Umwelt
13.04.2026
Platz schaffen im Kleiderschrank: weniger Ballast, große Wirkung
Wer regelmäßig den Kleiderschrank ausmistet, behält den Überblick und vermeidet Fehlkäufe. Gerade der Saisonwechsel im Frühjahr bietet eine gute Gelegenheit, neu zu ordnen und Ungetragenes auszusortieren. Was beim Einlagern von Winterkleidung zu beachten ist und welche Optionen es für aussortierte Kleidung gibt, erfahren Sie hier.
© Mariia Korneeva - stock.adobe.comZeit einplanen und Platz schaffen
Im Laufe der Zeit füllt sich der Kleiderschrank mit Kleidungsstücken, die ungenutzt im Schubfach liegen und Platz wegnehmen. Regelmäßiges Ausmisten sorgt für einen übersichtlichen Kleiderschrank und kann befreiend wirken.
Systematisches Vorgehen spart Zeit und Nerven. Dazu gehört, neben Behältern für aussortierte Kleidungsstücke auch Putzsachen bereitzuhalten. Wichtig ist, genug Zeit einzuplanen und schrittweise vorzugehen, z.B. nach Kategorien – erst Pullover, dann T-Shirts, Hosen etc. – oder nach Aufbewahrungsorten im Schrank, d.h. erst die Schubladen, dann die Regalböden, Kleiderstange etc.
Im ersten Schritt werden alle Kleidungsstücke entnommen und auf einen Stapel gelegt. Den leeren Schrank in der Zwischenzeit saugen, auswischen und trocknen lassen. Das anschließende Sortieren erfordert Platz. Die Kleidung wird in folgende Kategorien unterteilt:
- Regelmäßig getragene Kleidung.
- Winterkleidung, die über den Sommer einzulagern ist.
- Kaputte Kleidung, bei der eine Reparatur oder Upcycling möglich ist.
- Gut erhaltene, ungetragene Kleidung zum Weitergeben.
- Kleidung zum Entsorgen.
Bei der Entscheidung, was bleiben darf oder aussortiert wird, hilft vorübergehend ein zusätzlicher Stapel für Stücke, bei denen man noch unsicher ist. Beim Durchsehen der einzelnen Kleidungsstücke helfen folgende Fragen:
- Habe ich dieses Teil im letzten Jahr getragen?
- Passt es mir noch gut, fühle ich mich darin wohl?
- Ist es noch in einem guten Zustand?
- Lässt es sich gut mit anderen Kleidungsstücken kombinieren?
- Habe ich genug andere vergleichbare Kleidungsstücke, die ich lieber trage?
Gern getragene Kleidungsstücke zusammenlegen und wieder einsortieren. Abgetragene Kleidung lässt sich für Tätigkeiten wie Putzen, Gartenarbeit oder Renovierungsarbeiten verwenden. Um den Kleiderschrank übersichtlich zu gestalten, lohnt es sich nicht unnötig „für den Fall der Fälle“ zu horten, sondern gut zu überlegen, wie viel wirklich gebraucht wird.
Winterkleidung einlagern
Dicke Strickpullover, Mützen und Winterjacken, die Verbraucherinnen und Verbraucher den Sommer über nicht benötigen, werden sauber und möglichst platzsparend verstaut. Das Pflegeetikett informiert, ob die Kleidungsstücke in der Maschine oder von Hand zu waschen oder ein Fall für die Textilreinigung sind. Der Aufbewahrungsort sollte sauber, trocken, kühl und lichtgeschützt sein. Bei feuchter Lagerung wird Kleidung schnell muffig.
Besonders wichtig ist sorgfältiges „Einmotten“ bei tierischen Fasern: Kleidermotten können Textilien aus Wolle oder Seide befallen und kleine Fraß-Löcher verursachen. Angelockt werden die Schädlinge von Verunreinigung wie Schweiß oder Hautschuppen. Um Mottenbefall zu verhindern, ist es wichtig, Wollsachen vor dem Einlagern zu waschen, trocknen zu lassen und anschließend gut zu verpacken, z.B. in Kleidersäcken oder Vakuum-Tüten (UBA). Ergänzend lassen sich zur Abschreckung Duftsäckchen mit Lavendel, Zedernholz oder ätherische Öle wie Pfefferminzöl beifügen.
Reparieren lohnt sich
Ein fehlender Knopf, eine offene Naht oder ein kleines Loch: beim Ausmisten zeigen sich auch kleine Schäden an Kleidungsstücken. Es empfiehlt sich, kaputte Kleidung zu trennen und zeitnah zu reparieren. Vieles lässt sich mit wenig Aufwand in ein paar Minuten beheben. Je nach Bedarf liefern Nähtutorials im Internet dazu nützliche Tipps und Tricks. Bei anspruchsvolleren Reparaturen sind Profis gefragt: Neben Änderungsschneidereien bieten inzwischen auch Hersteller Reparaturservices sowie Online-Anleitungen und Ersatzteile für die Reparatur in Eigenregie an. Vielerorts gibt es in Reparaturinitiativen die Möglichkeit, kaputte Textilien gemeinsam mit Ehrenamtlichen selbst wieder fit zu machen. Wer seine Nähkenntnisse verbessern möchte, findet beim VSB in der Beratungsstelle Augsburg regelmäßig Nähkurse.
Ist die Kleidung nicht mehr brauchbar, lassen sich Stoffe kreativ weiternutzen. Ideen zum Upcycling gibt es beispielsweise bei Smarticular.
Gut erhaltene Kleidung verkaufen
Hochwertige Kleidung lässt sich über Secondhand-Läden vor Ort, auf Flohmärkten oder im Internet verkaufen. Der Verkauf erfolgt meist auf Kommissionsbasis, das heißt, der vereinbarte Betrag wird erst nach erfolgtem Verkauf ausbezahlt. Es gibt aber auch Anbieter, die die Kleidung ankaufen und das Geld sofort überweisen oder einen Gutschein ausstellen.
Tipp: Informieren Sie sich vorab über den Anbieter und die Verkaufsmodalitäten. Ist eine Provision fällig, haben Sie Einfluss auf die Preisgestaltung? Mindestprovisionen und niedrige Verkaufspreise schmälern die Einnahmen. Zur Plattform Mädchenflohmarkt finden sich negative Berichte bezüglich der Preisgestaltung und Auszahlung (Trustpilot, RTL).
Der Verkauf im Internet ist über Secondhandshops wie Second Life Fashion, Momox oder Sellpy sowie über Plattformen und Apps wie vinted, Ebay oder Kleinanzeigen möglich. Während Online-Händler den gesamten Verkauf selbst abwickeln, agieren Plattformen lediglich als Vermittler, der Verkauf erfolgt in Eigenregie, das heißt Präsentation der Ware, Kontakt zu Interessenten, Verkauf und Versand sind selbst zu regeln. Secondhand-Plattformen sind teils von Betrugsmaschen betroffen, so dass hier besondere Vorsicht geboten ist (Utopia, VZ Hessen).
Second Love, Pre-owned, Re-loved: Anbieter von nachhaltiger Mode wie Armedangels oder Hess Natur, aber auch Händler wie Zalando und About You nehmen Altkleider zurück und verkaufen diese in eigenen Online-Shops. Angenommen werden Artikel der jeweiligen Marke bzw. im Shop erworbene Ware.
Modeketten wie H&M und Mango nehmen in ihren Filialen unentgeltlich Altkleider zurück. Registrierte H&M Member und Mango Likes You erhalten dafür Bonuspunkte und Rabatt beim nächsten Einkauf. Diese Form der Altkleidersammlung regt zum Kauf weiterer Kleidung an und ist deshalb kritisch zu sehen.
Saubere, tragfähige Kleidung tauschen und verschenken
Im Kommen sind Tauschbörsen, bei denen Kleidung kostenlos mit anderen getauscht wird. Vereine, Unternehmen und Schulen, aber auch Privatpersonen können Tauschaktionen organisieren. Mit vergleichsweise wenig Aufwand ist dies im Freundes- oder Bekanntenkreis möglich.
Vielerorts führen Wohlfahrtsverbände, z.B. Caritas oder DRK, Kleiderkammern für Bedürftige. Da diese oft wenig Lagerraum haben, werden meist nur bestimmte, auf der Bedarfsliste aufgeführte Produkte angenommen. Kleiderspenden sind auch an gemeinnützige Einrichtungen und Sozialkaufhäuser möglich. Oxfam nimmt gut erhaltene Gegenstände an und verkauft diese in ehrenamtlich geführten Läden.
Die klassische Altkleidersammlung wird in Deutschland von gemeinnützigen, kommunalen und gewerblichen Sammlern durchgeführt. Die jeweiligen Träger sammeln nach eigenen Vorgaben und können festlegen, welche Textilien sie annehmen. Die Kleidung muss sauber und zum Schutz vor Nässe und Verschmutzung in Tüten verpackt sein, Schuhe sind zudem paarweise bündeln. Wichtig: Nicht in die Kleidersammlung gehören nasse, verschmutzte oder beschädigte Textilen, stark abgetragene Schuhe, Einzelschuhe, Gummistiefel, Skischuhe sowie textilfremde Stoffe.
Tipp: Infomieren Sie sich, wer hinter der Sammlung steht und was mit der Altkleiderspende passiert. Orientierung bieten die Zeichen von Fairwertung und BVSE. Deutschlandweite Sammelstellen finden Sie hier.
Abgenutzte Kleidung richtig entsorgen
Seit Januar 2025 ist in allen EU-Mitgliedsstaaten die getrennte Sammlung von Textilien verpflichtend. Allerdings eignet sich stark beschädigte oder verschmutzte Kleidung nicht fürs Recycling und gehört nach wie vor in den Restmüll. Das gilt insbesondere für Mischgewebe mit einem hohen Synthetikanteil: Mischfasern lassen sich gar nicht oder nur sehr aufwändig voneinander trennen und sind somit nicht fürs Recycling geeignet (Tagesschau).
Dagegen lassen sich beschädigte, aber saubere Textilien aus Baumwolle stofflich verwerten und sollten deshalb der Wiederverwertung zugeführt werden. Wichtig: Nicht jede Altkleidersammlung nimmt defekte Textilien fürs Recycling. Informationen zu Entsorgungsmöglichkeiten vor Ort gibt es bei der kommunalen Abfallberatung sowie bei den jeweiligen Altkleidersammelstellen.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von Recycling-Versprechen blenden. Nicht alle Textilien sind recyclebar. Wir empfehlen, schon beim Einkauf auf die Faserzusammensetzung zu achten und Textilien aus Mischgewebe zu meiden.
VSB Video-Reihe "Mit Rückenwind gegen CO2"
Unser Videoclip „Von schneller Moder zu nachhaltigen Partys“ https://www.youtube.com/watch?v=iMviIlBdZxM zeigt, wie viel Spaß nachhaltige Alternativen machen – und wie einfach es sein kann, den eigenen Konsum zu reduzieren und CO₂ zu sparen.
Weiterführende Links
Bayern 1: Wie kann man mit alter Kleidung Geld verdienen?
Bundesumweltministerium: FAQ "Getrennte Sammlung von Textilabfällen"
Greenpeace: Was passiert mit Altkleidern aus dem Container?
SWR: Aus Alt mach Neu: Baumwollgarn aus ausgemusterten Bettlaken?
SWR team.recherche: Inside Secondhand – wo deine Kleider wirklich landen
Tagesschau: Droht Altkleidercontainern das Aus?
Utopia: Gebrauchte Kleidung verkaufen: 4 Tipps, wo das am besten geht
