Umwelt

08.01.2015, Internationales Jahr des Lichts 2015

Lichtverschmutzung - ein fast unbekanntes Phänomen

Seit Erfindung des elektrischen Lichts hat sie kontinuierlich abgenommen – die Dunkelheit. Wir verbinden Licht mit Sicherheit, Wohlstand und Modernität. Gerade bis Maria Lichtmess am 2. Februar erhellen unzählige Weihnachtsbeleuchtungen die Nacht und erfreuen uns mit ihrem Glanz. Doch der zunehmende Verlust der Nacht hat auch seine Schattenseiten.


Foto: © s-fsahin-pixabay.com

Lichtverschmutzung – ein fast unbekanntes Phänomen

Lichtverschmutzung oder auch Lichtsmog bezeichnet die Erhellung der Nacht durch künstliche Lichtquellen. Insbesondere die weithin leuchtenden Lichtglocken großer Städte sind den meisten Menschen ein Begriff. Sie werden hauptsächlich durch nach oben abgestrahlte und reflektierte Anteile des Lichts verursacht. So leuchtet beispielsweise eine herkömmliche Straßenlaterne nicht nur nach unten, sondern ein großer Teil des Lichts strahlt nach oben in den Nachthimmel. Zusätzlich verstärkt sich diese Wirkung durch die Streuung des Lichts an kleinen Aerosolen in der Luft, beispielsweise an kleinen Staubteilchen oder Nebeltröpfchen. Die Folge ist ein zunehmendes Verschwinden der Nacht.

Eine Stadt mit 30.000 Einwohnern hellt den Himmel in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern auf. Verursacht wird die Lichtverschmutzung insbesondere durch große Industrieanlagen, Straßenbeleuchtung, Flutlichtanlagen, Leuchtreklame oder beleuchtete Sehenswürdigkeiten. Nicht zu vergessen die ganz bewusst eingesetzten Leuchtmittel zu Werbezwecken, wie Skybeamer, deren nach oben gerichtete Lichtkegel mehrere Kilometer weit zu sehen sind. Aber auch das Fernlicht von Autoscheinwerfern benötigt, um 200-300 Meter weit auszuleuchten, einen sehr starken Lichtkegel, der auch noch einige Kilometer weiter zu sehen ist.

Künstliches Licht kann sich negativ auf Mensch, Tier und Pflanzenwelt auswirken und wird als eine Form von Umweltverschmutzung bezeichnet. Satellitenbilder der NASA zeigen belegen eindrücklich, wie wir Menschen mit künstlichen Lichtquellen die Nacht zum Tag machen. Die Lichtverschmutzung nimmt weltweit zu: Deutschland liegt mit einer jährlichen Zuwachsrate von sechs Prozent im globalen Durchschnitt.

Wechsel der Lichtintensität zwischen Tag und Nacht

Mittlerweile ist künstliche Beleuchtung eine Selbstverständlichkeit und ein Leben ohne sie nur noch schwer vorstellbar. Wir leben heute in einem ständigen Dämmerlicht. Vor der Erfindung des elektrischen Lichts waren die Menschen einem Wechsel der Lichtintensität von bis zu 200.000 Lux an sonnigen Tagen und weit weniger als einem Lux in der Nacht ausgesetzt. Der moderne Mensch verbringt jedoch viel Zeit in geschlossenen Räumen. In einem Büro herrscht eine Lichtintensität von nur 500 Lux und durch nächtliche Beleuchtung erreichen wir meist 10 Lux.

Beispiele für Beleuchtungsstärken

        Heller Sonnentag 100.000 bis 200.000 Lux
        Bedeckter Wintertag 3.500 Lux
        Bürobeleuchtung 500 Lux
        Wohnzimmerbeleuchtung 50 Lux
        Straßenbeleuchtung 10 bis 100 Lux
        Vollmondnacht weniger als 0,5 Lux
        Sternklarer Nachthimmel 0,001 Lux
        Bewölkter Nachthimmel 0,00013 Lux

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf Mensch und Tier

Seit jeher orientieren sich Flora und Fauna am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Darauf sind der Organismus, der Schlaf-Wachzyklus und das Verhalten von Mensch und Tier abgestimmt.

Sobald es dunkel wird, produziert unser Körper das Hormon Melatonin. Dieses Hormon hat die wichtige Funktion, unseren Körper in einen Ruhezustand zu versetzen. Die Körpertemperatur sinkt ab, wir werden müde, Herz und Lunge arbeiten weniger und unser Körper beginnt sich zu regenerieren. Gleichzeitig wird das Immunsystem aktiviert. Licht dagegen unterdrückt die Bildung von Melatonin.

Durch Möglichkeiten der Beleuchtung sind wir unabhängig geworden vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Wir können auch nachts arbeiten oder tagsüber unsere Räume verdunkeln. Das bleibt aber nicht ohne Folgen. Unser Organismus gerät aus dem Rhythmus. Bereits belegbare Auswirkungen sind Schlafstörungen, höhere Infektanfälligkeit, ein steigendes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und ein erhöhtes Risiko für Diabetes sowie Brust- und Prostatakrebs bei Schichtarbeitern in hellerleuchteten Gebieten.

Nachtaktive Tiere verlieren in hell erleuchteten Gebieten leicht die Orientierung und somit ihren Lebensraum. Irritiert werden auch Zugvögel, die einem Sternenkompass folgen.

Allein schon die Unzahl an Insekten, die jede Nacht an den ca. acht Millionen Straßenlaternen in Deutschland verenden, belegen eindrücklich die Folgen dieser künstlichen Lichtquellen. Diese Insekten fehlen wiederum in der Nahrungskette.

Weitere Informationen finden Sie beim Interdisziplinären Forschungsverbund Lichtverschmutzung.

Abhilfe – weniger ist mehr

Mittlerweile gibt es technische Maßnahmen, die dabei helfen, die nächtliche Beleuchtung zu reduzieren, ohne die Sicherheit zu gefährden. Ein gutes Beispiel hierfür sind ausschließlich nach unten gerichtete Straßenlaternen.

Doch auch kleine Maßnahmen jedes Einzelnen helfen, das Licht zu reduzieren. Gerade in der Weihnachtszeit erhellen noch mehr Lichtquellen die Nacht. Achten Sie beim Neukauf auf eher gelblich leuchtende Lichterketten. Denn die Produktion von Melatonin wird nur durch Licht der Wellenlängen um 460 nm, also blauem Licht, unterdrückt. Vor allem Quecksilberdampflampen und weiße LEDs strahlen blaues Licht ab. Außerdem sollte die Weihnachtsbeleuchtung nicht die ganze Nacht über angeschaltet bleiben. Gerade in der Zeit zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens wird der Lichterglanz von nur wenigen Menschen bewusst gesehen. Der Schaden überwiegt gegenüber dem weihnachtlichen Nutzen.

Tipps:

  • Schalten Sie die Weihnachtsbeleuchtung zwischen 22 und 6 Uhr einfach mal ab.
  • Verdunkeln Sie Ihre Schlafräume. Gerade bei Kindern brennt oftmals die ganze Nacht ein Nachtlicht. Meist gewöhnen sich Kinder gut daran, in dunklen Räumen zu schlafen.
  • Überlegen Sie, ob Außenbeleuchtungen ihres Hauses wirklich nötig sind

Auch die Politik ist auf das Problem aufmerksam geworden. Es gibt mittlerweile ausgewiesene Lichtschutzzonen. Vorreiter waren USA und Kanada. 2009 wurden auch in Europa erste Lichtschutzgebiete ausgewiesen. Über Sternenparks in Deutschland und weltweit informiert die Initiative gegen Lichtverschmutzung.

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