Umwelt

18.03.2019, Ressourcenverbrauch durch Digitalisierung

Digital entschlacken am Welt-Recycling-Tag

Die Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) durch Geräte wie Smartphone, Tablet, Laptop, Personal Computer (PC) kommt scheinbar umweltfreundlich daher und führt leicht zu der Illusion, Ressourcen zu schonen und wenig Abfall zu produzieren. Aber durch immer kürzere Gebrauchszyklen der Geräte und den wachsenden Nutzerkreis sowie wachsende Nutzungsintensität zeichnen sich zunehmend erhebliche Umweltauswirkungen ab – sowohl durch Rohstoffgewinnung und Produktion, als auch durch Abfallentstehung und -behandlung. Anlässlich des heutigen Welt-Recycling-Tages geben wir Tipps, wie Verbraucherinnen und Verbraucher Geräte der IKT nachhaltig anschaffen und nutzen.

Geräte der IKT – eine Schatzkiste verschiedenster Rohstoffe


Foto: © KPixMining - Fotolia.com

Zur Produktion der elektronischen Geräte für die IKT verwenden die Hersteller eine Vielfalt von Materialien wie Metalle und Kunststoffe. Dies erfordert den Abbau und die Erzeugung unterschiedlichster Rohstoffe – häufig unter nicht umwelt- und sozialverträglichen Bedingungen. Dazu zählen Metalle wie Tantal, Kobalt und Seltene Erden (z.B. Neodym und Dysprosium). 50 % des Tantals im Smartphone stammt aus Burundi, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Nicht nur dort erfolgt der Abbau oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Kinderarbeit ist keine Seltenheit, von den Belastungen der Umwelt durch die Abbaupraxis ganz zu schweigen. Allein die deutsche Industrie importiert metallische Rohstoffe zu fast 100 Prozent und ist international der fünftgrößte Verbraucher.

Ein Smartphone besteht zum Beispiel zu etwa 25 % aus Metallen. Unabhängig davon, ob sich der Nutzer für ein kleines oder großes IKT-Gerät entscheidet, werden durch die weiterhin wachsende Anzahl steigende Mengen an nicht erneuerbaren Rohstoffen benötigt. Da die Hersteller die Zusammensetzung der Metalle in den elektronischen Geräten nicht angeben, erschwert sich die Zuführung in Recyclingkreisläufe. Die Geologin Britta Bookhagen, Deutsche Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, wies in ihrer Studie von 2012 allein aus einem Bauteil eines Smartphones (Leiterplatte, auf der der Chip sitzt) fünfzig verschiedene Metalle und Halbmetalle nach. Dabei handelte es sich um Alkali- und Erdalkalimetalle (Lithium, Magnesium), Übergansmetalle (Tantal, Kupfer), Leichtmetall (Aluminium), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin) sowie Seltene Erden (Neodym und Dysprosium).

Der ökologische Fußabdruck – Produktion versus Nutzung

Die Produktion der IKT-Geräte benötigt neben vielen Rohstoffen auch erhebliche Mengen an Energie, die die Umwelt belasten: Beispielsweise fallen bei der Gewinnung von Kupfer Emissionen in Form von Schwefeldioxid und giftigem Schwermetallstaub an, die Luft, Wasser und Boden belasten. Für die Reinigungsverfahren des Metalls (u.a. Elektrolyse) sind große Mengen an Energie erforderlich. Der Einfluss der Produktion auf den ökologischen Fußabdruck wird oft unterschätzt: Bei der Herstellung eines Notebooks fällt mit 214 kg CO2 eine größere Menge an Kohlendioxidemissionen an als durch die Nutzung des Gerätes (138 kg CO2). Zusätzlich tragen IKT-Geräte durch steigende Nutzerzahlen und zunehmend kürzere Nutzungsdauer zu immer schneller wachsenden Müllbergen bei, Problemmüll inbegriffen. In Deutschland verzeichnete das Umweltbundesamt  2017 58,1 Millionen Smartphone-Nutzer, 2018 waren es bereits 62 Millionen und für 2023 werden 68,6 Millionen Nutzer prognostiziert.

Produktion, Nutzung und Verschleiß umweltverträglich gestalten

Der Einsatz moderner und Energie sparender Technologien schont Ressourcen und trägt zum Klimaschutz bei. Seit 2016 untersucht das EU-geförderte Forschungsprojekt STRADE, wie Abbau und Gewinnung der Rohstoffe umwelt- und sozialverträglich erfolgen können und wie es möglich ist, zugleich die Rohstoffversorgung innerhalb der EU zu sichern.

Eine Transparenz der Rohstoff-Bezugsquellen ist sowohl für Hersteller wie Endabnehmer  wünschenswert, aber aufgrund komplexer Warenströme aufwändig in der Umsetzung. Derzeit gibt es am Markt kein vollständig fair und nachhaltig produziertes IKT-Gerät. Verschiedene Initiativen wie der Verein Nager IT, Fairphone und Stannol wollen das durch ihre Angebote ändern. Die Nachhaltigkeit steigert sich auch durch verbesserte Reparaturfähigkeit sowie durch eine erhöhte Recyclingrate. So ist bei modular aufgebauten Geräten eine Reparatur durch den Austausch einzelner Teile möglich, wie z.B. bei Modellen von Fairphone.

Qualitativ hochwertiges Recycling nicht reparabler Geräte ermöglicht die Gewinnung von Sekundärrohstoffen und die Einsparung von Ressourcen. Bisher dominiert das Recycling der Massenmetalle wie z.B. Kupfer. Die Rückgewinnung von Edel- und Sondermetallen und Kunststoffen bietet Verbesserungspotenzial. Bei vielen Rohstoffen, wie z.B. den Seltenen Erden, erfolgt bis heute eine nur eingeschränkte Rückgewinnung. So liegt die Recyclingquote für diese Stoffe global unter 1%.

Eine Förderung von neuen recyclebaren Produkten am Markt führt zu mehr Nachhaltigkeit. Eine Kennzeichnung der IKT-Produkte durch geschützte Label (blauer Engel, EcoTopTen) hilft  Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich kompetent, mündig und eigenverantwortlich für ein nachhaltiges, qualitativ hochwertiges Produkt zu entscheiden.

Anschaffung eines Neugeräts

Die Ursachen für eine Anschaffung von Neugeräten sind vielfältig. Abgesehen von einer Erstausstattung stehen häufig modische Aspekte oder die Energieersparnis durch neue Geräte mit geringerem Stromverbrauch im Vordergrund. Der hohe Energiebedarf für die Neuproduktion der Geräte hebt diesen Vorteil allerdings schnell auf. Oft wird ein Neugerät auch angeschafft, da die Reparaturkosten höher sind als die Kosten für eine Neuanschaffung. In allen Fällen ist eine passende Entsorgung der Altgeräte für die Umweltverträglichkeit wichtig. Geräte, die im Restmüll landen, werden der Verbrennung zugeführt, wobei sich Giftstoffe freisetzen und wertvolle Ressourcen verloren gehen.

Tipps zur umweltverträglichen Anschaffung und Entsorgung von IKT-Geräten:

  • Weniger ist mehr – überlegen Sie, wie viele IKT-Geräte Sie tatsächlich benötigen und nutzen
  • Bei Neukauf Notwendigkeit prüfen: Grund für die Anschaffung? Vorteile? Ist eine Reparatur des alten Gerätes möglich?
  • Aus alt mach neu: Bei Anschaffung eines IKT-Gerätes prüfen, ob ein gebrauchtes Gerät denselben Zweck erfüllt.
  • Beim Kauf auf Label achten, Informationen hierzu finden Sie unter https://label-online.de/
  • Je länger Sie ein IKT-Gerät nutzen, desto nachhaltiger handeln Sie
  • Ausgemusterte Geräte Gebrauchthändlern und Reparatur-Werkstätten zuführen
  • Recycling-Kreisläufe für nicht reparable IKT-Geräte nutzen (Abgabestellen, z.B. Wertstoffhof)
  • IKT-Geräte gehören nicht in den Hausmüll
  • Ungenutzte IKT-Gerät raus aus der Schublade: Verschenken, verleihen oder an Sammelstellen abgeben

Zusammengefasst finden Sie die Tipps von unserer VSB-Umweltreferentin Marianne Wolff im Interview mit
Tele Regional Passau 1 im untenstehenden Video:


Video: © trp1.de

Quellen und weiterführende Infos:

 

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