Umwelt

19.04.2016, Ergebnisse der VSB Umfrage bei Schuhmachern

Qualität und Reparatur von Schuhen

Kaputt, veraltet, unmodern – die Umweltreferentinnen des VSB beschäftigten sich im Jahr 2015 mit Produkten, die bereits nach kurzer Nutzung entsorgt werden. Im Rahmen dessen wurden Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Schuhmacher zu ihren Erfahrungen mit Schuhen befragt.

Qualität und Reparatur von Schuhen
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An der Verbraucherumfrage nahmen insgesamt 1240 Personen teil. Die Ergebnisse dazu wurden am 16.02.2016 veröffentlicht und sind hier zu finden.

Während bei der Verbraucherbefragung persönliche Eindrücke im Vordergrund standen, sollte die Befragung von Schuhmachern den fachlichen Hintergrund von Verschleiß bei Schuhen beleuchten.

Unterstützt wurde unsere Umfrage vom LandesInnungsVerband Bayern des SchuhmacherHandwerks. Unsere Fragen wurden im Oktober 2015 an Innungsmitglieder weitergeleitet und bis Ende November 2015 von 23 Schuhmachern beantwortet.

Fragen und Zusammenfassung der Antworten der Schuhmacher:

Frage 1:
Haben Sie den Eindruck, dass ich in den letzten Jahren die Qualität von Schuhen verändert hat?

Die große Mehrheit (ca. 80 %) der befragten Schuhmacher sagt dazu ja, und zwar zum Schlechteren. Zum einen hat sich das verwendete Material verschlechtert und zum anderen die Qualität der Verarbeitung. Bei den weiteren Antworten ging die Meinung der Fachleute in die Richtung „Gute und schlechte Qualität gab es schon immer“.

Frage 2:
Welches sind die häufigsten Ursachen für eine Reparatur?

Der häufigste Grund (ca. 70 %), warum Schuhe zur Reparatur gebracht werden ist der minderen Qualität des Materials geschuldet. Absätze, Sohlen, Fersenfutter müssen häufig ersetzt bzw. geklebt werden. Weniger häufig werden Näharbeiten als Ursache für eine Reparatur genannt.

Frage 3:
Aus welchen Gründen können Schuhe nicht repariert werden?

Zwei Argumente werden fast gleich häufig genannt: die fehlende Eignung des Materials zur Reparatur sowie das Missverhältnis zwischen Anschaffungskosten für neue Billig-Schuhe und den Reparaturkosten. Mehr Schuhe könnten repariert werden, wenn die Verbraucher auf die richtige Pflege, Materialauswahl und den richtigen Reparaturzeitpunkt achten würden.

Frage 4:
Bitte schätzen Sie den Anteil, der nicht von Ihnen repariert werden kann.

Die Mehrheit (ca. 90 %) der Teilnehmer gab einen Wert von bis zu 20 % an nicht reparaturfähigen Schuhen an. Der Rest der Befragten war der Ansicht, dass der Anteil bei diesen noch höher liegt.

Frage 5:
Bitte schätzen Sie das Durchschnittsalter der Schuhe, die zu Ihnen zur Reparatur gebracht werden.

Die Altersangaben waren sehr vielseitig, jedoch zeichnete sich ab, dass knapp die Hälfte der zur Reparatur gegebenen Schuhe ein Alter von mehr als einem Jahr aber weniger als drei Jahren aufweisen. Schuhe mit einem Alter von bis zu einem Jahr und über drei Jahren wurden gleich häufig (jeweils ca. 25 %) zur Reparatur gebracht.

Frage 6:
Von welcher Qualität sind diese Schuhe und aus welchem Material bestehen sie?

Die meisten zur Reparatur gegebenen Schuhe bestehen aus Leder und weisen eine mittlere bis gute Qualität auf. Nicht so häufig werden auch Schuhe aus Kunststoffmaterial und Materialmixen zur Reparatur gebracht. Hier überwiegt allerdings die mittlere Qualität.

Auswertung

Für uns ergeben sich aus der Umfrage die Folgerungen:

  • Schuhe sind ab einem gewissen Qualitätsniveau in der Regel reparierbar.
  • Zum Teil werden vom Hersteller minderwertige Teile bei z. B. Sohlen und Absätzen verarbeitet, was zu einem Reparaturbedürfnis innerhalb der ersten Jahre führt.
  • Billige und minderwertige Schuhe werden häufig nicht zur Reparatur gebracht.

Bezugnehmend auf die Umfrage werden wir alle Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auffordern, die zeitnah zur Anschaffung auftretenden Mängel beim Schuhhändler anzuzeigen und ihre Mängelrechte wahrzunehmen.

Bei hochpreisigen Schuhen sind die Qualitätsansprüche besonders hoch, aber auch günstige Schuhe müssen bei gewöhnlicher Nutzung im Sinne der Nachhaltigkeit zumindest die Gewährleistungszeit überdauern.

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