Umwelt

16.10.2018, Wie groß ist Ihr ökologischer Fußabdruck? - Teil 3

Nachhaltige Ernährung

Die Ernährung verursacht mehr als ein Drittel (35 Prozent) unseres ökologischen Fußabdrucks. Damit macht sie in Deutschland den größten Anteil am Ressourcenverbrauch aus. Wie Sie Ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten, erfahren Sie in unserer 4-teiligen Serie.


© wojciech-gajda - iStockphotot.com

Welche Ernährungsweise ist nachhaltig und entlastet den Planeten?

Definition „Nachhaltige Ernährung“ (Welternährungsorganisation FAO 2012): „Nachhaltige Ernährungsweisen haben geringe Auswirkungen auf die Umwelt, tragen zur Lebensmittel- und Ernährungssicherung bei und ermöglichen heutigen und zukünftigen Generationen ein gesundes Leben. Sie schützen und respektieren die biologische Vielfalt und die Ökosysteme, sie sind kulturell angepasst, verfügbar, ökonomisch gerecht und bezahlbar, ernährungsphysiologisch angemessen, sicher und gesund, und verbessern gleichzeitig die natürlichen und menschlichen Lebensgrundlagen.

Im Moment herrscht in Deutschland eine Ernährungsweise vor, die durch einen hohen Verzehr von tierischen Produkten wie Fleisch, Wurstwaren und Milcherzeugnissen gekennzeichnet ist. 60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, halb so viel empfiehlt die deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Eine Umstellung auf überwiegend pflanzliche Lebensmittel kommt der Gesundheit, dem Tierwohl sowie der Umwelt zugute. Eine nachhaltige Ernährung ist nicht zu verstehen als Verzicht sondern als Bereicherung. Ob pflanzlich oder tierisch: Beim Lebensmittelkauf spielen Qualität, Herkunft und Herstellungsweise eine entscheidende Rolle.

Um den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten, sind fünf Kriterien von besonders großer Bedeutung:

  • Pflanzliche Lebensmittel bevorzugen
  • Einkauf ökologisch erzeugter Nahrungsmittel
  • Beim Einkauf auf Region und Saison achten und gegebenenfalls fair gehandelte Lebensmittel wählen
  • Wenig verarbeitete Lebensmittel bevorzugen
  • Beim Einkauf und bei der Zubereitung auf ressourcenschonendes Haushalten achten (Lebensmittel- und Verpackungsmüll reduzieren, Energie sparen, Einkaufswege optimieren)

Im VSB-Umwelttipp „Lebensmittel bewusst wählen – gesund und klimafreundlich“ finden Sie weiterführende Informationen.

Durch die Unterstützung nachhaltiger Ernährungsinitiativen engagieren sich Verbraucherinnen und Verbraucher zusätzlich für das Thema. Beispiele dafür sind Initiativen wie Urban Gardening, Foodcoops, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften oder die Höfe solidarischer Landwirtschaft.

Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Ernährung

Eine umfassende aktuelle Studie der englischen Oxford Universität (Juni 2018) untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Landwirtschaft und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Ohne Fleisch- und Milchprodukte könnten die Agrarflächen weltweit um bis zu 75 Prozent reduziert werden, dies entspräche einer Fläche so groß wie die USA, China, die EU und Australien zusammen. Untersucht wurden 40.000 Agrarbetriebe in 119 Ländern.

Der Studie zufolge hat der Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte, das heißt eine vegane Ernährungsweise, den größten Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck. Fleisch- und Milchprodukte lieferten demnach nur 18 Prozent aller Kalorien, benötigen aber für die Produktion 83 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen und erzeugen mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft. Bei der Umwandlung von pflanzlichem Futter in tierisches Protein entstehen erhebliche Verluste. Nur etwa 10 – 35 % der eingesetzten Nahrungsenergie kommen beim Menschen an.

Eine bedeutende Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks lässt sich auch durch die Halbierung des Fleisch- und Milchprodukte-Verzehrs erreichen. Der komplette Verzicht auf tierische Produkte ist nicht nötig.

Nachhaltige Ernährung am Beispiel Milch

In Deutschland gibt es gegenwärtig über 12 Millionen Rinder, fast die Hälfte davon sind ausschließlich Milchkühe. Etwa 40 Prozent der Tiere gehören zu Zweinutzungsrassen (Milch und Fleisch), nur 10 Prozent sind reine Fleischrassen.

Bei der Haltung von Tieren einer Zweinutzungsrasse verringert sich die Umweltbelastung. Aufgrund der gekoppelten Erzeugung von Milch und Fleisch werden insgesamt weniger Tiere benötigt. Es verringert sich damit sowohl der Ausstoß der Klimagase Methan und CO2 als auch der Flächenverbrauch.

Milchkühe erreichen normalerweise eine Milchleistung von 8 bis 9 Litern pro Tag und können bis zu 20 Jahre alt werden. Männliche Tiere werden bei reinen Milchnutzungsrassen geschlachtet. Heute finden sich immer mehr neue Züchtungen, so genannte Hochleistungskühe, in den Ställen. Diese geben teils über 50 Liter Milch und kommen, wenn die Milchleistung nachlässt, bereits nach vier oder fünf Jahren zur Schlachtung.

Eine hohe Milchleistung erfordert außerdem zusätzliches Kraftfutter, wobei die vorhandene Gesamtfutterfläche (Ackerfuttermittel und Grünlandaufwuchs) in Deutschland für den Tierbestand nicht ausreicht. Die Folge sind Futtermittelimporte, vor allem Soja-Kraftfutter aus Südamerika. Im Ausland beanspruchen wir damit zusätzlich Millionen Hektar Fläche an Ackerland – großflächige Waldrodungen, Klimaveränderungen und Verlust der Artenvielfalt sind die Folge.

Es geht nicht mehr um das Tierwohl. Nur jedes dritte Rind in Deutschland kommt im Sommer regelmäßig auf die Weide. Weidehaltung ist artgerecht und wirkt sich günstig auf die Zusammensetzung der Milch aus, wie z.B. den Anteil der Omega-3-Fettsäuren. Lediglich bei bio-zertifizierter Milch, welche mit 2% einen geringen Anteil der vorhandenen Milch darstellt, ist die ganzjährige Anbindehaltung im Stall verboten (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Punktuell erhöht sich der ökologische Druck auf die Landschaft, je größer der Betrieb ist. In der Gesamtbetrachtung von Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und Tiergesundheit stellen daher kleine, dezentrale Höfe mit regionaler Vermarktung den bestmöglichen Kompromiss dar.

Das Grundproblem der Landwirte ist, dass sie zu wenig Geld für den Liter Rohmilch erhalten. In Regel gibt es einen Überschuss an Milch am Markt, was die Preise in den Keller treibt. Im Moment bekommen die Bauern ca. 32 - 37 Cent (Agrar heute: Sept. 2018) pro Liter Rohmilch. Im ersten Halbjahr 2018 lagen die Bio-Milchpreise auf einem bundesweiten Durchschnitt von 48,2 Cent.

Tipps zum Konsum von Milchprodukten

Beim Kauf von Milch begleicht der einzelne Kunde nicht die wahren Kosten. Folgen wie beispielsweise Nitratbelastung von Böden und Grundwasser, Verlust der Artenvielfalt und CO2-Emissionen sind nicht im Milchpreis enthalten sondern werden von der Allgemeinheit getragen oder in andere Länder verlagert. Preise schließen oft auch eine ethische Komponente, den Tierschutz nicht mit ein.

Eine nachhaltige Produktionsweise ist in der Regel mit höheren Kosten verbunden. Hier ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen entsprechend zu ändern. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können einen Beitrag leisten, indem sie für umweltfreundliche und faire Erzeugung einen angemessenen Preis zahlen.

  • Milchprodukte ohne Zutaten bevorzugen, jede Veredelung von Milch z.B. als Sahne, Quark oder Käse erhöht zusätzlich den Ökologischen Fußabdruck
  • Verringerung des Konsums
  • Produkte bevorzugen, die aus Tierhaltung mit reinem Grünfutter/Heu stammen
  • Produkte mit garantiertem (höheren) Preis für die Landwirte kaufen
  • Auf klare nachvollziehbare Herkunft achten
  • Auf biologisch produzierte Milch und Milchprodukte zurückgreifen

Weiterführende Informationen:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Nachhaltig konsumieren - Essen und Trinken

Bundeszentrum für Ernährung: Nachhaltige Ernährung

Karl von Koerber: Fünf Dimensionen der Nachhaltigen Ernährung und weiterentwickelte Grundsätze

Broschüre „bio - regional – fair“ zur Initiative für Ernährung, soziale Entwicklung und Verantwortung in der globalisierten Welt

Utopia: Neue Studie: Fleisch und Milch haben den größten Einfluss auf den Planeten

Tanja Busse, Blessing Verlag München, 2015: Die Wegwerfkuh - Wie unsere Landwirtschaft Tiere verheizt, Bauern ruiniert, Ressourcen verschwendet und was wir dagegen tun können

Nico Paech, oekom verlag München, 2012: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

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