Umwelt

09.03.2018, Aktuelle Entwicklungen und Initiativen

Problem Plastikmüll

Wir Deutschen haben etwas gegen Plastikmüll. Eine aktuelle repräsentative Umfrage von der PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zeigt, dass 94 Prozent der Verbraucher die Verpackungsmenge gerne auf ein Minimum reduzieren möchten (PwC). Plastik hat keinen guten Ruf. Die steigende Medienpräsenz in punkto Müllproblematik schärft zusätzlich das Bewusstsein.


Foto: © Hans - pixabay.com

Haben wir in Deutschland ein Müllproblem?

Die Frage, ob wir in Deutschland ein Müllproblem haben, hat sich in den letzten Jahren verschärft. Die Wegwerfmentalität zeigt sich nicht nur im Einsatz von Plastiktüten – auch die wachsenden Müllberge von Coffee-to-go-Bechern in deutschen Städten machten Schlagzeilen. Insgesamt hat die Müllmenge durch Plastikverpackungen von 2005 bis 2015 EU-weit um 12 Prozent zugenommen. In Deutschland liegt der Zuwachs sogar bei 29 Prozent (Institut der deutschen Wirtschaft).

Aber nicht nur Produktion und Nutzung von Plastik haben immense Ausmaße erreicht. Auch die Entsorgung des Plastikmülls gestaltet sich zunehmend schwierig. Die Müllentsorgung nach China schien bisher vordergründig „geregelt“. Seit Januar nimmt China aber so gut wie keinen Kunststoffmüll mehr an. Der seit Jahresbeginn geltende Einfuhrstopp Chinas auf EU-Plastikmüll verschärft die Problematik. In Deutschland fehlen effiziente Recyclinganlagen (Tagesschau).

Auch der geplante Verschleiß trägt entscheidend dazu bei, die Müllberge zu vergrößern. Laut der Obsoleszenz-Studie des Umweltbundesamtes von 2015 werden Geräte, zum großen Teil aus Plastik, heute schneller ausgetauscht als noch vor 10 Jahren (UBA). Kunststoffe wandern daher durch geplante Obsoleszenz schneller in den Müll.

Positive Entwicklungen der letzten Jahre

Geplanter Verschleiß
Das Bewusstsein für geplanten Verschleiß ist in den letzten Jahren gewachsen. Frankreich regelte Obsoleszenz 2015 erstmalig in der EU gesetzlich. Auf Grundlage dieses Gesetzes wurden dort kürzlich zwei internationale Unternehmen auf Verbrauchertäuschung und geplante Obsoleszenz verklagt.

Mikroplastik
Die von der Bundesregierung im Jahr 2014 initiierte Selbstverpflichtung der Industrie, Mikroplastik aus ihren Produkten zu verbannen, zeigt in bestimmten Bereichen Wirkung. In Zahnpasta und vielen Duschpeelings ist kein Mikroplastik mehr zu finden. Das Umweltbundesamt empfahl der EU-Kommission im Dezember 2017 ein Verbot für Mikroplastik. Hintergrund: Viele Produkte enthalten nach wie vor kleine Plastikteilchen.

Eine positive Entwicklung ist auch auf technischer Seite spürbar. Im bayerischen Weißenhorn eröffnete im Oktober 2017 beispielsweise eine Kläranlage, die in einer 4. Reinigungsstufe sowohl Medikamentenrückstände als auch Mikroplastik herausfiltert. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet und ist wegweisend für andere Kläranlagen (BR).

Politische Tendenzen und Verbraucherinitiativen
Das Problem Kunststoffmüll ist auf politischer Ebene erkannt. In Deutschland sorgte 2016 die Vereinbarung zwischen dem Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Bundesumweltministerium für eine drastische Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs. Die eingeführte Bezahlpflicht reduzierte die Tütenmenge innerhalb eines Jahres um ein Drittel von 68 (2015) auf 45 Tüten pro Kopf im Jahr 2016 (HDE).

Europaweit machte die im Januar 2018 von der EU-Kommission veröffentlichte „Plastikstrategie“ Schlagzeilen. Demnach sollen 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig und Einwegkunststoffe reduziert sein (EU).

Auch im täglichen Leben lassen sich Tendenzen zur Müllreduktion feststellen. In Deutschland gibt es bereits rund 80 verpackungsfreie Läden. Initiativen wie Recup (Mehrwegsysteme bei Coffee-to-go-Bechern) oder Refill (Auffüllen mitgebrachter Wasserflaschen) zeigen ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung.

Engagement des VerbraucherService Bayern gegen Plastikmüll

Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für einen bewussten Umgang mit Kunststoffen macht sich der VSB seit mehreren Jahren zum Thema. Im Jahr 2014 stand das Thema „Kunststoffe“ unter dem Titel „Plastik – Segen oder Fluch?“ als Jahresthema des VSB-Umweltteams im Fokus. Neben der Veranstaltungsreihe zum Thema „Plastikmüll vermeiden“ organisierte der VSB die Unterschriftenaktion „Kein Mikroplastik in Alltagsprodukten“. Der Verbraucherschutzverband sammelte über 46.000 Unterschriften, welche an die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf übergeben wurden. Große Resonanz fand auch die vom VSB ins Leben gerufene Initiative „7 Wochen Plastikfasten“.

2016 feierte der VSB unter dem Motto „Gemeinsam gegen Plastik“ sein 60. Jubiläum. Neben zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen veranstaltete der Verband auch einen Mitmachwettbewerb. Gesucht wurde die beste Idee, Plastik zu vermeiden.

Ganz aktuell engagiert sich der VSB auch im Bereich Plastikmüll. Um das Problem wirksam zu bekämpfen, muss zum einen der Eintrag in die Umwelt reduziert, zum anderen bereits vorhandener Plastikmüll beseitigt werden. Der VSB fordert entsprechende Maßnahmen durch eine gesetzlich verankerte Abgabe auf Kunststoffprodukte zu finanzieren. Bis zum Tag der Umwelt am 05. Juni 2018 kann jeder auf der Campact-Plasttform "WeAct" seine Unterschrift abgeben.

Zudem initiiert der Verbraucherverband Plastikfasten-Aktionen, um auf den massenhaften Einsatz von Kunststoffen hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen. Nähere Auskunft gibt es in den VSB Beratungsstellen sowie unter www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/plastikfasten.

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