Umwelt

06.06.2017

Düngen und Pflanzenschutz im Garten: Weniger ist mehr für Mensch und Natur

Der Gartenboden ist „Boden des Jahres 2017“. Über viele Generationen wird er vom Menschen geschaffen. Seine fruchtbare  Oberschicht und sein aktives Bodenleben zeichnen ihn aus. Egal, ob wir Obst und Gemüse anbauen oder einen Ziergarten anlegen: Wir beeinflussen den Boden. Durch gezieltes Düngen und naturnahen Pflanzenschutz haben wir die Gesunderhaltung des Bodens als unsere wichtige Lebensgrundlage in der Hand.

Düngen und Pflanzenschutz im Garten: Weniger ist mehr für Mensch und Natur
Foto: © juliacasado1 - pixabay.com

Düngen –  zuviel schadet den Pflanzen

Ziel des Düngens ist eine optimale Versorgung mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Mineralien. Die Devise „Viel hilft viel“ ist dabei nicht nur unwirtschaftlich, sondern ebenso schädlich für die Pflanzen wie ein Mangel an Nährstoffen. Tatsächlich leiden hiesige Hausgärten häufig unter Überdüngung. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sind rund 80 % der Gartenböden sehr hoch mit Phosphor und rund 60 % sehr hoch mit Kalium versorgt. Das beliebte „Blaukorn“ etwa ist aufgrund des Phosphoranteils gänzlich ungeeignet für die meisten Gärten. Überschüssige Nährstoffe gelangen zudem ins Grundwasser. Als Folge weisen 27 % der etwa 1000 Grundwasserkörper, dies sind entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie „Beurteilungseinheiten“ für das Grundwasser, in Deutschland zu hohe Nitratwerte aufgrund von Stickstoffüberdüngung auf.

So machen Sie es richtig:

  • Es gilt das Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Das ist wirtschaftlich, umweltschonend und garantiert optimales Pflanzenwachstum.
  • „Ergründen“ Sie den Boden: Machen Sie alle fünf Jahre eine Bodenuntersuchung um Auskunft über die Nährstoffverhältnisse und eine Düngeempfehlung zu bekommen. Die Kosten (etwa
    20 €) amortisieren sich durch eingesparten Dünger. Adressen finden Sie unter: http://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/bodenlabore_nur_adressen.pdf 
  • Nutzen Sie organischen Dünger, am besten aus dem eigenen Garten. Zum Beispiel Kompost oder Grünschnitt statt industriellen, mineralischen Düngemitteln. Das spart Kosten und Ressourcen.
  • Auch bei organischem Dünger ist das richtige Maß entscheidend. Auch hier kann es zu Überdüngung kommen. Berücksichtigen Sie dabei auch die Witterung. Passen Sie bei gekauften Produkten die Dosierung an die Versorgungsstufe Ihres Bodens an, dazu dient ein festgelegter Korrekturfaktor.
  • Mulchen liefert kostenlos Nährstoffe und schützt vor Austrocknung, Verschlämmung und Unkrautwuchs, zum Beispiel mit leicht angetrocknetem Rasenschnitt.

Pflanzenschutz – oft mehr Schaden als Nutzen

Wenn sich Nacktschnecken über die Pflänzchen hermachen oder Unkraut sich breit macht, kommt bei Hobbygärtnern schnell Missmut auf. Doch wer unbehandeltes Gemüse und Obst ernten möchte, muss auf chemischen Pflanzenschutz verzichten. Dieser ist immer nachteilig für die Umwelt, selbst wenn die Mittel für den Hausgebrauch zugelassen und sachgemäß eingesetzt werden: Beeinträchtigung von Pflanzen und Tieren, auch wichtiger Nützlinge; Anreicherung in der Nahrungskette; Belastung von Gewässern und Grundwasser sind nur einige der Folgen. Auch unsere Gesundheit ist gefährdet: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat („Roundup“) etwa wurde von der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Dennoch wurden 95 Tonnen laut Münchner Umweltinstitut im Jahr 2014 in deutschen Gärten ausgebracht. Letztlich entscheiden Sie, ob ein tadelloser englischer Rasen ein mögliches Gesundheitsrisiko aufwiegt. Die gute Nachricht: Es gibt viele wirkungsvolle Hilfsmittel für giftfreies Gärtnern.

Giftfrei gärtnern – so geht’s:

  • Wählen Sie Sorten, die resistent oder tolerant gegen typische Krankheiten sind wie zum Beispiel die Fleischtomate „Maestria“ mit hoher Toleranz gegen Fäulnis.
  • Passen Sie die Bepflanzung den Standortbedingungen an: Sonneneinstrahlung, Bodenfeuchte, Temperatur und Nährstoffangebot entscheiden, ob die Pflanzen widerstandsfähig sind.
  • Locken Sie Nützlinge an: Eine abwechslungsreiche und naturnahe Gartengestaltung ist ausschlaggebend z.B. mit Totholz, Blätterhaufen, Blüten- und Wildobsthecken, Trockenmauer oder Teich.
  • Sehen Sie Blattläuse im Frühjahr gelassen. Blattlausvertilger brauchen sie als Nahrungsquelle und Sie bekommen das Problem in wenigen Wochen in den Griff.
  • Bestimmte Nützlinge können Sie gezielt ansiedeln. Dies hat im Erwerbsgartenbau schon lange eine wichtige Bedeutung.
  • Fördern Sie die Artenvielfalt durch ungefüllte Blüten. Sie liefern mehr Nahrung für Insekten als gefüllte Blüten.
  • Setzen Sie Grenzen: Barrieren aus feinmaschigen Netzen oder Vliesen helfen gegen Insekten. Ein Schneckenzaun dient als effektives Mittel. Unterirdisch lebende Arten dämmen Sie mithilfe von Bierfallen ein.
  • Bremsen Sie die Unkrautvermehrung indem Sie Samenunkräuter durch frühzeitiges, regelmäßiges Hacken am Blühen hindern und Wurzelunkräuter durch konsequentes Jäten samt Wurzel entfernen. Tipp: zuerst gut sichtbare Wurzelunkräuter entfernen und danach das Beet gründlich durchhacken.
  • Entfernen Sie störendes Unkraut auf befestigten Flächen mit mechanischen oder thermischen Maßnahmen. Herbizide sind hier im Privatbereich verboten. Ihr Einsatz gefährdet das Grundwasser und kann mit bis zu 50.000 € Strafe teuer werden.

Im „Notfall“ chemische Pflanzenschutzmittel?

Ob Sie im „Notfall“ zu einem chemischen Pflanzenschutzmittel greifen möchten, entscheiden letztlich Sie. Wägen Sie sorgfältig Nutzen und möglichen Schaden ab.

  • Wählen Sie ein möglichst umweltverträgliches Mittel
  • Nutzen Sie nur Produkte mit Wirkstoff in Monoformulierung, der gezielt auf den Schaderreger abgestimmt ist. Mischungen sind gefährlicher für Umwelt und Gesundheit.
  • Setzen Sie ein Mittel nur für die Pflanzenkultur ein für die es zugelassen ist und gehen Sie nach Gebrauchsanweisung vor.

Nähere Auskunft erhalten Sie in den Beratungsstellen des VSB in Ansbach, Augsburg, Passau, Regensburg und Würzburg sowie unter www.verbraucherservice-bayern.de.

Infos und Links:

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