Umwelt
19.09.2025
Reifenabrieb als Gefahr für Mensch und Umwelt
Die weltweite Plastikflut in der Umwelt wird immer stärker sichtbar. Ein wichtiger Anteil, der weniger ins Auge sticht, ist Mikroplastik. Dieses belastet Böden, Flüsse, Meere und die Luft – aber nicht Plastikverpackungen sind die Hauptquelle, sondern unsere Autoreifen: Denn auf jeden gefahrenen Kilometer lösen sich winzige Gummipartikel. Reifenabrieb zählt weltweit zur größten Einzelquelle. Mikroplastik bezeichnet winzige Kunststoffpartikel mit einer Größe zwischen einem Mikrometer und fünf Millimetern.
© Artinun - stock.adobe.comAbgefahrene Reifen lassen sich am fehlenden Profil erkennen, deshalb müssen sie regelmäßig ersetzt werden. Ungefähr 1,2 Kilogramm Abrieb entstehen während der Lebensdauer eines Reifens. In Deutschland gelangen so jährlich rund 100.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt (BAST).
Auf den Straßen landen nicht nur Naturkautschuk (Gummi) und synthetischer Kautschuk, sondern auch verschiedene Zusatzstoffe, welche für die Eigenschaften des Reifens, u.a. für das Fahrverhalten, das Laufgeräusch und den Bremsweg verantwortlich sind. Die Reifenzusammensetzung ist sehr unterschiedlich, der Abrieb nur schwer abbaubar. Hinzu kommen Umweltstoffe wie Sand, Staub und Laub. Im Englischen wird der Fachbegriff „tyre and road wear particles, TRWP verwendet, was „Partikel aus Reifen- und Fahrbahnverschleiß“ bedeutet.
Was passiert mit dem Reifenabrieb?
Etwa zehn Prozent des Abriebs gelangen als Partikel in die Luft und werden vom Wind verteilt. Besonders kleine Abriebstoffe können so bis in die feinsten Verästelungen der menschlichen Lunge geraten. Und von dort aus in den Blutkreislauf des Körpers gelangen.
Durch Verwehungen und Regen versickert der Großteil des Gemischs am Rande der Fahrbahn und gelangt so in den Wasserkreislauf. In Stadtgebieten wird Schmutz durch Regen direkt in die Kanalisation gespült.
Der Aufwand zur Entfernung von Schmutzpartikeln in herkömmlichen Kläranlagen ist enorm hoch, zudem lässt sich nicht der gesamte Reifenabrieb herausfiltern. Erforscht werden unter anderem spezielle Filteranlagen in Straßengullys, die bereits beim nächsten Niederschlag Reifenabrieb zurückhalten.
Wodurch wird Reifenabrieb beeinflusst?
Nicht unerheblich ist der Einfluss, den die individuelle Fahrweise auf den Verschleiß der Reifen hat. So sollten Reifen stets mit dem vorgegebenen Luftdruck gefüllt sein und eine vorausschauende, defensive Fahrweise gewählt werden.
Tipp: Unnötiges Gewicht im Fahrzeug vermeiden und Kurzstrecken möglichst zu Fuß oder dem Fahrrad erledigen. Besonders hoch ist die Belastung an Ampeln und in Kurven, auch die Geschwindigkeit und das Fahrzeuggewicht beeinflusst die Abriebmenge. Die Wahl von Reifen mit geringem Abrieb und guter Langlebigkeit kann ebenfalls helfen, passende Reifen für Sommer und Winter auswählen.
Neue Abgasnorm Euro 7 ab Ende 2026
Die strenge Regulierung der Abgasemissionen durch die EU hat dazu geführt, dass Neuwagen nur noch sehr geringe Partikelemissionen verursachen. Doch die Umweltverschmutzung durch Reifenabrieb ist bisher nicht reguliert und kann 1.000-mal schlimmer sein.
Mit Einführung der neuen Euro-7-Norm sollen erstmals auch sogenannte "Non-Exhaust Emissions" – also nicht-abgasbezogene Partikel – gesetzlich begrenzt werden (ADAC). Dazu zählt auch der Reifenabrieb. Ab dem 1. Juli 2028 gilt für neue Pkw-Reifen (Klasse C1) ein EU-weiter Grenzwert, der sich auf den Abrieb pro Tonne Fahrzeuggewicht bezieht, diese Grenzwerte werden derzeit festgelegt.
Nachhaltige Mobilität bedeutet Umdenken
Grenzwerte und vorausschauende Fahrweise lösen das Problem nicht. Vielmehr braucht es eine Mobilitätswende und dazu sind nötig:
- Weniger Individualverkehr
- Verbesserungen im Öffentlichen Nahverkehr – in der Stadt und im ländlichen Raum
- Reduzierung des Transportaufkommens auf den Straßen
- Tempolimit
Jeder eingesparte Autokilometer hilft – nicht nur dem Klima, sondern auch unseren Böden, Flüssen und Meeren und vor allem unserer Gesundheit.
Weiterführende Literatur:
ADAC-TEST ZUM REIFENABRIEB:
Kunststoffe in der Umwelt – Erarbeitung einer Systematik für erste Schätzungen zum Verbleib von Abfällen und anderen Produkten aus Kunststoffen in verschiedenen Umweltmedien
Wohin verschwindet der Reifenabrieb?
