Umwelt

06.08.2019

Mehr bewegen mit dem Fahrrad

Die Folgen des Klimawandels werden zunehmend spürbar, es ist höchste Zeit umzudenken. Gerade im Verkehrssektor hat Deutschland Nachholbedarf. Wer im Alltag auf kurze Wege setzt und dafür umweltfreundliche Fortbewegungsmittel nutzt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Lastenräder und Elektro-Antrieb bieten neue Möglichkeiten, das Rad zu nutzen.

Fahrrad als Transportmittel: Anhänger, Lastenrad und Co

Mehr bewegen mit dem Fahrrad
Foto: © pasja1000 - Pixabay.com

Ob Freizeit-Ausflüge oder Alltagswege zur Arbeit, zum Einkauf oder Kindergarten, das Fahrrad ist äußerst vielseitig einsetzbar und auch als Transportmittel geeignet. Schon einfache Anschaffungen wie Kindersitz, Fahrradkorb und Gepäcktaschen ermöglichen Radfahrern, ein Kind unter sieben Jahren und Einkäufe zu transportieren.

Noch mehr Transportmöglichkeiten bieten spezielle Lastenräder und Anhänger. Mit ihnen nehmen die Fahrer auch sperrige Pakete, schwere Wasserkästen, zwei Kinder (unter sieben Jahren) sowie Hunde bequem mit. Da das Fahrrad im Stadtverkehr auf Entfernungen bis fünf Kilometer schneller und kostengünstiger als das Auto ist, setzen in Großstädten auch einige Lieferdienste auf dieses Transportmittel.

Im Vergleich zum eigenen Auto sind Lastenräder und Fahrradanhänger nicht nur eine umweltfreundliche sondern auch eine preiswerte Alternative. Die Anschaffung zahlt sich vor allem aus, wenn dadurch Autofahrten wegfallen oder sich ein eigener Pkw ganz erübrigt. Zudem unterstützen einzelne Kommunen und Bundesländer die Anschaffung von Lastenrädern finanziell mit Förderprogrammen. Wer nur gelegentlich ein Lastenrad benötigt, findet in einigen Städten entsprechende Verleihsysteme.

Vor dem Neukauf empfiehlt sich die Beratung in einem Fachgeschäft und das Ausprobieren verschiedener Modelle, z.B. mit zwei oder drei Rädern. Lastenräder sind rechtlich Fahrrädern gleichgestellt. Die Ladung darf den sicheren Betrieb nicht beeinträchtigen und ist immer ordnungsgemäß zu sichern.

Räder mit Elektro-Motor

Wem das Radfahren aufgrund größerer Entfernung, hügeligem Geländes oder schwerem Gepäcks zu beschwerlich ist, lässt sich von einem Elektroantrieb unterstützen.

„Elektrorad" oder „Elektrofahrrad" bezeichnen allgemein Räder mit Motorunterstützung. Aus rechtlicher Sicht ist folgende Unterscheidung wichtig:

  • Bei Pedelecs (Pedelec 25) unterstützt der Motor den Radfahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h und zwar nur, wenn dieser selbst in die Pedale tritt. Sie sind rechtlich Fahrrädern gleichgestellt, das heißt sie dürfen auf Radwegen genutzt werden, es gibt keine Altersbeschränkung und keine Versicherungspflicht.
  • Bei den schnelleren, so genannten S-Pedelecs (Pedelec 45) erfolgt die Unterstützung durch den Motor auch bei Geschwindigkeiten über 25 km/h (meist bis zu 45 km/h). Sie gelten rechtlich als Kraftfahrzeug und dürfen nicht auf Radwegen fahren. Eine Fahrerlaubnis sowie ein Versicherungskennzeichen sind deshalb erforderlich. Zudem besteht Helmpflicht.
  • E-Bikes fahren auch ohne Treteinsatz. Bei ihnen endet die Motorunterstützung bei 20, 25, zum Teil auch erst bei 45 km/h. Auch sie gelten rechtlich als Kraftfahrzeug und erfordern Versicherungskennzeichen und Fahrerlaubnis, je nach Geschwindigkeit besteht Helmpflicht.

Der Großteil der Elektroräder sind „normale“ Pedelecs. Sie erweitern die Einsatzmöglichkeiten des Fahrrads und lassen sich auch auf längeren Strecken und außerhalb von Metropolen nutzen. Das belegen „Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr“ der Studie Mobilität in Deutschland:

  • Mit Pedelecs werden vier bis acht Kilometer längere Tagesstrecken zurückgelegt als mit herkömmlichen Rädern.
  • Anders als herkömmliche Räder sind Pedelecs vor allem in Mittelstädten und kleinstädtisch dörflichen Räumen verbreitet. Auf dem Land besitzen zehn Prozent der Haushalte ein Pedelec, in urbanen Zentren nur vier Prozent.
  • Insbesondere Senioren nutzen Pedelecs. Elf Prozent der Seniorenhaushalte verfügen über ein oder sogar zwei Pedelecs.
  • Pedelecs werden deutlich öfter für Dienstwege (zwöf Prozent) eingesetzt als herkömmliche Fahrräder (fünf Prozent). In der Freizeit nutzen vor allem Menschen über 65 Jahre Pedelecs (42 Prozent).

Der Trend hin zu Elektro-Rädern birgt jedoch auch Risiken und kann zu schweren Unfällen führen, wenn andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit der E-Radler unterschätzen oder diese schneller fahren, als es ihre Fähigkeiten erlauben. Dem Statistischen Bundesamt zufolge kamen 2018 445 Radfahrer ums Leben, davon waren rund 20 Prozent mit einem Pedelec unterwegs. Nur gut fünf Prozent der insgesamt 77 Millionen Fahrräder in deutschen Haushalten sind Pedelecs (Mobilität in Deutschland).

Wer ein Pedelec nutzen möchte, sollte sich vorab informieren und mit den Eigenschaften des Elektro-Rads vertraut machen. Umfangreiche Tipps und Infos bietet die Plattform „Sicher E-Rad fahren“.

Gesund und klimafreundlich mobil: Bewegung auf kurzen Wegen

In Deutschland entfallen im Schnitt 2,18 t CO2 pro Kopf auf den Bereich Mobilität (UBA CO2-Rechner). Der sogenannte motorisierte Individualverkehr (MIV) mit Pkws, Motorrädern, Mopeds, Mofas und Nutzfahrzeugen dominiert das Mobilitätsverhalten. Die meisten Wege legen die Deutschen mit Auto & Co als Fahrer (43 Prozent) oder Mitfahrer (14 Prozent) zurück (Mobilität in Deutschland).

Etwa die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Hier lohnt es sich, auf das Fahrrad umzusteigen. Auf Kurzstrecken wird vergleichsweise viel Sprit verbraucht, zudem ist das Rad in der Stadt auf Strecken bis etwa fünf Kilometer Entfernung das schnellste Verkehrsmittel, bis zu einer Distanz von zehn Kilometern sind es E-Räder (Umweltbundesamt).

Alltagsbewegung zu Fuß oder mit dem Rad hält gesund, entspannt, ist kostengünstig und umweltfreundlich. Fußgänger und Radfahrer verbrauchen keine fossilen Brennstoffe, verursachen weder Lärm noch Abgase und benötigen wenig Fläche. Ein abgestelltes Auto benötigt etwa zwölf Quadratmeter Parkfläche und steht im Durchschnitt mehr als 23 Stunden pro Tag. Weniger motorisierter Verkehr trägt zum Klimaschutz bei und erhöht die Lebensqualität in Städten.

Umweltfreundlich mobil bedeutet, die Vorteile verschiedener Verkehrsmittel bewusst zu nutzen und diese sinnvoll zu kombinieren. Die Digitalisierung vereinfacht die Kombination verschiedener Verkehrsmittel. Apps ermöglichen, sich unterwegs über Fahrpläne zu informieren, Fahrkarten online zu kaufen oder Fahrzeuge wie Rad und Auto flexibel auszuleihen.

 

Weiterführende Links

ADAC: Verkehrsvorschriften für Fahrrad, E-Bike und Pedelec 

ADFC: Lastenräder 

ADFC: Verbraucherinformation zu Pedelecs und E-Bikes 

Stiftung Warentest: FAQ E-Bike: Ihre Fragen, unsere Antworten 

Verkehrsclub Deutschland VCD: Online-Service-Portal „Sicher E-Rad fahren“

Verkehrsclub Deutschland VCD: Fahren und Transportieren – Infos zu Lastenrädern 

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