Umwelt

29.04.2015, Verbraucherschutz

EU-weiter Grenzwert von Chrom VI in Lederartikeln eingeführt

Schuhe, Handschuhe, Armbänder aus Leder: für ihre Herstellung ist die Gerbung mit Chrom (III) das am häufigsten eingesetzte Verfahren. Wird nicht genau nach dem Stand der Technik gearbeitet, kann sich schädliches Chrom (VI) bilden. Ein EU-weit gültiger Grenzwert sorgt künftig für einheitlichen gesundheitlichen Verbraucherschutz.

Der Grenzwert

Der Grenzwert von 3 Milligramm pro Kilogramm Leder gilt bei Ledererzeugnissen und Erzeugnissen mit Lederanteilen, sofern diese mit der Haut in Berührung kommen. Dieser Wert ist nicht medizinisch begründet, sondern gilt als technische Nachweisgrenze.

In der deutschen Bedarfsgegenständeverordnung besteht diese Regelung bereits seit Mitte 2010 und wird nun ab 1. Mai 2015 in die europäische REACH-Verordnung (EG Nr. 1907/2006) übernommen. Ein Überschreiten des Grenzwertes hat ein Verkehrsverbot für Neuwaren zur Folge. Vor diesem Termin an Endverbraucher abgegebene Ware darf als Second-Hand-Ware weiterhin gehandelt werden. 

Gefahren von Chrom (VI):

Chrom (III) und Chrom (VI) sind verschiedene Oxidationsstufen des Schwermetalls Chrom und von unterschiedlicher Wirkung. Chrom (III) gilt als gesundheitlich unbedenklich, Chrom (VI)-Verbindungen dagegen sind grundsätzlich bedenklich. Ab einer Menge von 5 Milligramm pro Kilogramm Leder können sie sensibilisierend und schließlich auch als Kontaktallergene wirken und Hautekzeme auslösen.

Auf Dauer bzw. bei höheren Konzentrationen gelten sie als giftig und krebserregend. Insbesondere bei der Herstellung in Billiglohnländern kommt es bei den Arbeitern zu schweren Lungenschäden durch das Einatmen der Dämpfe sowie zu chronischen Hautausschlägen.

Wichtige Gerbungsverfahren:

Seit etwa 100 Jahren gibt es die Chromgerbung als schnelles und kostengünstiges Verfahren. Etwa 80 bis 90 Prozent des Leders werden auf diese Weise hergestellt. Wasserverbrauch und Abfallmengen lassen sich heute technisch begrenzen. Gesundheitsschädliches Chrom (VI) kann unter unsachgemäßen Gerbbedingungen wie etwa qualitativ schlechten Gerbstoffen im Leder entstehen.

Die Zusammenhänge sind aber inzwischen erforscht und die ungünstigen Einflüsse können vermieden werden. Bei hochwertigen Lederprodukten wurden in den letzten Jahren keine Probleme mit Chrom (VI) festgestellt.  

Die Pflanzengerbung (vegetabile Gerbung, Alt- oder Lohgerbung) gibt es seit mehr als 5.000 Jahren. Als Gerbstoffe fungieren spezielle Inhaltsstoffe von Pflanzen, die Tannine. Vorwiegend werden Eichen- und Fichtenrinden eingesetzt. Der Vorgang dauert 20 bis 30 Monate, kann jedoch bei Vorgerbung mit synthetischen Gerbstoffen auf einige Tage verkürzt werden. Pflanzengegerbtes Leder wird auch als „Naturleder“ oder „Bio-Leder“ bezeichnet, dies sind allerdings keine geschützten Begriffe.

Bei der synthetischen Gerbung werden die Gerbstoffe künstlich hergestellt, diese sind beispielsweise Formaldehyd, Glutaraldehyd, Phenole und Acrylate. Diese Gerbung wird oft in Kombination mit der Chrom- oder Pflanzengerbung durchgeführt. Das Leder erhält dadurch spezielle, für verschiedene Einsatzbereiche erwünschte Eigenschaften.

Entscheidungshilfen beim Kauf von Lederwaren

Verschiedene Hersteller lassen freiwillige Kontrollen durch unabhängige Prüfinstitute durchführen und belegen dies durch entsprechende Siegel. Derzeit gibt es einige Siegel für Leder, mit unterschiedlichen Aussagen über die Lederbeschaffenheit und -herstellung. Zwei Siegel garantieren hohe Ansprüche und die Sicherheit, dass kein Chrom eingesetzt worden ist:

  • Standard Naturleder, das Siegel des Internationalen Verbandes Naturtextilwirtschaft (IVN). Die gesamte Produktionskette wird einbezogen und überprüft: der Umgang mit Ressourcen, der Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie soziale Kriterien. Eine Händlerliste und zertifizierte Produkte finden sich unter www.naturtextil.de.
  • Das ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung am Berliner Uniklinikum Charité. Damit werden allergikerfreundliche Produkte ausgezeichnet, die Kriterien dafür werden von einem wissenschaftlichen Beirat aufgestellt.  Das fertige Produkt wird geprüft, das Herstellungsverfahren nur teilweise. Eine Liste von Produkten und Anbietern gibt es unter www.ecarf.org.

Weitere Siegel für chromfreies Gerben sind Ecolabel, Blauer Engel und Textiles Vertrauen.

Echtes Leder“ bedeutet, dass der Lederanteil im Produkt mindestens 80 Prozent beträgt. Über Schadstoffe oder Herstellung wird nichts ausgesagt.

Umweltauswirkungen

Leder ist inzwischen ein Massenprodukt geworden, mit dementsprechend negativen Auswirkungen. Ausgehend von der Massentierhaltung, die die Tierhaut als Rohmaterial liefert, ist die Herstellung von Leder grundsätzlich umweltbelastend. Chrom für die Chromgerbung wird unter hohem Energieaufwand gewonnen, dazu kommen die Transportwege aus Südafrika oder Simbabwe zu den Verarbeitungsstätten.

Mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Leders wird in Ländern produziert, die nicht ausreichende Standards an Umwelt- und Arbeitsbedingungen setzen. Chromverseuchte Klärschlämme führen dort zu Ernteausfällen, und die Arbeiter erleiden durch die andauernde Aufnahme von Chrom über die Haut und Atemwege schwere gesundheitliche Schäden.

Tipps für Ihre Gesundheit und eine lange Nutzungsdauer des Leders

  • Informieren Sie sich vor dem Kauf z.B. mittels Testberichten: Heft 7/2013 Stiftung Warentest und Heft 3/2011 Ökotest
  • Produkte mit überhöhten Schadstoffgehalten sind im Rapex-System aufgelistet
  • Kaufen Sie Qualität, damit das Produkt lange hält und schön bleibt
  • Erkundigen Sie sich bereits beim Kauf nach fachgerechter Pflege
  • Preisgünstige Importware besonders kritisch betrachten
  • „Pflanzlich gegerbt“ kann auch mit Chromgerbung kombiniert sein, als Allergiker daher auf „chromfreies Leder“ (FOC = Free of Chrome) achten
  • Tragen Sie Leder nicht direkt auf der Haut: das schont Leder und Haut
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