Umwelt

08.09.2021

Rohstoffe im Blick: Was tun mit ausrangierter Kleidung?

Die Bekleidungsproduktion hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt (Greenpeace). In Deutschland kauft jede Person im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr, das entspricht laut Statista rund 4,7 Milliarden abgesetzter Kleidungsstücke im Jahr 2018. Niedrigstpreise verleiten zum schnellen Kauf. Der Fast-Fashion-Trend bedeutet zugleich, dass unterhalb einer gewissen Preisgrenze die Qualität nachlässt und wir dadurch viele Kleidungstücke früher aussortieren. Im Schnitt ist die Tragedauer nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren. Um diesem Trend entgegenzuwirken und nachhaltiger einzukaufen, gibt es wesentliche Merkmale, auf die Sie schon beim Kauf achten können: Faire Produktionsbedingungen, umweltverträgliches Material sowie gute Qualität.

Rohstoffe im Blick: Was tun mit ausrangierter Kleidung?
Foto: © Mariia Korneeva - stock.adobe.com

Qualität statt Masse

Ob wir ein Kleidungsstück gern anziehen, entscheidet sich bereits bei der Anschaffung. Häufig getragen wird Kleidung, die zum eigenen Stil passt und sich gut kombinieren lässt. Besonders Modisches hingegen ist bald schon wieder out. Nur etwa die Hälfte der Kleidung tragen wir regelmäßig, jedes fünfte Kleidungsstück nie oder nur einmal. Im Schnitt rangieren wir Kleider nach drei Jahren aus, viele werfen wir schon nach einer Saison weg, obwohl sie normalerweise sieben oder acht Jahre halten. Fragen Sie sich bei jeder Anschaffung: Brauche ich das Kleidungsstück wirklich? Muss ich es neu kaufen? Benötige ich besondere Stücke nur selten oder kurz, ist es sinnvoller, diese auszuleihen oder gebraucht zu beziehen anstatt billigst neu zu kaufen

Ein wichtiges Kriterium für eine gute Ökobilanz von Kleidung ist deren Langlebigkeit. Gebrauchte Textilien sind deshalb nicht nur bei Kinderkleidung eine preiswerte und ressourcenschonende Alternative. Gut erhaltene gebrauchte Kleidung bekommen Sie in Secondhand-Läden, auf Flohmärkten und Tauschbörsen. Insbesondere für Kinder lohnt sich der Kauf gebrauchter Kleidung.
Inzwischen gibt es auch online etliche Portale, die gute Gebrauchtkleidung anbieten.

Zu klein, zu bunt, zu unmodern: Die Weiterverwendung

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) veröffentlicht regelmäßig die Zahlen zum Altkleideraufkommen in Deutschland. Inzwischen wandern schätzungsweise jährlich 1,3 Millionen Tonnen Textilien in den Altkleidercontainer oder landen in der Straßensammlung (Textilstudie 2020 des bvse). Pro Jahr sind das 19 Kleidungsstücke oder 15 Kilogramm Sammelware pro Person.

Seit Jahren nimmt wegen der schnellen Entwicklungen auf dem Kleidermarkt zwar die Menge der Altkleider zu, deren Qualität aber ab. Fasergemische in Textilien erschweren das Recycling. So kann Vieles nur unzureichend wiederverwendet werden. Im Jahr 2018 betrug die Wiederverwendungsquote bei Alttextilien 62 Prozent in ihrer ursprünglichen Form.

Verlässliche Statistiken über den weiteren Weg dieser Textilien existieren aktuell nicht. Einen Teil, etwa 40 Prozent der Textilien, verkaufen die gemeinnützigen Sammler ganz legal auf dem internationalen Markt als Export meist in osteuropäische oder afrikanische Länder (NDR). Der Verkauf finanziert auch das Sammelsystem in Deutschland mit Containern, Transport und Sortierung.

Secondhand Weiterverwendung

Längst nicht alle Kleidung kommt in der Sammlung an, sondern findet sich im Hausmüll. Viel zu viel landet trotz hoher Sammelquoten in der Verbrennung. Laut Greenpeace werden 55 Prozent der Alttextilien nach wie vor vernichtet, beigemischt dem Müll in Verbrennungsanlagen oder nicht legal in „dunklen Kanälen“ in Osteuropa als Ersatzbrennstoff (siehe Filmbeitrag).

Nur etwa zehn Prozent der gesammelten Ware wird an Bedürftige weitergegeben oder secondhand verkauft. Wer dem entgegensteuern will, sollte neuwertige Sachen oder gut erhaltene Kleidung entweder secondhand verkaufen oder in die Kleiderkammern geben. Kleidung aus Mischgewebe lässt sich schlechter wiederverwerten als reine Baumwolle oder Polyester.

Tipp: Fallen Sie nicht auf die Strategie einiger Bekleidungsfirmen herein, die Kleidung gegen einen Gutschein zurückzunehmen. Das fördert eigentlich nur den Verkauf weiterer Kleidung. Vielfach lässt sich später nicht mehr genau nachvollziehen, wo die Ware landet. Häufig wird die Kleidung nach einem Export ins Ausland nicht weiterverwendet, sondern verbrannt. Ein Schicksal, von dem auch Textil-Retouren im Onlinehandel betroffen sind.

Thermische und stoffliche Verwertung

Etwa vier Prozent der gesammelten Textilien müssen wegen minderwertiger nicht recyclingfähiger Qualität von vornherein aussortiert werden. Acht Prozent im sogenannten thermischen Recycling als Brennstoff die Müllverbrennungen befeuern. Bei der stofflichen Verwertung finden 14 Prozent der Gesamtmenge eine Weiterverwendung zum Beispiel als Putzlappen. Die Faserrückgewinnung, die auch zur stofflichen Verwertung gehört, beträgt zwölf Prozent.

Große Walzen mit Reißnadeln zerfasern die Stücke. Aus den in Faserkonfetti gerissenen Kleidungsstücken lassen sich meist keine neuen einigermaßen haltbaren Fäden spinnen, sondern die einmal im Reißwolf gelandeten Textilien enden als Malerfließ oder Dämmstoff und gehen dann nach kurzer Nutzung dem System verloren. Bei der Wiederverwertung von Textilen handelt es sich damit um Downcycling. Dieses Recycling von Textilien ist wirtschaftlich und nachhaltig gesehen eigentlich unsinnig, da die dafür verwendeten Fasern nicht erneut einem Recyclingverfahren zur Verfügung stehen. Durch die verschiedenen Wertstoffsammlungen sind wir daran gewöhnt, möglichst viele Stoffe einem Recyclingkreislauf zuzuführen. Kleidung zu Kleidung-Recycling findet jedoch so gut wie gar nicht statt.

Siegel auch auf Containern geben gute Orientierung

In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Organisationen und Einrichtungen, die Altkleider sammeln. Sie unterstützen zum Teil konkrete Hilfsprojekte im In- und Ausland, betreiben Kleiderkammern und Secondhand-Läden. Doch auch die karitativen Einrichtungen, gewerblichen und kommunalen Sammler haben Probleme mit „Masse statt Klasse“, die Qualität der Altkleider hat deutlich nachgelassen. Billige Stoffe verstopfen Altkleider­container und Sortierbetriebe. Deshalb sollte man dort nur gut erhaltene und modische Kleidung und Schuhe sowie Haushaltstextilien abgeben, alles in Tüten verpackt, Schuhe paarweise gebündelt und zusammengebunden. Je weniger verdient wird, umso mehr unseriöse Sammler, die keine gemeinnützigen Ziele verfolgen und Kleidung illegal entsorgen, zieht der Markt an. Prüfen Sie deshalb vor der Kleiderspende, ob die Sammelaktion tatsächlich seriös ist.

Die über 130 Vertragspartner des gemeinnützigen Verbandes FairWertung haben sich verpflichtet, bei Sammlung und Vermarktung sozial- und umweltverträgliche Standards einzuhalten: Beispielsweise, wahrheitsgemäße Angaben über Zweck und Verwendung der Kleidersammlungen.

Tipp: Den Standort des nächsten Containers von FairWertung e.V. findet Sie online.

 

Ein Gütesiegel für seröse Spendenorganisationen verleiht das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen). Es steht für die nachgeprüfte, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spenden und damit für die Seriosität und Transparenz der geprüften Organisation.

Tipp: Vielerorts gibt es auch Kleiderkammern für Bedürftige, die Altkleidung entsprechend der Saison annehmen. Betriebe karitativ-gemeinnütziger Organisationen der Weitervermittlung und Pflege gut erhaltener Secondhand-Kleider in Städten und Gemeinden Bayerns finden Sie auch online als Karte im Abfallratgeber des bayerischen Umweltministeriums in einer Aufstellung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.


Tipps des VerbraucherService Bayern:

  • Achten Sie beim Kauf auf Qualität, Faserzusammensetzung, Tragekomfort und Pflegehinweise.
  • Weniger und bewusster einkaufen sowie auf Langlebigkeit achten. Mit Ihrem eigenen Stil, zeitlosen Klassikern und Lieblingsteilen sind Sie immer perfekt angezogen.
  • Kaufen Sie nur etwas, das Ihnen länger gefällt, aus einem Material, das Sie gerne tragen.
  • Wählen Sie ökologische und fair hergestellte Kleidung. Gütezeichen helfen Ihnen bei der Auswahl.
  • Aus alt mach neu: Mit ein wenig Geschick und Fantasie lassen sich gebrauchte Textilien reparieren oder in neue „Hingucker“ verwandeln.
  • Entsorgen Sie Altkleider sinnvoll. Saubere, aber beschädigte Baumwoll- oder Wollsachen eignen sich noch für die stoffliche Verwertung.
  • Nicht in die Kleidersammlung gehört dagegen nasse, stark verschmutzte oder stark beschädigte Kleidung und Wäsche, stark abgetragene Schuhe, Einzelschuhe, Gummistiefel, Skischuhe sowie textilfremde Stoffe.


Weiterführende Links:

Textilstudie 2020 des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse)
https://www.bvse.de/gut-informiert-textil-recycling/studie-2020.html

Dokumentation in der Reihe ZDFzoom „Die Fast-Fashion-Lüge - Was bleibt vom Recycling-Versprechen? - Film von Anne Kauth“
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-die-fast-fashion-luege-100.html

In der Reihe Xenius | Wissen „Kleider-Recycling: Humbug oder sinnvoll?“
https://www.youtube.com/watch?v=n6lx7V65Q-8

VerbraucherService Bayern im KDFB: Nachhaltig schick: Wegweiser umweltfreundliche Kleidung
https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/nachhaltig-schick-wegweiser-umweltfreundliche-kleidung

VerbraucherService Bayern im KDFB: In Kreisläufen denken – Ressourcen effizient nutzen
https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/in-kreislaeufen-denken-ressourcen-effizient-nutzen

VerbraucherService Bayern im KDFB: Wie umweltfreundlich ist Online-Shopping?
https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/wie-umweltfreundlich-ist-online-shopping