Umwelt

17.06.2021

Digitale Nachhaltigkeit im Büro

Die Welt wird immer digitaler. Gerade im Büroalltag hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie einiges verändert. Virtuelle Teamsitzungen ersetzen die Besprechung vor Ort und das Gespräch mit dem Kollegen im Homeoffice erfährt durch Videotelefonie eine persönlichere Note. Doch die krisenbedingte Digitalisierung verbraucht enorme Datenmengen und damit weltweit Ressourcen. Sie möchten dem entgegenwirken? Schon mit einfachen Maßnahmen gelingt der Schritt zum klimafreundlicheren Arbeitsplatz.

Digitale Nachhaltigkeit im Büro
Foto: © Monet - stock.adobe.com

Krisenbedingter Anstieg der Datenmenge

2020 ermittelte der Betreiber DE-CIX des weltweit größten Internetknotenpunktes in Frankfurt am Main erstmals die summierte Datenmenge, die über seine global verteilten Internetknoten lief. Die unvorstellbare Menge von 32 Exabyte geflossener Daten im Jahr 2020 entspricht einem acht Millionen Jahre andauernden Video-Anruf. Der Datendurchsatz erreichte im März und im November 2020 einen Spitzenwert und ist durch den ersten Lockdown im Frühjahr sowie den Lockdown Light im Herbst erklärbar. Neben Streaming und Online-Gaming stiegen auch die digitalen Dienste im Büroalltag aufgrund der veränderten Verhaltensweisen enorm an. Videokonferenzen und Videotelefonie sind sehr datenintensiv. Eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums ermittelte beispielsweise einen Anstieg des Datenverkehrs von Videokonferenzen um 120 Prozent am 10. März 2020.

Diese Daten erfordern die globale Bereitstellung von Infrastruktur in Form von Rechenzentren, Übertragungswegen, Fläche etc. Außerdem benötigt der weltweite Datenverkehr sehr viel Energie für den Betrieb und die Klimatisierung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Schon 2018 betrug der Anteil der Rechenzentren am gesamten Stromverbrauch der EU 2,7 Prozent, Tendenz stark steigend (Europäische Kommission).

Im Umkehrschluss heißt das nicht, dass Firmen wieder zum alten Modell der Präsenzbesprechungen zurückkehren sollten. Videokonferenzen sparen im Vergleich zu Dienstreisen nämlich sehr viel Treibhausgase ein. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) berechnet ein bundesweites Einspar-Potenzial von drei Millionen Tonnen Treibhausgasen durch die Nutzung von Online-Diensten (Spektrum).

Kamera aus fürs Klima         

Vielen Verbraucher*innen ist nicht bewusst, dass sie beim Surfen im Internet und durch die Nutzung von Clouddiensten enorme Mengen an Ressourcen verbrauchen (Digitalisierung: immer größerer Anteil am Ressourcenverbrauch). Zwar sind die ausgestoßenen Treibhausgase bei Videokonferenzen geringer als bei Dienstreisen, aber auch online besteht die Chance, den eigenen CO2- Fußabdruck zu reduzieren.

Schon kleine Maßnahmen am digitalen Arbeitsplatz führen zu einer geringeren Datenmenge und damit zu Energieeinsparung. So berechnet eine Studie von Greenspector einen durchschnittlich dreimal so hohen Kohlendioxid-Ausstoß der beliebtesten Videokonferenz-Tools, wenn der Nutzer zum Audio auch Video hinzuschaltet.

Somit macht es Sinn, bei Online-Vorträgen oder als reiner Zuhörer eines Online-Meetings, die Kamera nicht dauerhaft zu aktivieren. Kommunizieren Sie zu Beginn einer Besprechung klar, wann das Anschalten der Kamera erwünscht ist. Auf diese Weise wird dies auch nicht als Unhöflichkeit interpretiert.

Auch die Nutzung des Telefons statt Videotelefonie spart Daten und damit Strom. Überlegen Sie, ob die Kommunikation mit den Kolleg*innen im Home-Office via Skype, Teams, Jitsi und Co. wirklich einen Mehrwert bringt, oder ob nicht ein normales Telefonat ausreicht. Auch die gute alte Telefonkonferenz ist weniger datenintensiv als die Online-Besprechung mit Videoübertragung.

Außerdem lohnt es sich, digitale Zusammenkünfte gut zu strukturieren. Je kürzer und knapper ein virtuelles Treffen gestaltet ist, desto weniger Daten fließen. Außerdem kommt dies auch der Aufnahmefähigkeit der Mitarbeiter entgegen und die häufig auftretende digitale Erschöpfung ("Zoom-Fatigue") reduziert sich.

Grüne Anbieter

Mittlerweile gibt es einige Webhosting-Anbieter, die das Thema Nachhaltigkeit als zentrales Element vermarkten. Sie stellen Speicherplatz für das Veröffentlichen von Webseiten zur Verfügung. Dazu nutzen sie beispielsweise Ökostrom und reduzieren damit den Kohlendioxidausstoß. Utopia stellt einen Ratgeber mit grünen Internetdienstleistern zur Verfügung.  Auch der Blaue Engel für Rechenzentren bietet Orientierung.

Auch für Mailingdienste gibt es ökologische Alternativen. Posteo, Mailbox.org, Biomail.de oder Mail.de stellen für wenige Euro pro Monat nachhaltige E-Mail-Dienste zur Verfügung. Dafür wird man nicht mit Werbung belastet. Neben ökologisch produzierten Strom wickeln sie beispielsweise ihre Geldgeschäfte über Ökobanken ab.

Auch Suchanfragen kosten Strom und verbrauchen Daten. Der Platzhirsch Google gibt den Strombedarf einer Suchanfrage mit 0,0003 Kilowatt an. Das klingt zunächst wenig, doch nimmt man weltweit alle Google-Anfragen einer Stunde zusammen, ist der CO2-Ausstoß vergleichbar mit dem einer Autofahrt von 12.000 Kilometern. Häufig geben Nutzer nur ein Stichwort in die Suchzeile ein, obwohl sie direkt auf eine Webseite kommen wollen. Die Zahl der Suchanfragen lässt sich einfach reduzieren, wenn Sie die Webadresse direkt eingeben. So sparen Sie den Weg über die Suchmaschine.

Nach Firmenangaben bezieht Google seinen Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Einen Schritt weiter gehen nachhaltige Suchmaschinen wie Ecosia oder Ecosearch. Sie suchen auch mit Ökostrom, unterstützen zusätzlich aber noch ökologische und soziale Projekte. So pflanzt Ecosia zusätzlich Bäume und ist damit nach eigener Aussage mehr als CO2-neutral, da die Bäume der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen. Es lohnt sich also, die Suchmaschine zu wechseln.

Mittagspause: Ruhemodus oder Stand-by?

Am wenigsten Strom braucht der PC, wenn er komplett ausgeschaltet ist - nämlich keinen. Fahren Sie Ihren Computer über Nacht oder am Wochenende also herunter. Zusätzlich bietet eine Steckerleiste mit Schalter eine einfache Möglichkeit, den Standby-Modus des Monitors abzuschalten. 

Der Energiesparmodus empfiehlt sich, wenn Sie sich nur kurz vom Arbeitsplatz entfernen. Offene Apps werden in ein "Nickerchen" versetzt und sind sofort wieder einsatzbereit. Unter Energieoptionen können Sie je nach Ihren Bedürfnissen einstellen, wann ihr Rechner auch automatisch den Bildschirm abschaltet oder in den Standby-Modus wechselt. Auf diese Weise sparen Sie auch Energie, wenn das Gespräch mit den Kolleg*innen länger dauert, als gedacht.

Für die Mittagspause und bei mehrstündiger Abwesenheit wählen Sie den Ruhezustand. Dieser benötigt weniger Energie als der Energiesparmodus. Trotzdem bleiben alle Dateien und Internetseiten geöffnet und Sie können schnell an der gleichen Stelle weiterarbeiten. Der Rechner speichert dazu alle Daten in einer ‚Ruhezustandsdatei‘ und schaltet das System danach komplett ab. Nicht alle Computer besitzen diese Funktion, bei Windows-Laptops gehört sie aber zum Standard.

Weitere Tipps für ein nachhaltigeres Büro

  • Wählen Sie Ökostrom im Unternehmen und auch zu Hause im Home-Office.
  • Achten Sie beim Neukauf von PC, Laptop, Drucker auf die Energieeffizienz der Geräte (z.B. Umweltzeichen Blauer Engel für Computer 2021).
  • Nutzen Sie Elektrogeräte möglichst lange – Rechner lassen sich häufig nachrüsten.
  • Löschen Sie alte Mails aus Ihrem Postfach – v.a. bei cloudbasierten Speichersystemen verbraucht Datenmüll unnötig Speicherplatz auf globalen Rechenzentren und damit Energie.
  • Kündigen Sie ungelesene Newsletter-Abonnements.
  • Versenden Sie lieber Links statt großer Anhänge.
  • Lassen Sie nicht nebenbei Videos laufen. Streamen verursacht den größten Teil des globalen Datenverkehrs (VSB-Umwelttipp Streaming).
  • Wenn Sie mehrere Bildschirme nutzen: schalten Sie einen ab, wenn Sie ihn gerade nicht benötigen.