Umwelt

12.01.2026

Einkaufen, Nutzen, Entsorgen – Strategien gegen Obsoleszenz

Gründe für eine kurze Nutzungsdauer von Geräten und anderen Produkten gibt es viele. Werden sie entsorgt, belastet dies Umwelt und Haushaltskasse gleichermaßen. Oft wird vermutet, dass Hersteller ihre Waren absichtlich so gestalten, dass sie schnell kaputt gehen oder veralten. Doch Obsoleszenz, also das Veralten von Produkten, hängt nicht nur vom Hersteller, sondern auch vom Nutzer ab. Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können, lesen Sie hier.

Reparatur, Verschleiß, Akkuleistung, Batterie, Obsoleszenz kaputt© Kryuchka Yaroslav - stock.adobe.com
Durch Austauschen einer nicht festverbauten Batterie, kann die Lebensdauer eines Elektrogeräts oft deutlich verlängert werden.

Folgende Arten von Obsoleszenz werden unterschieden:

Werkstoffliche Obsoleszenz

Minderwertige Materialien können kaputt gehen oder Konstruktionsfehler zu Überhitzung führen, selbst kleine Teile können ein vorzeitiges Aus für Geräte bedeuten. Fest eingebaute Verschleißteile wie Akkus, verklebte Gehäuse oder fehlende Ersatzteile erschweren eine Reparatur oder machen sie unmöglich.

Ökonomische Obsoleszenz

Aus Kostengründen wird auf eine Instandhaltung und Instandsetzung vorhandener Geräte und Produkte verzichtet. Hohe Reparaturkosten und teure Ersatzteile auf der einen sowie niedrige Anschaffungskosten auf der anderen Seite, erscheinen häufig aus finanzieller Sicht günstiger und verleiten zum Neukauf.

Funktionale Obsoleszenz

Alte Geräte passen nicht mehr zu neuen Standards. Beispiele sind ein intaktes Ladegerät, das nicht ans neue Smartphone passt, oder ein Drucker, der nicht vom neuen PC betrieben wird. Die Verfügbarkeit von Software-Updates beeinflusst insbesondere die Gebrauchsdauer von PCs und Smartphones.

Psychologische Obsoleszenz

Das Konsumverhalten wird ständig von Modetrends und neuen Technologien beeinflusst. Das hat zur Folge, dass Produkte lange bevor sie kaputt gehen, ausgetauscht werden. Werbung und Rabatte tragen zusätzlich zum vermehrten Konsum bei.

In Testberichten und privater Nutzung wird oft festgestellt, dass unterhalb einer gewissen Preisgrenze die Qualität nachlässt und Produkte schneller verschleißen. Zu beachten ist jedoch, dass der Preis nur bedingt aussagekräftig ist: Teure Geräte sind nicht automatisch gut.

Immer mehr private Haushalte, immer mehr Gebrauchsgüter

Die Zahl der privaten Haushalte nahm laut Umweltbundesamt von 1991 bis 2023 kontinuierlich auf 41,3 Mio. Haushalte zu. Mit der Zunahme von Haushalten steigt auch bei gleichbleibendem Ausstattungsniveau der Bedarf an Gebrauchsgütern zur Haushaltsausstattung, zugleich verringern sich die zeitlichen Abstände, in denen sie ersetzt werden. Eine schnelle Abfolge aus Kaufen, Entsorgen und erneut Kaufen kostet Geld und Ressourcen und erhöht das Aufkommen von Elektroschrott und sonstigen Abfällen.

Je höher die Zahl an privaten Haushalten, desto wichtiger ist der nachhaltige Umgang mit Gebrauchsgütern. In den meisten Fällen ist das langlebigere Gerät das umweltfreundlichere (Verbraucherportal).

Vorgaben gegen schnellen Verschleiß

Gesetzliche Änderungen, die verbindliche Vorgaben zur Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Geräten vorschreiben, sollen helfen, geplanten Verschleiß zu begrenzen. So verpflichtet die Ökodesign-Verordnung seit März 2021 Hersteller dazu, für bestimmte Geräte, darunter Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kühlschränke, je nach Produktgruppe für sieben bis zehn Jahre Ersatzteile und Reparaturanleitungen vorzuhalten.

Seit Juni 2025 gelten entsprechende Vorgaben auch für Smartphones. Zudem ist beim Verkauf neuer Geräte das EU-Energielabel Pflicht. Dieses gibt neben dem Energieverbrauch auch Auskunft über Reparierbarkeit und Widerstandsfähigkeit des jeweiligen Modells. Software-Updates sind fünf Jahre ab Modellende Pflicht. Die Europäische Produktdatenbank EPREL hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern, effiziente Produkte zu finden.

Das Recht auf Reparatur regelt die EU-Richtlinie 2024/1799. Sie verpflichtet Hersteller, technisch mögliche Reparaturen anzubieten sowie Ersatzteile und Reparaturinformationen bereitzuhalten. Die Umsetzung in nationales Recht muss bis 31. Juli 2026 erfolgen.

Neben gesetzlichen Vorgaben zur Verlängerung der Produktlebensdauer spielt das Einkaufs- und Nutzungsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern eine wichtige Rolle.

Bewusst einkaufen, lange nutzen, fachgerecht entsorgen

In der modernen Konsumgesellschaft werden Haushaltsgeräte häufig schnell entsorgt und gegen neuere und vermeintlich bessere Produkte ausgetauscht. Ein Argument dabei ist die größere Energieeffizienz des Neugeräts. Eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) vom 25. April 2025 (46/2025) zu Spülmaschinen, Wäschetrocknern, Staubsaugern sowie Kühl- und Gefriergeräten zeigt nun ein deutlich differenziertes Bild. Meist ist es für den eigenen Geldbeutel und das Klima sinnvoll, ältere Haushaltsgeräte weiter zu nutzen und zu reparieren.

Da der deutsche Strommix immer klimafreundlicher wird, macht der Stromverbrauch in der Nutzungsphase der Geräte im Haushalt einen immer kleineren Teil der Treibhausgasemissionen aus und die Herstellung fällt stärker ins Gewicht als früher.

Strategien gegen Obsoleszenz:

  • Fragen Sie sich vor jedem Kauf: Brauche ich das Produkt wirklich? Wenn ja: Entspricht es meinen Bedürfnissen? Muss ich es neu kaufen?
  • Leihen, teilen, gebraucht kaufen – nutzen Sie Alternativen zum Neukauf.
  • Informieren Sie sich vorab z.B. mit Hilfe von Testberichten und Meldungen auf Internetforen.
  • Beachten Sie Gütezeichen. Der Blaue Engel beispielsweise kennzeichnet langlebige und reparaturfreundliche Produkte.
  • Achten Sie darauf, ob eine Reparatur möglich ist: Lässt sich ein Gerät öffnen? Wie lange sind Ersatzteile und Updates verfügbar?
  • Beachten Sie die Gebrauchsanleitung und bewahren Sie diese zusammen mit dem Kassenzettel auf.
  • Reklamieren Sie Mängel und signalisieren Sie dem Hersteller, dass Ihnen eine lange Lebensdauer wichtig ist.
  • Lohnt sich eine Reparatur aus finanzieller Sicht nicht, bieten vielerorts nicht-kommerziell organisierte Initiativen Hilfe an oder Reparaturanleitungen aus dem Internet befähigen zur Selbsthilfe.
  • Geben Sie nicht mehr benötigte, intakte Geräte zur weiteren Nutzung ab. Sensible Daten z.B. auf Handy oder PC sollten Sie zuvor löschen.
  • Nutzen Sie Entsorgungsmöglichkeiten an Wertstoffhöfen, beim Händler sowie spezielle Sammelaktionen.

Links:

Ausstattung privater Haushalte mit Gebrauchsgütern | Umweltbundesamt
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/haushaltsgeraete-laenger-nutzen-lohnt-sich
www.vis.bayern.de/nachhaltiger_konsum/co2_energie_sparen/oekobilanzen.htm