzwerkstoffen. Auch Produkte mit FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC-Siegel stammen aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Hier ist jedoch zu beachten, dass nur die Varianten mit hohem Recyclinganteil wirklich die Umwelt schonen. Wichtig ist die Abstufung bei Papierprodukten: FSC 100, FSC Mix oder FSC Recycled. Sie zeigt, wie viel Frischfaser im Produkt enthalten ist. Am umweltfreundlichsten ist immer das Produkt mit dem höchsten Recyclinganteil. Wer zusätzlich den Papierverbrauch insgesamt reduziert, leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Stifte, Schreibwaren und Farben – besser nachfüllbar und schadstofffrei

Auch bei Stiften und Zeichenmaterialien lohnt sich ein kritischer Blick. Der Einsatz von ressourcenschonenden Materialien, die Vermeidung gefährlicher Inhaltsstoffe, eine verlängerte Nutzungsdauer durch Nachfüllsysteme und eine umweltfreundliche Verpackung sind Kriterien bei der Auswahl umweltfreundlicher Schreibgeräte und Malstifte. Holzstifte ohne Lackierung sind umweltfreundlicher als ihre lackierten Pendants oder Plastikstifte, die häufig nur kurz genutzt werden. Ideal sind Produkte aus FSC-zertifiziertem Holz oder recyceltem Material. Viele Schreib- und Malgeräte gibt es als nachfüllbare Variante – etwa Textmarker, Filzstifte, Tuschkästen oder Füller. Bei Füllern mit Konverter wird der Konverter mit Tinte aus dem Glas befüllt und in den Füller eingesetzt.

Wiederbefüllbare Produkte sparen nicht nur Abfall, sondern auch Rohstoffe und Kosten auf lange Sicht. Empfehlenswert ist die Auswahl von Farben auf Wasserbasis und von lösungsmittelfreien Produkten. Radiergummis aus Naturkautschuk sind frei von PVC (Polyvinylchlorid) und gesundheitsschädlichen Weichmachern. Für Zubehör, wie beispielsweise Lineale, Spitzer oder Pinsel, gibt es nachhaltige Alternativen aus Holz und Metall, die Produkte aus Kunststoff ersetzen.

Nachhaltige Schultüte – Bastelspaß mit Sinn

Die Schultüte ist für viele Kinder ein emotionaler Höhepunkt des ersten Schultags. Wer sie selbst bastelt, kann auf Recyclingkarton, Altpapier und Stoffreste zurückgreifen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Beim Kauf einer fertigen Schultüte lohnt es sich, auf nachhaltige Materialien zu achten. Auch beim Inhalt kann auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Statt schnell entsorgter Plastikspielzeuge eignen sich hochwertige Schulmaterialien, ein schönes Malbuch oder nützliche Kleidungsstücke, gerne auch aus dem Secondhand-Handel. Gesunde Naschereien wie selbstgemachte Kekse oder Energyballs, Trockenfrüchte, Nüsse oder Produkte aus dem Bio- oder EineWeltladen sind ebenfalls eine gute Wahl. Gutscheine für gemeinsame Aktivitäten wie beispielsweise einen Besuch im Tierpark, im Theater oder im Schwimmbad machen die Schultüte persönlich und unvergesslich.

Gesundes und müllfreies Pausenbrot

Ein Pausenbrot liefert Energie für den Schulalltag – und kann gleichzeitig umweltfreundlich verpackt werden. Ideal sind Vollkornbrote mit pflanzlichen Brotaufstrichen, Käse oder magerer Wurst, ergänzt durch frisches Gemüse und Obste der Saison wie beispielsweise Karotten, Gurken und Äpfel. Weitere Informationen im VSB-Ernährungstipp: Mit der richtigen Ernährung fit durch die Schulzeit

Verpackt werden sollte das Ganze in einer wiederverwendbaren Brotdose, am besten aus Edelstahl oder langlebigem BPA-freiem Kunststoff wie beispielsweise Polypropylen. Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas mit Schutzhülle sind langlebige Alternativen zu Einwegflaschen. Einwegverpackungen hingegen erhöhen nicht nur das Müllaufkommen, sondern verbrauchen unnötig Ressourcen.

Umweltfreundlich zur Schule – Bewegung statt Emissionen

Der Schulweg bietet eine gute Möglichkeit, umweltfreundlich in den Tag zu starten. Wer zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern fördert auch die eigene Gesundheit und Selbstständigkeit. Längere Strecken lassen sich am besten mit dem Schulbus oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Für Wohnorte mit unzureichender oder gar fehlender Anbindung an den öffentlichen Personenverkehrt bieten sich Fahrgemeinschaften an. Individuelle Autofahrten zur Schule sollten möglichst vermieden werden, da sie die Umwelt am stärksten belasten. Gleichzeitig hilft Bewegung am Morgen den Kindern, sich im Unterricht besser zu konzentrieren.

Nachhaltige Entscheidungen treffen – Tipps auf einen Blick

  • Qualität vor Quantität: Lieber einmal gut als mehrmals billig kaufen.
  • Zertifizierte Produkte bevorzugen: Auf Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ und „FSC-recycled“ achten.
  • Wiederverwenden und weitergeben: Schulmaterialien weiterreichen oder gebraucht kaufen.
  • Selbst kreativ werden: Basteln, reparieren und gestalten statt wegwerfen.
  • Weniger ist mehr: Papierverbrauch minimieren, Verpackungen vermeiden
  • Bewusst konsumieren: Schulstart als Anlass für nachhaltiges Einkaufsverhalten.

Weiterführende Infos

Umweltbundesamt: Nachhaltiger Schulstart

Umweltbundesamt: Schreibgeräte und Stempel

VSB: Papierverbrauch steigt trotz Digitalisierung

NABU: Eine Welt aus Plastik – Vermeiden statt ersetzen

Label online