Umwelt

10.11.2025

Smartphone-Kauf: Nachhaltigkeit, Orientierung, Durchblick

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie spiegeln wie kein anderes Gerät unsere schnelllebige Konsumgesellschaft und die fortschreitende Digitalisierung wider. Eine kurze Nutzungsdauer der Geräte geht zulasten der Umwelt. Verbraucherinnen und Verbraucher können durch die bewusste Gerätewahl und eine lange Smartphone-Nutzung die negativen Umweltfolgen reduzieren. Neue Vorgaben der EU sorgen für mehr Transparenz beim Neukauf.

Smartphone-Kauf: Nachhaltigkeit, Orientierung, Durchblick© Andrey Popov - stock.adobe.com
Smartphones, die ab dem 20. Juni 2025 in Verkehr gebracht werden, müssen mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet sein.

Rund 20 Millionen Smartphones werden in Deutschland jedes Jahr gekauft, der Austausch erfolgt im Schnitt bereits nach 2,5 Jahren (Wuppertal Institut). Eine kurze Nutzungsdauer geht zulasten der Umwelt, da der Großteil der Umwelt-Belastung durch Smartphones in der Produktion entsteht. Bereits eine Verlängerung der durchschnittlichen Gebrauchsdauer auf fünf bis sieben Jahre könnte die Treibhausgasemissionen von Smartphones um etwa die Hälfte reduzieren (Wuppertal Institut). Eine lange Lebensdauer trägt auch zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs und des Elektroschrott-Aufkommens bei.

Um die Gebrauchsdauer zu verlängern, hat die EU verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht.

EU-Energielabel: Mehr Transparenz bei Smartphones

Smartphones, die ab dem 20. Juni 2025 in Verkehr gebracht werden, müssen mit dem EU-Energielabel gekennzeichnet sein. Wie bei anderen Geräten reicht die Energieeffizienzklasse von A (beste Einstufung) bis G (schlechteste Einstufung).

Für eine lange Nutzung entscheidend sind Faktoren wie die Lebensdauer des Akkus sowie Widerstandsfähigkeit und Reparierbarkeit des Handys, die ebenfalls dem Label zu entnehmen sind. Anhand der Einstufung auf einer Skala von A (beste Einstufung) bis E (schlechteste Einstufung) erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher, wie robust ein Gerät bei freiem Fall ist und wie gut es sich reparieren lässt. Zudem erhalten sie Informationen zur Akkulaufzeit sowie zur Anzahl der Ladezyklen, nach denen der Akku noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität erreicht.

Der Eindringungsschutzgrad (IP-Kennziffer) zeigt, wie gut ein Gerät gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern (erste Ziffer) bzw. Feuchtigkeit (zweite Ziffer) geschützt ist. Die Skala reicht von 0 (kein Schutz) bis 6 („staubdicht“) bzw. 8 („wasserdicht“).

Die Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung EPREL (https://eprel.ec.europa.eu/screen/home) ermöglicht den Vergleich verschiedener Smartphones und erleichtert die Suche nach effizienten Geräten. Mithilfe der Filtereinstellungen lassen sich gezielt sparsame und langlebige Modelle suchen und miteinander vergleichen.

Verfügbarkeit von Updates und Ersatzteilen

Um eine lange Nutzungsdauer zu ermöglichen, müssen Geräte, die neu auf den Markt kommen, bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. So muss der Akku nach 800 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Ladekapazität erreichen. Hersteller sind zudem verpflichtet, kostenlose Sicherheits- und Betriebssystems-Updates für mindestens fünf Jahre sowie Ersatzteile für mindestens sieben Jahre bereitzustellen. Diese Zeiträume gelten nach Verkaufsende des jeweiligen Modells (Tagesschau).

Unsere Kaufentscheidung zählt: Bei Handys auf Nachhaltigkeit setzen

Durch eine bewusste Gerätewahl und insbesondere durch eine lange Smartphone-Nutzung können Verbraucher*innen die negativen Umweltfolgen reduzieren. Neben dem EU-Energielabel gibt es weitere Informationsmöglichkeiten zur Auswahl eines Produkts.

Die Stiftung Warentest testet regelmäßig neue Smartphones auf ihre Gebrauchseigenschaften und bietet eine hilfreiche Orientierung beim Handy-Kauf.

Ein wichtiges Kriterium beim Neukauf ist zudem eine möglichst umwelt- und sozialverträgliche Produktion. Das Fairphone ist derzeit das einzige Smartphone, das mit dem Zeichen TCO Certified ausgezeichnet ist. Hersteller von Fairphone und Shiftphone beispielsweise verzichten auf Rohstoffe aus Konfliktregionen und setzen auf möglichst faire Herstellung und reparierbares Design. Durch den modularen Aufbau lassen sich defekte Bauteile wie Akku oder Display leicht selbst ersetzen. Wie gut Smartphones zu reparieren sind, zeigt beispielsweise der Reparierbarkeits-Index von Ifixit. Hier sind auch Reparaturanleitungen erhältlich.

Eine umweltfreundliche Alternative zum Neukauf ist der Kauf gebrauchter Geräte. Der Begriff „Refurbished“ bezeichnet überholte, gereinigte und geprüfte Smartphones, Tablets, Notebooks und andere Geräte. Achten Sie darauf, ob es sich um einen gewerblichen oder einen privaten Verkäufer handelt. Bei einem gewerblichen Händler haben Sie Anspruch auf mindestens zwölf Monate Gewährleistung und im Falle eines Online-Kaufes ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Die Stiftung Warentest hat Online-Shops für refurbished Laptops (9/2025) und Smartphones (3/2023) getestet.

Links:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Neues Energielabel für Smartphones und Tablet
European Commission: Smartphones and Tablets. Energy labelling and Ecodesign requirements apply to this product
Ökotest: Neues Energielabel für Smartphones und Tablets
Umweltbundesamt: Smartphones, Tablets und andere mobile Telefone
Verordnung (EU) 2023/1670 der Kommission vom 16. Juni 2023
Wuppertal Institut: Zukunftsbild Smartphone: Wege zur Kreislaufwirtschaft