Umwelt

23.01.2014

Kunststoff in Hülle und Fülle - Abfallvermeidung beim Einkauf

Nahezu jeder Einkauf ist mit Plastikmüll verbunden. Doch der allgegenwärtige Kunststoffeinsatz hat unerwünschte Folgen. So können Sie Plastikmüll vermeiden.

Kunststoff ist leicht, durchsichtig, stabil und günstig und wird deshalb zunehmend als Verpackungsmaterial verwendet. Einer Statistik der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zufolge nutzen wir heute doppelt so viele Plastikverpackungen als vor 20 Jahren. Insgesamt fallen in Deutschland jährlich rund 2,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoff an, was etwa 33 Kilogramm pro Kopf bedeutet (Studie Umweltbundesamt).

Durch einen bewussten Einkauf und Mehrfachnutzung können wir Plastikmüll vermeiden.

Großer Aufwand, kurze Nutzung
Insbesondere Einwegverpackungen und -tüten haben eine schlechte Umweltbilanz. Denn die Herstellung von Plastik basiert überwiegend auf Erdöl und verursacht CO2-Emissionen.
  • In einer Polyethylen-Tüte stecken etwa 40 Gramm Rohöl. 260 Millionen Liter Erdöl werden demzufolge benötigt, um die Plastiktüten herzustellen, die in Deutschland durchschnittlich im Jahr verwendet werden.
  • Eine Plastikschale für ein Kilo abgepacktes Frischgemüse oder -obst verursacht etwa 26 Gramm CO2. Dünne Plastiktüten haben im Vergleich dazu geringere CO2-Emissionen.
  • Es gibt auch Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr und Maisstärke, die jedoch in der Gesamtbetrachtung keine Vorteile für die Umwelt bieten.

Ein weiterer Punkt: Kunststoffmaterialien sind sehr haltbar. Landet Plastik in der Umwelt, kann die Abbauzeit bis zu 450 Jahre betragen. Vor allem in Ozeanen, aber auch in Binnengewässern wird Plastikmüll zunehmend zum Problem.

Hinzu kommt, dass Kunststoffe bedenkliche Stoffe wie z.B. Weichmacher enthalten können. Die Chemikalien können sich dem aus Material lösen und sich im menschlichen Körper sowie in der Umwelt und in der Nahrungskette anreichern.

Insgesamt sollte Plastik bewusst eingesetzt werden.

Beispiel Tragetaschen: Mehrfachnutzung statt einmalige Verwendung
Kunststoff ist nicht automatisch schlecht, letztlich ist die Nutzungshäufigkeit für die Umweltbilanz einer Tasche entscheidend. Ob aus Kunststoff, Stoff oder Papier – wählen Sie langlebige Taschen und nutzen Sie diese möglichst häufig.
  • Die meisten handelsüblichen Plastiktüten werden aus Rohöl hergestellt und haben eine sehr kurze Gebrauchsdauer. Diese so genannten „Einweg-Tüten“ belasten die Umwelt.
  • Auch eine Tragetasche aus Papier schneidet nicht automatisch besser ab: Sie ist erst bei drei- bis viermaliger Nutzung günstiger als eine rohölbasierte Tüte. Ihre Umweltbilanz wird jedoch durch den Einsatz von Recyclingpapier und anschließendes Recycling verbessert.
  • Das Gleiche gilt für Stoffbeutel aus Baumwolle: Sie müssen zwischen 25 und 32 Mal wieder verwendet werden, um besser als herkömmliche Plastiktüten abzuschneiden. Hier ist Bio-Baumwolle umweltverträglicher als konventionelle. Stofftaschen haben den Vorteil, dass sie haltbar sind und sich für spontane Einkäufe leicht in der Handtasche verstauen lassen.
  • Mehrwegtaschen aus Kunststoff schneiden gegenüber Naturfasern günstiger ab: So ist eine Mehrwegtragetasche aus Polypropylen bereits nach drei Nutzungen umweltfreundlicher als eine Einweg-Plastiktüte. Ein weiterer Vorteil: Viele Mehrwegtragetaschen werden aus recyceltem Material, wie z.B. alten PET-Getränkeflaschen, hergestellt.
Haben Sie eine Tasche für spontane Einkäufe dabei? Praktisch ist beispielsweise eine Mehrwegtragetasche aus Polyester: Sie lässt sich auf die Größe einer Packung Taschentücher zusammenlegen, wiegt lediglich rund 30 Gramm und kann bis zu zehn Kilogramm Gewicht tragen. Verwenden Sie auch Tüten zur Verpackung von losem Obst und Gemüse mehrmals.

Verpackungsarm einkaufen
Verpackungen dienen dem Schutz bei Transport und Lagerung von Produkten. Für Supermärkte spart abgepackte Ware zudem Personal und Zeit, da das Auswiegen an der Kasse entfällt. Für Verbraucher ist es praktisch und oft auch preiswerter.

Doch müssen eine Packung Tee oder eine Zeitschrift noch zusätzlich in Plastik eingeschweißt sein? Und benötigt man für eine Packung Medizin oder zwei Äpfel eine extra Tüte? Auch stehen Verpackung und Inhalt oft nicht in einem vernünftigen Verhältnis oder täuschen mehr Inhalt vor. Vielfach wird die zunehmende Verpackungsflut auf Wünsche der Verbraucher zurückgeführt. Durch unseren Einkauf zeigen wir, welche Produkte wir wünschen.

Tipps für Ihren Einkauf
Verpackungen haben eine nützliche und notwendige Funktion. Man kann also nicht komplett auf sie verzichten, vielmehr kommt es auf einen vernünftigen Umgang an.
  • Bevorzugen Sie frische und lose Lebensmittel. Im Einkaufskorb lassen sich Obst und Gemüse auch unverpackt sicher transportieren.
  • Ziehen Sie Fleisch, Wurst und Käse von der Theke abgepackter Ware vor.
  • Für den Kauf von Brot und Brötchen können Sie waschbare Stoffbeutel verwenden. Ganz ohne Verpackung geht es, wenn Gebäck als Zwischenmahlzeit sofort verzehrt wird.
  • Kaufen Sie echte Mehrwegflaschen: Sie haben eine bessere Umweltbilanz als Einwegflaschen und Getränkedosen.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel, die in kleinen Einzelportionen verpackt sind. Sie haben einen höheren Verpackungsaufwand und sind in der Regel teurer als Produkte in größeren Verpackungseinheiten.
  • Wenn Sie Kaffeepads oder -kunststoffkapseln verwenden, bevorzugen Sie solche zum Wiederbefüllen.
  • Es muss nicht jedes Mal ein neuer Seifenspender sein. Kaufen Sie z.B. Flüssigseife in Nachfüllpackungen. Plastikschläuche sparen Ressourcen und verursachen weniger Müll. Noch günstiger ist feste Seife.
  • Beim Waschmittelkauf sind pulverförmige Konzentrate die beste Wahl. Tabs und Flüssigwaschmittel haben einen höheren Verpackungsaufwand.
  • Achten Sie darauf, ob die Verpackung im Vergleich zum Produkt überdimensioniert ist.
  • Bevorzugen Sie Kleinteile wie Schreib- und Kurzwaren ohne Umverpackung.
  • Lassen Sie unerwünschte Umverpackungen im Supermarkt zurück. So können Sie ein Zeichen setzen.
  • Trennen Sie Verpackungen zu Hause in die dafür vorgesehenen Wertstoff-Behälter für verschiedene Kunststoffe, Dosen, Glas oder Papier.

Weiterführende Informationen:

Bild der Wissenschaft: Wie viel Öl steckt in Plastiktüten?

BMU: Abfallvermeidung beginnt beim Einkauf

Deutsche Umwelthilfe: Zahlen und Fakten zu Plastiktüten

Unverhüllte Klimafreude. Je weniger Verpackung, desto besser
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