Umwelt

14.07.2022

Lebensmittelverpackungen: Ist Papier umweltfreundlicher als Plastik?

Verpackungen gehören zum täglichen Einkauf. Sie schützen nicht nur Lebensmittel vor Verderb, sie vereinfachen auch den Konsum und sparen Zeit. Beliebt sind deshalb verpackte Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Wurst und Käse, wiederverschließbare Verpackungen oder Fertiggerichte und Speisen zum Mitnehmen.

Das Aufkommen an Verpackungsmüll ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gestiegen. 2019 fielen in Deutschland 18,91 Millionen Tonnen Verpackungen an. Papier, Pappe und Karton haben mit 8,3 Millionen Tonnen den größten Anteil (UBA).

Lebensmittelverpackungen: Ist Papier umweltfreundlicher als Plastik?
Foto: © Soho A studio - stock.adobe.com

Papier hat umweltfreundliches Image

Während Plastik in die Kritik geraten ist, empfinden wir Papier und Pappe meist als umweltfreundlich. Rund 70 Prozent der Verbraucher*innen sind einer Umfrage zufolge der Meinung, dass Papier und Pappe besonders nachhaltige Verpackungsmaterialien sind, Plastik nennen nur sechs Prozent (Simon-Kucher / Statista).

Änderungen, wie das Verbot von Einwegplastik im Juli 2021 und von Plastiktüten im Januar 2022, dürften den Einsatz von Papier weiter erhöhen. Einmal genutzte Coffee-to-go-Becher & Co bestehen mittlerweile meist aus Papier, Obst und Gemüse findet sich in Supermärkten teils in Kartonschalen und auch bei abgepackter Wurst und Käse werden vereinzelt Kunststoffschalen durch beschichteten Karton ersetzt. Doch wie umweltfreundlich sind diese Verpackungen tatsächlich?

Papier ist nicht gleich Papier

Papier hat gegenüber Plastik den Vorteil, dass es verrottet und nicht über viele Jahre in der Umwelt verbleibt. Zudem wird Papier aus Holz, also einem nachwachsenden Rohstoff, hergestellt. Dennoch belasten Holzgewinnung und -weiterverarbeitung die Umwelt. Die hohe Nachfrage nach Zellstoff trägt maßgeblich zur weltweiten Waldzerstörung bei. Hinzu kommt, dass das Herauslösen der Fasern und die Gewinnung von Zellstoff ein energieaufwändiger und ressourcenintensiver Prozess ist. Da rund 80 Prozent der hierzulande verarbeiteten Primärfasern aus Importen stammen, verlagern sich die Auswirkungen der Papierproduktion ins Ausland (UBA). Eine bessere Umweltbilanz als Papier aus Frischfasern hat Recyclingpapier: Es schont die Wälder und benötigt weniger Energie und Wasser.

Frischfaser oder Recycling? Darauf gilt es bei Papierverpackungen zu achten

  • Auf Papierprodukten ist das Zeichen FSC dem Umweltbundesamt zufolge irreführend. Es kennzeichnet Papier aus Frischfasern, bei dem das verwendete Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Oft ist das weniger strenge „FSC Mix“ zu finden: Hier stammt das Holz nicht vollständig aus zertifizierter Forstwirtschaft. Sowohl „FSC Mix“ als auch „FSC Recycled“ lassen bei Papierprodukten die Verwendung von Produktionsresten (Pre-Consumer-Produkte) zu.
  • Besser ist Papier, das vollständig aus recyceltem Altpapier (Post-Consumer-Produkte) stammt. Der Blaue Engel steht für umweltfreundliches und hochwertiges Recyclingpapier.
  • Die Farbe des Papiers sagt wenig aus. Auch braunes Papier und Karton sind oft aus frischen Fasern und nicht aus Altpapier hergestellt.

Reines Papier oder beschichteter Verbund?

Verpackungen sind auf die darin abgepackten Lebensmittel zugeschnitten. Papier ist weder wasserfest noch fettabweisend. Für Getränke oder feuchte Speisen benötigt das Papier eine entsprechende Beschichtung. Das gilt für Coffee-to-go-Becher, für Fast Food zum Mitnehmen aber auch für Ofengerichte in Pappschalen, wie beispielsweise Lasagne. Die Kunststoffbeschichtung verlängert auch die Haltbarkeit von abgepackten Lebensmitteln wie Brot oder Wurst. Die Barriere-Schicht aus Kunststoff ist bedampft, geklebt oder tiefer ins Papier eingearbeitet (BR), zudem kann sie bedenkliche Stoffe enthalten. Bei fettabweisenden Lebensmittelverpackungen kommen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) zum Einsatz, die sehr langlebig sind und sich in der Umwelt und Organismen anreichern können (UBA, DUH).

Auf den ersten Blick ist häufig nicht erkennbar, ob es sich um reines Papier oder einen beschichteten Verbund handelt. Für die Entsorgung macht dies jedoch einen Unterschied: Während wir Papier korrekt über die Papiertonne entsorgen, gehören beschichtete Einwegverpackungen, wie Coffee-to-go-Becher (so genannte Serviceverpackungen) oder Getränkekartons (sog. Verbundverpackungen), in den Gelben Sack oder zum Wertstoffhof.

Tipp: Machen Sie den Reißtest: Sind nur Papierfasern und keine Folie erkennbar, gehört die Verpackung in die Papiertonne. Ist eine Folie erkennbar, die sich leicht ablösen lässt, entsorgen Sie diese über den Gelben Sack, das Papier über das Altpapier. Ein nicht trennbarer Verbund wiederum gehört in den Gelben Sack.

Welche Verpackung ist umweltfreundlich?

Die eine umweltfreundliche Verpackung gibt es nicht. Recyclinganteil, Gewicht, Nutzungshäufigkeit oder Füllgut und -menge: Gerade bei Verpackungen beeinflussen viele Faktoren die Umweltbilanz. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, welche Verpackung aus Umweltsicht empfehlenswert ist. Das ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung hat im Rahmen des Forschungsprojektes Innoredux sowie im Auftrag des NABU Verpackungsalternativen für ausgewählte Lebensmittel und Produkte verglichen. Demzufolge verursacht ein Verbundkarton bei passierten Tomaten weniger klimarelevante Emissionen als Weißblechdose und Einweg- wie Mehrweg-Glas, beim Mehrweg-Pfandglas entsteht jedoch weniger Abfall.

Recycling ist gut, vermeiden ist besser. Angaben wie „vollständig recycelbar“ erwecken den Eindruck, dass eine Verpackung umweltfreundlich ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese auch tatsächlich vollständig recycelt wird. Besser wäre ein hoher Recyclinganteil. Bei Lebensmittelverpackungen allerdings ist der Einsatz von Rezyklat, also von alten Verpackungen, beschränkt: Bei Recyclingpapier dient eine Barriere dazu, dass unerwünschte Stoffe übergehen (BMEL). Ein direkter Kontakt von Lebensmitteln zu recycelten Materialien ist derzeit lediglich bei PET- und Glasflaschen erlaubt (Verpackungsregister).

Tipps zum Umgang mit Papierverpackungen

Unser Konsumverhalten spiegelt sich im Verpackungsaufkommen wider. Wir leben in einer schnelllebigen Gesellschaft und kaufen zunehmend Produkte, die praktisch und schnell zu konsumieren sind. Einmal genutzte Verpackungen und Tragetaschen aus Papier sind nicht umweltfreundlich. Je häufiger Sie diese nutzen, desto besser. Vermeiden Sie Einweg, greifen Sie zu Mehrweg:

  • Achten Sie bei Papier auf Angaben wie den Blauen Engel.
  • Nutzen Sie für den Kauf von Brot und Semmeln Stoffbeutel statt Papiertüten.
  • Ersetzen Sie Einwegtüten für Obst und Gemüse durch leichte Mehrwegnetze.
  • Nutzen Sie eine langlebige Tragetasche statt Einwegtaschen aus Papier.
  • Verzichten Sie auf „Einweg-to-go“. Ab 2023 müssen Kioskbetreiber neben Einweg auch Mehrwegalternativen anbieten. Vielerorts werden bereits heute mitgebrachte Boxen akzeptiert oder bepfandete Mehrwegboxen angeboten.
  • Entsorgen Sie Altpapier richtig: Verschmutzte und beschichtete Papierverpackungen gehören nicht ins Altpapier. Mit Lebensmittelresten verunreinigtes Papier gehört in den Restmüll, Verbundverpackungen in den Gelben Sack.

 

Weiterführende Informationen:

BR: Echtes Recyclingproblem: Papier mit Kunststoffbarrieren https://www.br.de/nachrichten/wissen/echtes-recyclingproblem-papier-mit-kunststoffbarrieren,SYVaVTA

Umweltbundesamt: Gewusst wie – (nicht) ins Altpapier gehören https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/papier-recyclingpapier#gewusst-wie

Umweltbundesamt: Fragen und Antworten – Verpackungen und Verpackungsabfälle https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/verpackungen/fragen-antworten-verpackungen-verpackungsabfaelle

Utopia: Brottüten entsorgen: Gehören sie in die Papiertonne oder nicht? https://utopia.de/ratgeber/brottueten-entsorgen-papiertonne-oder-nicht/

Utopia: Recyclebar: Was bedeutet das eigentlich? https://utopia.de/ratgeber/recyclebar-recyclebare-verpackung-was-heisst-das/