Umwelt

12.01.2018, Geplanter Verschleiß

Französischer Verbraucherverband verklagt Epson und Apple

Druckerpatronen, die als „leer“ angezeigt werden, obwohl sie noch Tinte enthalten, oder Smartphones, die nach Updates plötzlich langsamer laufen – dahinter wird oft eine Strategie der Hersteller zur Umsatzsteigerung vermutet. Ein französischer Verbraucherverband hat im Dezember 2017 Epson und Apple wegen Täuschung und geplanter Obsoleszenz verklagt.

Französischer Verbraucherverband verklagt Epson und Apple
© Daria Filiminova - Fotolia.com

Erstmals Anzeigen wegen Täuschung und geplanter Obsoleszenz in Frankreich

Gestalten Hersteller gezielt ihre Ware so, dass sie schnell veraltet oder unbrauchbar wird, spricht man von geplantem Verschleiß oder Obsoleszenz. In Frankreich ist die gezielte Verkürzung der Lebenszeit von Produkten seit 2015 strafbar und kann mit Geld- und Haftstrafen geahndet werden.

Die französische Verbraucherschutzorganisation Halte à l’Obsolescence HOP ("Stopp der geplanten Obsoleszenz") hat deshalb Anzeige gegen Epson eingereicht. Dem Druckerhersteller wird vorgeworfen, Patronen als leer anzuzeigen, obwohl noch Tinte vorhanden sei. Dadurch würde der Druck blockiert und Patronen müssten ersetzt werden. Die Vorwürfe gegen Epson werden nun von der Staatsanwaltschaft überprüft.

Auch Apple hat der Verbraucherverband wegen Täuschung und geplanter Obsoleszenz bei älteren iPhones verklagt. So soll die Leistung einiger Modelle nach Updates verringert werden, um Verbraucher zum Kauf neuer Geräte zu bewegen.

Geplante Obsoleszenz schwer nachweisbar und vielfältig

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes ergab, dass Geräte heute früher ersetzt werden als noch im Jahr 2004. Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass Hersteller die Produktlebensdauer durch eingebaute Mängel gezielt verkürzen. Vielmehr wird ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen für die immer kürzer werdende Nutzungsdauer von Geräten verantwortlich gemacht. Als Gründe für einen vorzeitigen Austausch werden nicht nur minderwertige Materialien und Konstruktionsfehler, sondern auch fehlende Ersatzteile, teure Reparaturen und ständige Neuheiten genannt.

Entsprechend bedarf es unterschiedlicher Maßnahmen, um einer Verkürzung der Lebensdauer gegen zu steuern. Durch gesetzliche Änderungen beispielsweise können verbindliche Vorgaben zur Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Geräten vorgeschrieben werden. Reparaturen lassen sich durch Änderungen der steuerlichen Vorgaben fördern. Eine Aussagepflicht über die vom Hersteller garantierte Lebensdauer würde für mehr Transparenz bei der Kaufentscheidung sorgen.

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen spielt das Einkaufs- und Nutzungsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern eine entscheidende Rolle.

Tipps für Verbraucher

Verbraucher können selbst einiges tun, um sich vor Murks zu schützen und vorzeitiges Wegwerfen zu vermeiden. Vieles, was gekauft wird, wird nur kurz oder selten benötigt. Wer billig kauft, kauft oft doppelt. Stiftung Warentest stellt in ihren Tests fest, dass unterhalb einer gewissen Preisgrenze die Qualität meist nachlässt und Produkte schneller verschleißen.

Aufgrund von Modetrends und technischen Neuheiten werden oft auch noch funktionsfähige Produkte vorzeitig ausgetauscht. Dies hat Folgen: Denn Hersteller gestalten ihre Produkte so, dass sie so lange wie nötig aber nicht so lange wie möglich halten.

Wichtig ist deshalb, hochwertige Produkte zu wählen und diese lange zu nutzen.

  • Um Ressourcen, Geld und Platz zu sparen, sollte man sich vor jedem Kauf fragen: Brauche ich das Produkt wirklich? Wenn ja: Entspricht es meinen Bedürfnissen? Muss ich es neu kaufen?
  • Benötigen Sie Güter nur selten, ist es finanziell und ökologisch sinnvoller, diese auszuleihen oder gemeinsam zu nutzen. Günstig ist auch ein Kauf aus zweiter Hand.
  • Bevorzugen Sie hochwertige Produkte, achten Sie auf ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Extrem billige Waren gehen oft schneller kaputt oder haben schlechtere Gebrauchseigenschaften. Doch der Preis ist nur bedingt aussagekräftig: Teure Geräte sind nicht automatisch gut.
  • Informieren Sie sich vor einem Kauf z.B. mit Hilfe von Testberichten der Stiftung Warentest und Öko-Test. Meldungen in Internetforen wie „MURKS? NEIN DANKE!“ weisen auf Schwachstellen hin. Orientierung bieten empfehlenswerte Gütezeichen.
  • Achten Sie bereits beim Kauf auf Möglichkeiten der Reparatur:
    Können Verschleißteile, wie z.B. Akkus oder LEDs, ausgetauscht werden?
    Was kosten Ersatzteile? Wie lange sind sie erhältlich?
    Lässt sich ein Gerät problemlos öffnen? Gibt es Reparaturmöglichkeiten vor Ort?

  • Nutzen Sie Ihre Rechte und reklamieren Sie Mängel. So signalisieren Sie zugleich dem Hersteller, dass Ihnen eine lange Lebensdauer von Produkten wichtig ist.
  • Geben Sie nicht mehr benötigte, intakte Produkte zur weiteren Nutzung ab. Sensible Daten auf Handy oder PC sollten Sie zuvor löschen.
  • Lohnt sich eine Reparatur aus finanzieller Sicht nicht, bieten vielerorts nicht-kommerziell organisierte Initiativen wie Reparatur-Initiativen oder Repair-Cafes Hilfe.

Weitere Informationen erhalten Sie in den VSB-Umweltberatungsstellen. Hier können Sie auch Vorträge und eine Ausstellung zum Thema buchen.

 

Links:

Europäische Parlament: Maßnahmen für bessere Verbraucherprodukte

Umweltbundesamt: Reparaturen von Haushaltsgeräten sollten steuerlich absetzbar sein

Umweltbundesamt: Strategien gegen Obsoleszenz

Verbraucherinformationssystem Bayern: Obsoleszenz – Geplanter Verschleiß bei Geräten?

den ganzen Artikel zeigen