Umwelt

14.12.2023

Duftstoffe – Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit 

In der Weihnachtszeit erleben unsere Sinne eine Fülle von Düften, die bleibend mit den Feierlichkeiten verbunden sind. Der süße Hauch von Zimt und Nelken, das erfrischende Aroma von Tannennadeln und der verlockende Duft von gebrannten Mandeln füllen die Luft. Duftstoffe begegnen uns nicht nur in dieser besinnlichen Zeit, sie begleiten uns während des ganzen Jahres. Ihre Wahrnehmung geht über den bloßen Geruch hinaus, sie beeinflusst unsere Stimmung und prägt unsere Erinnerungen. Im Verkauf setzen Unternehmen gezielt auf die Macht der Düfte. Doch die scheinbar harmlosen Duftnoten sind nicht nur eine Frage des persönlichen Genusses, sondern von großer Bedeutung für die Umwelt.

Duftstoffe – Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit © puhimec - stock.adobe.com
Vor allem für Haustiere können Duftstoffe in der Wohnung problematisch sein.

Unterscheidung der Duftstoffe

Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren Duftstoffe hauptsächlich in teuren Parfümen erhältlich. Mit der Entwicklung der Synthese von Duftstoffen ist die Menge der verwendeten Stoffe deutlich angestiegen. Düfte sind heutzutage für jeden allgegenwärtig. Sie finden sich nicht nur in Parfums, sondern auch in Reinigungsmitteln, Kosmetika, Lebensmitteln und vielen anderen Alltagsprodukten. Als Duftstoffe bezeichnet man die einzelnen Bestandteile oft komplexer Gemische von Chemikalien, die zum Beispiel in natürlichen oder industriell hergestellten Parfümölen Verwendung finden. Sie gehören zu den leicht flüchtigen organischen Verbindungen (sogenannte VOCs, volatile organic compounds). Sie erfüllen keinen unmittelbaren gesundheitlichen Zweck, sondern sollen den Menschen emotional ansprechen. 

Zu unterscheiden sind natürliche, naturidentische und künstliche Duftstoffe:

  • Natürliche Duftstoffe werden aus Pflanzen, Tieren oder Mineralien durch physikalische und chemische Verfahren extrahiert, zum Beispiel Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung. Sie sind teilweise nur begrenzt verfügbar und oft teurer, wenn die Nachfrage die zur Verfügung stehenden Mengen aus natürlichen Quellen übersteigt. Die Substanzen gelten aufgrund ihres natürlichen Vorkommens als gut abbaubar. Doch bedeutet dies nicht, dass natürliche Duftstoffe automatisch unbedenklich für Mensch und Umwelt sind. So ist zum Beispiel Orangenöl schon bei Konzentrationen unter einem Milligramm pro Liter für Wasserorganismen giftig.
  • Naturidentische Duftstoffe werden künstlich hergestellt. Sie sind jedoch chemisch mit den natürlichen Duftstoffen identisch, was in der Regel die Gewinnung größerer Mengen bei guten Abbaueigenschaften zur Folge hat.
  • Künstliche Duftstoffe werden durch chemische Prozesse gewonnen. Sie kommen in der Natur nicht vor. Zur Herstellung werden unter anderem fossile Brennstoffe eingesetzt. Häufig sind synthetische Duftstoffe kostengünstiger. Ihre schlechte Abbaubarkeit ist jedoch häufig umweltbelastend und unter Umständen auch ihre Produktion.

Auswirkungen auf die Umwelt

Duftstoffe gelangen in Luft, Wasser und Boden. Selbst geringe Konzentrationen haben in bestimmten Fällen Auswirkungen auf die Umwelt. Die Wirkung von Duftstoffen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter die spezifische chemische Zusammensetzung, ihre Konzentration und Persistenz in der Umwelt, die Expositionsdauer, sowie die Art des Ökosystems und die spezifische Empfindlichkeit der darin lebenden Organismen.

In der Luft beeinflusst die Freisetzung der leichtflüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die Luftqualität. Diese reichern sich vor allem in geschlossenen Räumen an, persistente Substanzen jedoch auch im Freien, jedoch meist in geringer Konzentration. Produkte wie Lufterfrischer, Reinigungsmittel und Parfums, setzen vielfach VOCs frei.

In Seen, Flüsse und Gewässer gelangen Duftstoffe über Abwässer aus der Produktion und den Privathaushalten und verunreinigen diese. Haushalte sind unter anderem durch die Nutzung von Duschgel, Wasch- und Reinigungsmitteln und Kosmetika beteiligt. Dies ist insbesondere in aquatischen Umgebungen relevant, wo selbst niedrige Konzentrationen von bestimmten Chemikalien Fische, Amphibien und andere Wasserlebewesen beeinträchtigen können. Duftstoffe beeinflussen auf verschiedenste Weise die Artenvielfalt. 

Auch die Freisetzung von Duftstoffen in der Umwelt, sei es durch natürliche Prozesse oder menschliche Aktivitäten, beeinflusst die Artenvielfalt. Sie wirken sich auf die Interaktion zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern aus. Bestäubende Insekten wie Bienen und Schmetterlinge nutzen den Duft von Blüten, um Nahrungsquellen zu identifizieren und Pollen zu transportieren. Eine Veränderung in der Duftstoffzusammensetzung oder -verfügbarkeit beeinflusst möglicherweise zumindest lokal die Anziehungskraft für bestimmte Bestäuber. Bestimmte Düfte lösen unter Umständen Stress, Angst oder Aggression bei Tieren aus. Das ist besonders für Haustiere im Zusammenleben mit dem Menschen relevant. Manche Duftstoffe beinhalten gesundheitliche Risiken für Tiere. Letztlich ist das gesamte Ökosystem betroffen. Eine mögliche Anreicherung persistenter Duftstoffe in der Nahrungskette ist bisher noch wenig untersucht. Die Forschung lässt derzeit noch viele Fragen offen, bezüglich eines umfassenderen Verständnisses des Einflusses von Duftstoffen auf die Artenvielfalt in verschiedenen Ökosystemen.

Wirkungen auf den Menschen

Für sensible Menschen stellen Duftstoffe eine Belastung der Raumluftqualität dar. Die gleiche Konzentration eines Geruchs kann von zwei Personen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, sowohl in ihrer Intensität als auch in der Empfindung der Qualität des Dufts. Die Nase gewöhnt sich schnell an regelmäßig eingesetzte Düfte und der Geruchssinn stumpft ab. Eine Erhöhung der Konzentration wird erforderlich, um den Duft wieder wahrzunehmen. Dadurch steigt die Belastung im Raum, was Kopfschmerzen, Unwohlsein und Konzentrationsschwäche nach sich ziehen kann. Einige Duftstoffe können allergische Reaktionen auslösen, insbesondere bei Menschen, die sehr empfindlich darauf reagieren. Natürliche Duftstoffe sind im Allgemeinen nicht weniger belästigend oder weniger allergieauslösend als synthetisch hergestellte Varianten.

Gesetzliche Regelungen

In der EU unterliegen Duftstoffe den Regelungen der Chemikalienverordnung REACH. Es existieren zusätzlich EU-Vorschriften zu Einsatzverboten und zur Kennzeichnung von Duftstoffen, die in den EU-Verordnungen zur Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, zu Kosmetika und Detergenzien geregelt sind. Des Weiteren prüfen die herstellenden Unternehmen ihre Duftstoffchemikalien und Produkte auf Verträglichkeit.
Die gesetzlichen Vorschriften verlangen die Kennzeichnung von allergieauslösenden Stoffen. Neu ist die Verordnung (EU) 2023/1490 zur Änderung der EU-Kosmetikverordnung hinsichtlich der Verwendung bestimmter als karzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestufter Stoffe in kosmetischen Mitteln. Sie gilt seit dem 1. Dezember 2023.

Maßnahmen zum Minimieren unerwünschter Auswirkungen von Duftstoffen

Verbraucher*innen haben die Chance, durch ihre Kaufentscheidungen den Markt mitzugestalten. Sie können durch bewussten Konsum, durch die Auswahl umweltfreundlicher Produkte und durch die Vermeidung von übermäßigem Gebrauch von Duftstoffen einen Beitrag leisten. Dabei geben Label wie bei anderen Produktgruppen eine Orientierung. Der Blaue Engel, das BDIH-Siegel und das Natrue-Siegel sind einige Beispiele. Auch die Informationen von Stiftung Warentest und Ökotest sind häufig nützliche Hilfen.

Tipps für Verbraucher*innen

  • Weniger ist mehr: Überlegen Sie, wo Sie auf duftstoffhaltige Produkte auf keinen Fall verzichten möchten, und setzten sie diese bewusst und sparsam ein.
  • Wählen Sie Produkte mit umweltfreundlichen Gütezeichen.
  • Verzichten Sie auf den Einsatz von Raumbeduftungsmitteln. Meist hilft bereits kurzes Lüften, um schlechte Gerüche zu beseitigen.

Quellen

Duftstoffe, chemische Begleiter des Alltags

Vorkommen von Duftstoffen aus Wasch und Reinigungsmitteln in Abwasser und Oberflächengewässern

Der nachhaltige Warenkorb: Siegel