Umwelt

23.06.2020

Smart bewässern – ökologisch sinnvoll oder nur bequem?

Abnehmende Niederschläge im Sommerhalbjahr und anhaltende Trockenphasen sind auch in Bayern durch den Klimawandel keine Seltenheit mehr. Smarte Bewässerungssysteme versprechen neben einer optimalen Wasserversorgung der Pflanzen auch eine Zeitersparnis für Gartenbesitzer. Eine intelligente Bewässerung hilft dabei, Zier- und Gemüsepflanzen sinnvoll und wassersparend zu versorgen. Doch haben diese Systeme auch einen ökologischen Nutzen?

Smart bewässern – ökologisch sinnvoll oder nur bequem?
Foto: © EME - pixabay.com

Bewässerung in Zeiten des Klimawandels

Ein entscheidender Faktor für eine wassereffiziente Bewässerung ist die Uhrzeit. Optimal sind die frühen Morgenstunden, wenn die Sonne gerade aufgeht. In den Sommermonaten bedeutet dies, zwischen vier und sechs Uhr zu gießen. In dieser Zeit ist die Verdunstung am geringsten und das Wasser versickert ungestört in den Boden.

Gießen Sie den Garten per Schlauch oder Gießkanne von Hand, geschieht dies häufig am Abend, weil morgens keine Zeit bleibt. Pflanzen sollten jedoch möglichst nicht mit nassen Blättern in die Nacht gehen. Hier besteht die Gefahr von Pilzkrankheiten. Außerdem sollten Pflanzen eher seltener ergiebig als täglich wenig gewässert werden. So bilden sie ein tiefes, wenig trockenheitsanfälliges Wurzelwerk aus (weitere Infos siehe Umwelttipp „So überstehen Pflanzen Hitze und Trockenheit“). Hier bieten smarte Bewässerungssysteme Lösungsmöglichkeiten.

So funktionieren smarte Bewässerungssysteme

Auf dem Markt gibt es verschiedene Systeme, die vom Grundprinzip meist ähnlich funktionieren. Für die smarte Bewässerung wird ein Ventil zwischen Wasserhahn und Gartenschlauch geschaltet. Zusätzlich ist ein Steuerelement nötig, das der Nutzer in das häusliche WLAN, LAN oder per Bluetooth einbindet und via App oder Web steuert. Der Minicomputer gibt zur gewünschten Zeit den Durchfluss des Wassers frei und leitet es zum Ziel. Manche Systeme benötigen eine Steckdose, andere funktionieren mit Batterien, ein System arbeitet sogar mit integrierten Solarzellen. Zudem lassen sich in der App sämtliche Daten abrufen und Gießintervalle einstellen. Wer seinen Garten nicht vernetzen möchte, verwendet spezielle Zeitschaltuhren, die den Wasserzulauf zu bestimmten Zeiten regeln.

Technische Voraussetzungen

Es existieren sowohl Systeme, die mit Apples Betriebssystem iOS, als auch mit Android kompatibel sind und sich mit Hilfe des Dienstes IFTTT (If This Then That) auch in Szenen des heimischen smart Homes einbinden lassen. Bei einigen Systemen funktioniert auch die Steuerung mittels Amazon Alexa, Google Home oder Conrad Connect. Manche Produkte kommunizieren jedoch ausschließlich mit iOS und sind durch Apples HomeKit in das SmartHome integriert. Informieren Sie sich vor dem Kauf, ob sich die smarten Gartenelemente in das heimische System integrieren lassen. Aber auch ohne smart Home lassen sich die meisten Systeme per App steuern. Die smarten Gartenkomponenten benötigen jedoch meist ein Kommunikationsmittel, wie die Einbindung in das häusliche WLAN, aber auch Funkstandards wie Bluetooth oder Zigbee. Die Reichweite sollte bis in den Garten gewährleistet sein bzw. mit einem Repeater erweitert werden.

Ökologisch sinnvoll?

Der Mehrwert einer smarten Gartenbewässerung liegt in der Abstimmung der Wassermenge auf die Außentemperatur, die Bodenfeuchte und die Sonnenintensität. Dazu wird ein Sensor in den Gartenboden gesteckt und die gewonnenen Daten in der zugehörigen App zusammengeführt. Auf diese Weise führt das System den Pflanzen nur dann Wasser zu, wenn diese es auch benötigen. Die Bewässerungsdauer richtet sich nach der im Boden gemessenen Feuchtigkeit. Teilweise beziehen die Geräte auch lokale Wettervorhersagen in die Berechnung der Wassermenge ein. Ist das Gießwasser bis in eine Tiefe von 15 cm vorgedrungen, schließt das System die Ventile. Evapo-Transpirationssysteme berechnen die Wasserzufuhr über die Messung von Lichtintensität und Verdunstungsrate. Der Nutzer hat jederzeit die Möglichkeit, die Daten in der App einzusehen und auch selbst zu steuern.

Ein smartes Bewässerungssystem bietet die Chance, die richtige Menge Wasser zum richtigen Zeitpunkt zur Pflanze zu bringen und damit wertvolles Trinkwasser zu sparen. Allerdings verschlingt die Herstellung des benötigten technischen Equipments für den smarten Garten zunächst eine Menge an Energie und Ressourcen und verursacht nach einigen Jahren Elektroschrott (weitere Infos siehe Umwelttipp „Mit Smart Home den Energieverbrauch senken?“). Es existiert noch keine Ökobilanz, ob der Einsatz der smarten Gartentechnik ökologische Vorteile bringt. Meist schaffen sich Verbraucher*innen ein Bewässerungssystem an, um das lästige Gießen zu automatisieren oder die Nachbarn nicht bemühen zu müssen, wenn sie in den Urlaub fahren.

Fit für den Klimawandel – auch im Smart Garden

Um den smarten Garten auch für den Klimawandel fit zu machen, empfiehlt es sich, neben einer effizienten Bewässerung auch die Trinkwasservorräte zu schonen. Bewährte Tipps: Wählen Sie heimische, standortangepasste Pflanzen, die tendenziell auch mit wenig Wasser auskommen (z.B. Königskerze, Gemeine Schafgabe, Rote Lichtnelke). Moorpflanzen wie Rhododendren oder Hortensien haben dagegen einen hohen Wasserverbrauch. Außerdem empfiehlt sich die Nutzung von Regenwasser, das in Regentonnen, Zisternen oder Wassertanks gesammelt wird. Regentonnen lassen sich mit geringen finanziellen Mitteln jederzeit im Garten platzieren.

Auch smarte Bewässerungssysteme funktionieren mit Wasser aus Zisternen oder Regentonnen, wenn eine Pumpe für den nötigen Druck sorgt. Außerdem ist eine Filterung des Wassers sinnvoll, da die Leitungen sonst schnell verstopfen. Ökologisch gesehen ergibt sich ein eindeutiger Vorteil bei der Nutzung von Regenwasser. Der Regen wird demnach nicht über die Kanalisation wegtransportiert, sondern versickert dort, wo er fällt. Das kommt auch dem Grundwasserspiegel vor Ort zu Gute. Für die Pflanzen ist das weiche Regenwasser gut; Leitungswasser enthält häufig zu viele Mineralien.

Rasensprenger, Miniregner oder Schwitzschlauch?

Um das Wasser an die richtige Stelle zu leiten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am einfachsten sind oberirdisch verlegte Schläuche, beispielsweise an einen Rasensprenger angeschlossen. Etwas smarter lassen sich fest im Boden verlegte Rohrleitungen in Kombination mit Versenkregnern installieren. Sie sind in der Verlegung aufwändiger, bieten aber den Komfort der automatischen Bewässerung an der richtigen Stelle. Zu gegebener Zeit schieben sich die Versenkregner empor und beregnen je nach Größe eine kreisförmige Fläche zwischen drei und 15 Metern. Sie eignen sich vor allem für Rasenflächen.

Stauden-, Blumen- oder Gemüsebeete bewässern Sie besser mit Miniregnern. Diese beregnen nicht von oben, sondern erreichen mit einem Durchmesser von rund zwei Metern mittels Sprühregen in niedriger Höhe schnell den Boden, ohne die Blüten zu schädigen.

Tröpfchenbewässerung mit Hilfe perforierter Schläuche, die in den Beeten liegen, eignen sich insbesondere für Gemüsebeete oder Topfpflanzen auf Terrasse und Balkon. Damit halten Sie die Verdunstung gering und versorgen die Pflanzen regelmäßig mit Wasser. Die Hersteller versprechen Wassereinsparungen bis 70 Prozent. Allerdings bilden diese Pflanzen eher flache Wurzeln aus.

Die Nutzung unterirdisch verlegter sogenannter Perl- Tropf- oder Schwitzschläuche verringert die Verdunstung auf ein Minimum. Die Schläuche geben das Wasser durch unzählige kleine Öffnungen direkt an den Wurzeln der Pflanzen ab. Diese Systeme sind jedoch etwas störungsanfällig. Kalkhaltiges Wasser oder feiner Boden verstopft schnell die feinen Schlauchöffnungen. Außerdem benötigen sie in der Regel einen bestimmten Druck, damit das Wasser auch bis zum Ende des Schlauches transportiert wird. Alternative: „Drucklose“ Perlschläuche, die beispielsweise an die Regentonne angeschlossen werden können. Sie funktionieren durch die Kapillarkräfte des Bodens.

Möchten Sie verschiedene Gartenbereiche wie Rasen, Beete oder Gewächshaus unterschiedlich bewässern, empfehlen sich zusätzliche, programmierbare Ventile, die an den Gartenschlauch angeschlossen sind und das Wasser zum jeweiligen Gartenbereich weiterleiten. So gelingt es, wasserhungrige Gartenbereiche wie den Rasen und eher trockenheitsliebende Pflanzen optimal zu versorgen.

Schadstoffe im Schlauch: Umwelt- und Gesundheitsgefahr?

Herkömmliche Gartenschläuche bestehen meist aus Weich-PVC und fallen häufig durch zu hohe Schadstoffabgaben auf. Vor allem Weichmacher, PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und zinnorganische Verbindungen gehen auf das Wasser über und gelten als gesundheitlich bedenklich (Ökotest 2016). Aus diesem Grund sollten Sie Restwasser, das sich stundenlang im Schlauch befand oder sich durch Sonneneinstrahlung auf den Schlauch erhitzt hat, keinesfalls trinken, für das Planschbecken oder das Gießen von Obst- oder Gemüsepflanzen nutzen. Lassen Sie dieses Wasser immer erst ablaufen. Bei fest verlegten Gummitropfschläuchen aus Recyclingmaterial ist dies allerdings nicht möglich. Hier gilt es Nutzen und Risiko abzuwiegen.

Perlschläuche bestehen häufig aus recyceltem Gummi aus Altreifen. Grundsätzlich ist dies ökologisch sinnvoll. Für den Verbraucher ist allerdings nicht ersichtlich, aus welchem Material der Schlauch genau besteht. Laut Europäischem Chemikaliengesetz REACH ist die Abgabe krebserzeugender, erbgutverändernder und fortpflanzungsgefährdender Stoffe an den Endverbraucher generell untersagt. Seit 2010 gilt ein Grenzwert für PAK in Reifen. Es ist aber nicht restlos auszuschließen, dass recyceltes Material auch Altreifen enthält, die vor 2010 hergestellt wurden. Seien Sie bei einem starken ölartigen Geruch des Schlauches skeptisch. Dies kann ein Hinweis auf PAKs sein (Umweltbundesamt), welche sich nur sehr schlecht abbauen: Sie reichern sich somit in der Umwelt und Organismen an und sind giftig für Menschen oder Organismen (Umweltbundesamt).

Automatische Bewässerung ohne Kunststoff und Technik

Automatische Bewässerung funktioniert im Kleinen auch ohne Technik: Ein Tontopf mit Loch neben der Tomatenpflanze in die Erde gegraben und mit Wasser gefüllt, garantiert eine langandauernde Bewässerung in der Nähe der Wurzeln. Professioneller, aber nach dem gleichen Prinzip, funktionieren sogenannte Bewässerungskugeln.

Fazit

Eine smarte Bewässerung lässt sich aus ökologischer Sicht noch nicht klar bewerten. Eine Wassereinsparung steht hier einem erhöhten Ressourceneinsatz durch technische Geräte und Verteilungsequipment entgegen. Die smarte Technik findet sich voraussichtlich in den nächsten Jahren zunehmend in privaten Gärten. Der Mähroboter hat diese Entwicklung bereits vollzogen. Hier gilt es demnach, auch in einem smarten Garten durch Pflanzenwahl und Nutzung von Regenwasser den Wasserverbrauch zusätzlich zu optimieren.

Weiterführende Links:

Stiftung Warentest: Test Bewässerungssysteme

Mein schöner Garten: Bewässerungssysteme

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