Umwelt

27.11.2013

Medikamente im Abwasser - Forderung nach richtiger Entsorgung

Wenn von Risiken und Nebenwirkungen bei Arzneimitteln die Rede ist, bezieht sich dies nur auf ihre direkte Anwendung. Doch was ist mit Arzneimittelrückständen in der Umwelt?

Inzwischen sind Arzneimittelrückstände in fast allen Fließgewässern, daneben auch in Böden und Grundwässern sowie vereinzelt in Spuren sogar in Trinkwasser nachweisbar. Für die menschliche Gesundheit sieht das Umweltbundesamt derzeit keine Gefahren durch solche geringen Arzneimittelkonzentrationen im Trinkwasser.

Aus Gründen der Vorsorge müssen jedoch Einträge von Arzneimitteln in die Umwelt so weit wie möglich reduziert werden. Dies erfordert einen verantwortungsvollen Umgang mit Arzneimitteln und die Kombination verschiedener Maßnahmen: Angefangen von der Entwicklung von Medikamenten über die Verschreibungspraxis bis hin zur Entsorgung.

Wie kommen die Medikamente in die Umwelt?
Häusliche Abwässer sind die Hauptquelle für Humanarzneimittel in der Umwelt. Ein wesentlicher Eintrag erfolgt durch menschliche Ausscheidungen. Im Vergleich dazu sind Einträge durch eine unsachgemäße Entsorgung gering. Allerdings stellen diese eine unnötige und vermeidbare Belastung dar. Eine repräsentative Untersuchung durch das Projekt start "Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser" ergab: Circa ein Siebtel der Befragten entsorgt zumindest gelegentlich übrig gebliebene Tabletten über Ausguss oder Toilette, flüssige Arzneimittel bisweilen von über der Hälfte der Befragten, 10 Prozent der Befragten sogar immer.

Lassen sich Medikamentenrückstände wieder entfernen?
Das Abwasser wird zwar in Kläranlagen gereinigt, die dreistufigen Anlagen sind jedoch nicht auf diese neuen Problemstoffe ausgerichtet. Eine vierte Reinigungsstufe auf Basis von Ozon, Aktivkohle oder mit speziellen Membranen wäre hierzu nötig und wird auch vom Umweltbundesamt empfohlen. Gesetzliche Anforderungen gibt es in Deutschland noch nicht, es existieren aber schon einige derart aufgerüstete Kläranlagen. Solche Maßnahmen sind allerdings mit einem höheren Energieaufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. Schon jetzt entfallen 20 Prozent des Energiebedarfs in deutschen Städten und Gemeinden auf Abwasserbehandlungsanlagen. Mehrkosten zwischen 15 und 20 Cent pro Kubikmeter Frischwasser werden für den zusätzlichen Aufwand veranschlagt.

Schädliche Wirkung auf Wasserlebewesen
Für einzelne Wirkstoffe sind bereits deutliche Umweltrisiken nachgewiesen: Schon durch niedrige Konzentrationen des Schmerzmittels Diclofenac werden Leber, Nieren oder Kiemen von Fischen stark geschädigt. Antibiotika gegen pathogene Bakterien wirken auch hemmend auf das Wachstum von Algen und Pflanzen. Außerdem werden in Gewässern immer wieder Keime festgestellt, die resistent gegen Antibiotika sind. In einem Experiment über sieben Jahre wurde gezeigt, dass synthetische Hormone, wie etwa der Wirkstoff EE2 der Anti-Baby-Pille, in der geringen Konzentration von 5 bis 6 Nanogramm pro Liter Wasser nachhaltig die Reproduktion von Fischen beeinflusste.

Forderungen an die Politik
Restbestände von Arzneimitteln sollen weitgehend vermieden und der Verbraucher bei der Frage der Entsorgung unterstützt werden. Daher hat der VerbraucherService Bayern bei seiner Landesdelegiertenversammlung am 7. November 2013 über einen Antrag an die Politik abgestimmt und fordert darin:
  • Einheitliche Empfehlung zur sachgerechten Entsorgung: Ein Entsorgungshinweis soll deutlich bei allen Medikamenten angegeben werden, insbesondere die Mahnung, dass die Substanzen nicht ins Abwasser gelangen dürfen.
  • Da besonders bei flüssigen Arzneimitteln die Gefahr besteht, dass sie in den Ausguss geschüttet werden, soll ein auf der Flasche aufgedrucktes Piktogramm diese Forderung zusätzlich verstärken.
  • Und schließlich sollen die Packungsgrößen bedarfsgerecht variiert werden, um das Anfallen von Restbeständen zu vermeiden.

Was können Verbraucher gegen Medikamente im Trinkwasser tun?

Es wird natürlich nicht erwartet, dass Verbraucher auf notwendige Medikamente verzichten. Nur sollte ein verantwortungsvoller Umgang damit selbstverständlich sein. In Deutschland gibt es zurzeit kein einheitliches Rücknahmesystem für Arzneimittel, um sie sachgerecht zu entsorgen. Daher ist jeder einzelne Verbraucher zu überlegtem Handeln aufgefordert.
  • Auf keinen Fall Reste von Medikamenten in Ausguss oder Toilette schütten. Eine sichere Entsorgung von Altmedikamenten ist wichtiger als das Sammeln ihrer Verpackung im gelben Sack bzw. Altglasbehälter.
  • Bis auf wenige Ausnahmen können Medikamente über den Hausmüll entsorgt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Kinder keinen Zugang dazu haben.
  • Vielerorts werden Arzneimittelreste in haushaltsüblichen Mengen auch an kommunalen Sammelstellen angenommen.
  • Zudem nehmen einige Apotheken auf freiwilliger Basis Altmedikamente zurück. Fragen Sie nach.
  • Nicht zu viel vorsorglich kaufen, wenn für eventuelle Notfälle eine kleinere Packungsgröße ausreicht.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie in unseren Beratungsstellen.
den ganzen Artikel zeigen